Aus den Erfahrungen im Frühjahr gelernt

Trotz Lockdown: Nachhilfe läuft weiter, Nachfrage ungebrochen

Coronavirus - Schulunterricht zu Hause
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Mit Hilfe des Computers können Schüler auch im Lockdown Nachhilfe-Unterricht erhalten. In Bergkamen gibt es vielfältige Angebote.

Die Schulsituation während des Shutdowns stellt die Schülerinnen und Schüler sowie die Eltern vor viele Herausforderungen. Dazu gesellt sich bei vielen die Frage: Ob und auf welche Weise läuft der Nachhilfeunterricht weiter? Und kann aktuell Nachhilfe neu in Anspruch genommen werden? Die Einrichtungen in Bergkamen haben sich spannende Konzepte ausgedacht, auch jetzt ihre Angebote fortführen zu können. Und an einigen Schulen gibt es eine außergewöhnliche Möglichkeit für die Schüler, selbst auf Nachhilfelehrersuche zu gehen.

Bergkamen – Die Bergkamener und Kamener Standorte des Studienkreises Nachhilfe setzen für die Fortführung des Nachhilfeunterrichts komplett auf ein Onlineangebot. „Unsere Lehrer und Schüler sind per Skype verbunden“, erzählt Elke Lilienweiß. „Einige der Schülerinnen und Schüler wünschen sich modernere Plattformen zum Austausch“, ergänzt die Leiterin des Studienkreises Bergkamen und Kamen schmunzelnd. „Aufgrund der besseren Datenschutzbestimmungen haben wir uns aber für Skype entschieden.“

Seit dem 11. Januar befinden sich die rund 30 Lehrer und die etwa 100 Schüler in einer Findungsphase für den neu anlaufenden Online-Unterricht. In dieser ersten Woche musste sich erst einmal alles einpendeln. „Uns ist sehr wichtig, dass es keine Änderungen bei den Lehrer-Schüler-Kombinationen und den Unterrichtszeiten gibt“, erklärt Lilienweiß. „So muss sich keiner umstellen und muss das auch nicht tun, wenn wieder zu Präsenzunterricht gewechselt werden kann.“

Aus dem ersten Lockdown gelernt

Aus dem Online-Angebot zu Zeiten des ersten Shutdowns im Frühjahr des vergangenen Jahres hat die Leiterin der beiden Studienkreis-Standorte einiges gelernt. „Damals haben sich die Lehrer eigenständig um die Termine und den Kontakt zu ihren Schülern gekümmert“, erinnert sich Lilienweiß. „Jetzt haben wir dafür gesorgt, dass das Büro ständig besetzt ist und dass alles zentral geregelt wird.“ Und so kommt es, dass gerade in der ersten Woche das Handy von Elke Lilienweiß alle paar Minuten klingelte.

Mal konnte ein Schüler vom Lehrer nicht erreicht werden, mal waren es technische Probleme, dann wieder ganz andere Unvorhersehbarkeiten. „Wenn ich Bescheid bekomme, kann ich ganz schnell reagieren und zum Beispiel Kontakt mit den Eltern des jeweiligen Kindes oder Jugendlichen aufnehmen“, erzählt Elke Lilienweiß. „Wenn die erste Woche erst einmal hinter uns liegt, haben wir alle regelmäßigen Nachhilfetermine einmal erlebt und alle Schüler einmal erreicht. Dann läuft alles ruhiger.“

Zusammenarbeit mit Schulen ist enger

Dass sich durch das veränderte Unterrichtsgeschehen an den Schulen die Anforderungen an den Nachhilfeunterricht geändert haben, sieht Elke Lilienweiß nicht. Zumindest auf inhaltlicher Ebene: „Die Lehrpläne stehen, dahingehend ist alles fest geplant.“ Von Änderungen gegenüber der Zeit vor dem derzeitigen Shutdown kann die Leiterin dennoch berichten. So sei die Zusammenarbeit mit den Schulen noch besser geworden, gelegentlich würden sich auch Lehrer der Schulen mit Fragen und Anregungen bei ihr melden. Außerdem würden die Nachhilfelehrer durch die Videoanruf-Situation mitunter bessere Eindrücke von der privaten Lebenssituation ihrer Schützlinge bekommen.

Mit Blick auf die Schüler im Alter von zwölf bis 16 Jahren macht sich Elke Lilienweiß Sorgen. „Da müssen wir aufpassen, dass wir da nicht eine Generation haben, die komplett abschaltet“, verweist sie darauf, dass gerade in diesem Alter während des derzeitigen fehlenden Präsenzunterrichts die Verlockung groß ist, vieles schleifen zu lassen. Darüber hinaus gibt es Überlegungen, für die Schüler der Abschlussklassen doch Präsenznachhilfe zu ermöglichen. „Hier wäre eine Sonderregel gut, weil in diesem Fall häufig eine tiefergehende Betreuung wichtig ist“, erklärt Lilienweiß. Sie hat aber auch Bedenken dabei, da sie ihre Nachhilfelehrer und deren Schüler nicht gefährden möchte.

Trotz der außergewöhnlichen Situation können sich neue Interessenten jederzeit kostenlos beraten lassen und sich für den Nachhilfeunterricht anmelden. Dieser wird online im vollen Umfang gegeben. Neben dem Studienkreis Nachhilfe bietet auch die Schülerhilfe in Bergkamen und Kamen weiterhin ein Angebot an. In der Regel wird dort zweimal wöchentlich in kleinen Gruppen online unterrichtet.

Der Klassiker Schwarzes Brett und die Nachhilfekartei als digitale Ergänzung

Wer sich lieber persönlich um einen privaten Nachhilfelehrer kümmert, schaut in Schulen aufs Schwarze Brett, wenn das wieder möglich ist, oder guckt sich im Internet auf diversen Plattformen um, auf denen Anzeigen geschaltet sind.

Im Städtischen Gymnasium Bergkamen, in der Willy-Brandt-Gesamtschule sowie der Freiherr-vom-Stein Realschule Bergkamen wird jedoch seit einigen Jahren ein spannendes Onlineangebot für die Vermittlung zwischen Schülern und Nachhilfelehrern geboten: Mit der Nachhilfekartei können sowohl die Schüler, die Unterricht bekommen wollen, sowie die meist älteren Schüler, die Nachhilfeunterricht anbieten, Anfragen erstellen. Ein gern genutztes System, das auch während des aktuellen Shutdowns weiterläuft. „Die Zugriffszahlen haben sich sogar erhöht“, informiert Till Weiß, der das System mitentwickelt hat.

Netzwerke bilden

Neben dem offensichtlichen Vorteil, schnell einen passenden Nachhilfelehrer beziehungsweise schüler zu finden, sieht Weiß aktuell noch andere Vorteile: „Die Schüler kommen auf diese Weise ja auch in Kontakt miteinander, sie vernetzen sich, ihre Reichweite erhöht sich.“ Eine wichtige Sache, die für gewöhnlich unter dem derzeitigen Shutdown leidet. Dabei ist der Radius der Nutzer nicht auf die eigene Schule beschränkt, sondern deckt alle das System nutzenden Schulen ab. Ein Schüler der Realschule kann so also auch einen Nachhilfelehrer der Gesamtschule oder des Gymnasiums finden.

Derzeit wird die Webanwendung nur in Bergkamen genutzt. Gespräche mit anderen Schulen gibt es aber bereits. „Wir hoffen natürlich sehr, dass die Nachhilfekartei noch wächst“, erzählt Till Weiß.

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