Trotz Vandalismus: Helfer retten über 3000 Amphibien in Bergkamen

Amphibienwanderung hat begonnen
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Bergkamen – Die letzten Frösche müssen sich noch auf den Rückweg machen, doch die Krötengruppe Bergkamen hat jetzt die Saison beendet und den 240 Meter lange Amphibienschutzzaun an der viel befahrenen Erich-Ollenhauer-Straße zwischen Oberaden und City wieder abgebaut.

Die tägliche Arbeit seit dem 1. Februar hat sich gelohnt. 4126 von der Halde zum Laichgewässer Schwanenweiher wandernde Amphibien brachten die ehrenamtlichen Tierschützer um Thorsten Bramey sicher über die Straße. Dabei ließen sie sich auch nicht von Vandalismus unterkriegen.

Nicht nur Kröten, auch Kammmolche wurden von den freiwilligen Helfern eingesammelt.

1795 Kröten, 128 Teich- und 87 Grasfrösche, 349 Teich-, 130 Berg-, 59 Faden- und drei Kammmolche sammelten die Helfer auf deren Hinweg am Zaun ein. „Die Zahl liegt deutlich über den Sammlungen der vergangenen Jahre, speziell bei den Kröten“, teilten die Krötenfreunde in einer Pressemitteilung mit. 2019 wurde erstmals auch ein Blick auf die Rückkehrer geworfen. Insbesondere Kröten wandern nach dem Ablaichen schnell zurück. Frösche und Molche verbleiben länger im und am Gewässer. 1575 Amphibien halfen die Bergkamener beim Weg zurück in ihr Revier.

Einsatz bis kurz vor Mitternacht

16 Tierschützer waren im Einsatz. Die Amphibien sind morgens und abends unterwegs, gerne wenn es feucht ist. „Sie haben es am liebsten, wenn Sauwetter ist“, sagt Christian Kruthoff, der mit seinen Mitstreitern zuletzt bis kurz vor Mitternacht unterwegs war. Um die letzten Nachzügler über die Straße zu tragen, werden sie an Regentagen wieder ausschwärmen. 

Zwischenzeitlich wurde das Gemüt der Krötenfreunde allerdings arg strapaziert. Mehrfach wurden die Fangeimer in den Schwanenweiher geworfen und einige Stangen des Zauns rausgezogen. „Wir hatten schon überlegt, ihn nicht wieder aufzubauen“, sagt Kruthoff. Doch rund um Ostern konnte ein Vandale dank eines aufmerksamen Bürgers, so Kruthoff, auf frischer Tat ertappt werden. 

„Von dann an war Ruhe. Deshalb gehe ich davon aus, dass es nur einer war“, meint Kruthoff. Die Eimer habe man mühsam wieder rausfischen können, am Zaun war zum Glück nichts kaputt, lediglich einige Halterungen fehlten. Dennoch hat der Ehrenamtler für ein solches Verhalten kein Verständnis. 

L821n als weitere Belastung?

Bei Wind und Wetter haben die Krötenfreunde mit wetterfester Kleidung und Gummistiefeln ausgerüstet morgens und abends täglich die Strecke, die leicht länger als im Vorjahr war, kontrolliert. Der tägliche Höhepunkt der Wanderung ist ab Eintritt der Dämmerung und dauert etwa zwei Stunden. Dann können durchaus so viele Tiere in den Eimern sein, dass zehn Kilo zusammenkommen. 

„Das macht Spaß“, sagt Kruthoff. Deswegen werden die Zäune auch im Januar 2021 wieder aufgestellt. Weniger lustig ist, dass sich nicht alle Autofahrer an Tempo 30 halten und die mit Warnwesten ausgestatteten Krötensammler so gefährden. Auch der viele Müll und die Hinterlassenschaften von Hunden sind so störend wie unerwünscht. Die L821n könnte sich nach Angaben der Gruppe als weitere Belastung für die Amphibien herausstellen.

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