Viele neue Stammzellenspender kommen in die Regenbogenschule

Typisierungsaktion: Andrang in Rünthe macht Marco Füllenbach fast sprachlos

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Bergkamen - Gefühlt ganz Rünthe hat sich am Samstag gegen Blutkrebs und für Marco Füllenbach stark gemacht. 599 Freunde, Nachbarn und Hilfsbereite kamen, um sich bei der Typisierungsaktion in der Regenbogenschule als Stammzellenspender registrieren zu lassen. "Heute Abend habe ich bestimmt keine Stimme mehr", scherzte Füllenbach, der sichtlich Mühe hatte, den gewaltigen Menschenandrang zu verarbeiten.

Pausenlos wurden Umarmungen, Händeschüttler und Dankesworte ausgetauscht. "Der Wahnsinn. So, wie die Leute alle hinter mir stehen, ist das keine Selbstverständlichkeit", kommentierte der bodenständige Familienvater ungläubig. 

Seit drei Monaten weiß Füllenbach: Er hat MDS, eine Erkrankung, bei der sein Knochenmark nicht mehr genug gesunde Blutzellen bilden kann. "Momentan bin ich noch in der Verdrängungsphase – ich gehe arbeiten, spiele mit meinen zwei Kindern und helfe heute am Grillstand aus", sagt er. 

Chemotherapie und Bestrahlung machten ihm das allerdings immer schwerer. "Jetzt kann ich nur darauf hoffen, dass es irgendwo einen passenden Stammzellenspender für mich gibt."

Statistisch gesehen 20 Übereinstimmungen mit Erkrankten

Die Chance, dass die vom SuS Rünthe – allen voran Organisator Markus Frank – auf die Beine gestellte Typisierungsaktion Füllenbachs Warten ein Ende setzt, ist zwar verschwindend gering. "Aber einen Versuch wert ist es in jedem Fall", so Frank. 

Außerdem gehe ein solches Event durchschnittlich mit etwa 20 Übereinstimmungen für andere Erkrankte aus. 

Typisierungsaktion für Marco Füllenbach in Rünthe

Am Samstag standen die Menschen vor sämtlichen 24 Registrierungs-Stationen Schlange, um Füllenbachs Chancen mit ihrer Gewebeprobe zu erhöhen. In der Mehrzweck-Sporthalle herrschte durchweg Hochkonjunktur. Darüber staunten selbst Kooperationspartnerin Clara Bigalke und ihr Team von der DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei), die sämtliche zur Registrierung erforderlichen Materialien stellten.

"Niemand muss Angst davor haben, Stammzellen zu spenden"

"Wir nehmen nachher alle Proben mit nach Köln, lassen sie im Labor untersuchen und speisen sie in unsere Datenbank ein", erklärte Bigalke das Prozedere. Wer als Spender für Füllenbach oder aber jemand anderen in Frage komme, werde benachrichtigt und zu weiteren Voruntersuchungen eingeladen. 

"Wir müssen nämlich sichergehen, dass für niemanden auch nur das geringste Risiko besteht – weder für den Empfänger, noch für den Spender", betonte sie. Erst bei denen, die alle körperlichen und psychologischen Tests bestünden, sei die Stammzellen-Entnahme über ihre Armvene oder den Beckenkamm möglich. "Da gibt es viele falsche Gerüchte. Aber niemand muss Angst davor haben, Stammzellen zu spenden."

Rahmenprogramm auf die Beine gestellt

Bei der Typisierung läuft es heutzutage ganz ohne Pieks. Erst mussten die freiwilligen Spender zwischen 17 und 55 Jahren einige Fragen beantworten; dann bekamen sie von den Typisierungshelfern des SuS Rünthe je drei Wattestäbchen in die Hand gedrückt: eines für die rechte Wange, eines für die linke und eines für Zähne und Zahnfleisch unter der Oberlippe. 

Für den Hunger danach gab es eine breite Auswahl gespendeter Kuchen oder Grillwürstchen. Alle Spender durften darüber hinaus zu einer kostenlosen Ausfahrt durch Rünthe antreten – entweder mit dem Planwagen oder einem von insgesamt sechs Mustangs. 

Kinder konnten auf der obligatorischen Hüpfburg in Feuerwehr-Form toben oder aber die Möglichkeit nutzen, in ein echtes Feuerwehr-Auto des Löschzugs Rünthe hinein zu schnuppern. 

Markus Frank: "Hätte mir so einen Erfolg nicht erträumen können"

Ob Feuerwehr, DRK oder die über 80 SuS-Mithelfer – zahlreiche Vereine und Organisationen unterstützten die Veranstaltung entweder hinter den Kulissen oder mit einem kleinen Beitrag zum Rahmenprogramm. Selbst der BVB und Schalke 04 schickten ihre Maskottchen Emma und Erwin vorbei. 

Die Erlöse aus Spendenboxen und Kaffeekassen gingen hinterher direkt an die DKMS. Am Ende des Tages waren schließlich alle zufrieden: ganz besonders jedoch Marco Füllenbach und Markus Frank. "Als mir die Idee für unsere Aktion vor etwa einem Monat kam, hätte ich mir so einen Erfolg nicht einmal erträumen können", resümierte Frank stolz. 

Wer im Nachhinein noch helfen wolle, könne sich jederzeit ein Registrierungsset von der DKMS bequem nach Hause schicken lassen. "So einfach ist Leben retten."

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