Trotz Kritik: Bergkamen wird Teil der IGA

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Östlich der Jahnstraße soll ein Willkommensareal sowohl für die IGA 2027 als auch für die Wasserstadt Aden entstehen. Zu erreichen sind Flächen über den dortigen Kreisverkehr.

Bergkamen – Die Stadt Bergkamen beteiligt sich an der „IGA Metropole Ruhr 2027 gGmbH“. Das hat der Haupt- und Finanzausschuss in dieser Woche mit Mehrheit von SPD und Grüne beschlossen. Die Beteiligung gilt als einer der letzten organisatorischen Bausteine zur Durchführung der internationalen Gartenbauausstellung auf hiesigem Stadtgebiet.

Bergkamen übernimmt mit Zahlung von 350 Euro 1,4 Prozent der Gesellschafteranteile. Ebenso hoch ist die Beteiligung der Nachbarstadt Lünen, mit der ein sogenannter Zukunftsgarten gestaltet werden soll. Insgesamt soll es in der gesamten Metropole Ruhr fünf dieser Zukunftsgärten geben, auch in Dortmund, Duisburg, Gelsenkirchen und im Kreis Recklinghausen. Bergkamen bringt seine Haldenlandschaft am Datteln-Hamm-Kanal ein.

Die IGA ist in Bergkamen politisch umstritten. Im Ausschuss hielt vor allem CDU-Fraktionschef Thomas Heinzel Gegenrede. Es sei nicht Aufgabe der Stadt, eine Gartenausstellung durchzuführen, betonte er. Das Geld, das dafür aufgewendet werde, sollte lieber in andere Bereiche fließen.

"Kosten-Nutzen-Abschätzung wird Negativ"

Dazu gebe es viele kreative Ideen. Wenn es darum gehe, Fördermittel zu generieren, bedürfe es nicht des Umwegs über dieses Projekt. Die CDU-Fraktion stimmte ebenso wie BergAUF-Vertreterin Claudia Schewior gegen eine Beteiligung an der Durchführungsgesellschaft.

Auch FDP-Ratsfrau Angelika Lohmann-Begander, die im Ausschuss keine Stimme hatte, sieht die IGA kritisch. „Die Kosten-Nutzen-Abschätzung wird ins Negative verlaufen“, prognostizierte sie. Überdies sieht sie angesichts der Corona-Krise keine finanziellen Spielräume für die Stadt. Aktuell würden mit Millionen und Milliarden Euros um sich geworfen – „das Geld muss aber irgendwo herkommen“.

SPD und Grüne sehen Vorteile

„Positive Effekte“ für die Stadt verspricht sich hingegen SPD-Fraktionschef Bernd Schäfer, und für den Vorsitzenden der Grünen-Fraktion, Hans-Joachim Wehmann, ist der Wert der IGA für die Bevölkerung „immens“. Beide sehen große Chancen für die Stadt Bergkamen.

Die hatte die Verwaltung zuvor in ihrer Beschlussvorlage formuliert. Sie erhofft sich von der IGA einen „nachhaltigen Beitrag im andauernden Strukturwandel“, in dessen Folge sich die Lebensqualität der Bürger verbessert und Bergkamen langfristig auch für Touristen interessanter wird. Die IGA könne zudem „Impulsgeber für private Investoren“ sein, heißt es.

Risiko in niedrig sechsstelliger Höhe

Das finanzielle Risiko durch die Beteiligung an der IGA gGmbH beziffert die Verwaltung mit rund 110 000 Euro. So hoch ist laut Gesellschaftervereinbarung der maximale Verlustausgleich, für den die Stadt aufkommen müsste. Demgegenüber sei zu berücksichtigen, dass die Haldenlandschaft als zentrale Fläche des Zukunftsgartens in den wesentlichen Grundzügen durch die RAG im Bergrecht hergestellt werde. „Lediglich die Aufwertung und Attraktivierung ist über Eigenanteile und Zuwendungen zu finanzieren.“

Wie hoch die Summe sein wird, lässt sich laut Verwaltung erst sagen, wenn das konkrete Planungskonzept vorliegt. In jedem Fall stelle auch die derzeit verhandelte Übernahme der Haldenlandschaft durch den Regionalverband Ruhr (RVR) eine „wesentliche Kostenersparnis“ für den städtischen Etat dar. Mit dieser Übernahme könne die „erfolgreiche Zusammenarbeit, wie sie bereits bei der Halde Großes Holz und dem Beversee praktiziert wird, fortgesetzt werden“.

Thomas Reichling sitzt im IGA-Ausfsichtsrat

Für die Stadt Bergkamen wird Thomas Reichling im Aufsichtsrat der IGA gGmbH sitzen. Er ist Leiter des Amtes für Planung, Tiefbau und Umwelt. Laut dem Beigeordneten Marc Alexander Ulrich schreiten zudem auch die fachlichen Planungen zur IGA voran. Ende September starte der EU-weite Realisierungswettbewerb, Ende Januar 2021 entscheide das Preisgericht über die eingereichten Konzepte.

Mit dem Thema IGA beschäftigt sich auch der Ausschuss für Stadtentwicklung, Strukturwandel und Wirtschaftsförderung in seiner Sitzung am nächsten Dienstag (17 Uhr; Ratssaal des Ratstraktes). Da geht es um die planerischen Voraussetzungen zur Schaffung eines zentralen Willkommensareals, das für den Zukunftsgarten gedacht ist, aber auch der Wasserstadt Aden dienen soll. Dazu wird der Bereich östlich des Kreisverkehrs an der Jahnstraße umgestaltet, über den beide Flächen erschlossen werden. Konkret soll das Willkommensareal mit in das Stadtumbaugebiet „Wasserstadt Aden“ aufgenommen werden, sodass Fördermittel für die Maßnahme fließen können.

Wechsel der Fortbildungsart

In der Verwaltungsvorlage zur Sitzung heißt es: „Das Willkommensareal soll die Besucher in unterschiedliche Richtungen lotsen und durch eine Mobilitätsstation einen Wechsel der Fortbewegungsart ermöglichen. Von hier aus soll der zur IGA geplante Bahn-Haltepunkt an der Hamm-Osterfeld-Trasse über eine direkte Fuß- und Radwegeverbindung angebunden werden.“

Internet

www.bergkamen.de/wirtschaft-bauen-verkehr-umwelt/iga2027

www.wasserstadt-aden.de

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