Problem „toter Winkel“

Trixi-Spiegel für mehr Sicherheit im Verkehr: Kreis will Gefahren beim Abbiegen verringern

Trixi-Spiegel heißen die Helfer, die Lkw- und Autofahrer beim sicheren Rechtsabbiegen unterstützen und so das Leben von Radfahrern und Fußgängern schützen sollen (hier ein Bild aus Münster). Der Erfinder hatte ihnen den Namen verliehen. Die Einführung geht auf einen erfolgreichen Antrag der SPD-Fraktion im Kreistag zurück.
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Trixi-Spiegel heißen die Helfer, die Lkw- und Autofahrer beim sicheren Rechtsabbiegen unterstützen und so das Leben von Radfahrern und Fußgängern schützen sollen (hier ein Bild aus Münster). Der Erfinder hatte ihnen den Namen verliehen. Die Einführung geht auf einen erfolgreichen Antrag der SPD-Fraktion im Kreistag zurück.

Der Kreis Unna möchte an Ampelkreuzungen und Einmündungen von Kreisstraßen sogenannte Trixi-Spiegel anbringen, um die Gefahren für Radfahrer und Fußgänger durch rechts abbiegende Fahrzeuge zu verringern – in jeder der zehn Kommunen zunächst bis zu drei. „Wir begrüßen alles, was zusätzliche Verkehrssicherheit bringt“, heißt es bei der Polizei.

Kreis Unna – Aktiv wird der Kreis Unna im Auftrag der Politik. So hat der Ausschuss für Feuerwehr, Sicherheit, Ordnung und Straßenverkehr des Kreistags die Maßnahme einstimmig beschlossen. Das Gremium stimmte damit für einen entsprechenden Antrag der SPD-Fraktion.

Zunächst sollen Erfahrungen mit dem Trixi-Spiegel gesammelt werden. In einem weiteren Schritt könnte derlei Hilfsmittel im größeren Stil montiert werden – so wie etwa in Münster, Freiburg oder Göttingen.

Leidtragende zumeist Radfahrer

Die kleinen Konvexspiegel, die zumeist unmittelbar am Signalgeber einer Ampel und damit im Sichtfeld der Autofahrer angebracht werden, sollen Tote-Winkel-Unfälle vermeiden helfen. Seinen Namen haben sie vom Erfinder Ulrich Willburger, dessen Tochter Beatrix 1994 bei einem Abbiegeunfall von einem Lastwagen erfasst und schwer verletzt wurde.

Schaut man in die Verkehrsunfallstatistik 2020 der Kreispolizei, zeigt sich, dass Fehler beim Abbiegen eine der Hauptursachen von Unfällen ist – noch vor Missachtung von Vorfahrtsregeln und Abstandsverstößen.

Das Problem mit dem toten Winkel kennen vor allem Fahrer von Lastwagen ohne einen Abbiege-Assistenten – und bei Unfällen geschädigt werden zumeist Radfahrer. Wie der Kreis dem Ausschuss darlegte, gab es 2019 in ganz NRW 111 Unfälle mit Beteiligung eines rechtsabbiegenden Lkw und eines Radlers; fünf starben dabei. Fußgänger waren im besagten Jahr dagegen zwölf Mal betroffen.

Ergänzung zu bisherigen Maßnahmen

Welchen Beitrag Trixi-Spiegel zur Verkehrssicherheit leisten – auch darüber hat sich der Kreis Unna Gedanken gemacht und dabei etwa Stellungnahmen von Verbänden und Experten herangezogen. Quintessenz: Die Spiegel seien nicht der entscheidende Faktor zur Vermeidung von Tote-Winkel-Unfällen, gleichwohl könnten sie positiven Einfluss haben, wobei sie weniger den fließenden, denn den anfahrenden Verkehr unterstützten.

Entscheidend dürfte auch sein, an welchen Ampelkreuzungen und Einmündungen genau die Spiegel angebracht werden, wie hoch dort das Gefährdungspotenzial ist. Während der Kreis Unna auch Straßenverkehrsbehörde für Bönen, Fröndenberg und Holzwickede ist, will er im Fall der anderen sieben Kommunen Kontakt mit den Fachbereichen vor Ort aufnehmen, um konkrete Standorte zu finden.

Der Kreis, so heißt es, könne in puncto Verkehrssicherheit „eine gewisse Vorbildfunktion“ übernehmen. In Unna gibt es bereits eigenständige Überlegungen zur Anbringung von Trixi-Spiegeln, deren Anschaffungskosten bei rund 250 Euro pro Stück liegen sollen.

Virtual-Reality-Aktion in Werne

Man begrüße das Ansinnen des Kreises, sagt Bernd Pentrop, Pressesprecher der Polizei. „Aber auch die besten Sicherheitsvorkehrungen helfen nicht, wenn man sie nicht nutzt“, ergänzt er. Will heißen: Auto- und Lkw-Fahrer müssten sich erst noch an die Trixi-Spiegel gewöhnen, und das könne dauern.

Überhaupt sei es wichtig, dass Sicherheitsmaßnahmen wie der Schulterblick oder das Anschnallen bei Beginn der Fahrt in Fleisch und Blut übergingen. Dabei könnten auch Tricks helfen, etwa die Anwendung des sogenannten Holländer-Griffs. Dahinter steckt die Idee, dass Autofahrer ihre Tür beim Aussteigen immer mit der rechten Hand öffnen. „Dann haben sie den rückwärtigen Verkehr automatisch im Blick“, erläutert Pentrop.

Wie gefährlich der tote Winkel ist, hat sich zuletzt in Werne gezeigt. Hier wurde ein 84-jähriger Fußgänger lebensgefährlich verletzt, als er von einem abbiegenden Betonmischer erfasst wurde. In der Nähe des Unfallorts hat die Polizei am Mittwoch eine Aktion für Bürger durchgeführt. Sie konnten sich mit Virtual-Reality-Brillen in einen Lkw setzen und schauen, was es mit dem toten Winkel auf sich hat. Zudem konnten sie einen Unfall aus der Perspektive eines Radfahrers erleben. Die Kreispolizei in Unna ist eine von zehn Polizeibehörden in NRW, die am Pilotprojekt „Virtual-Reality-Brillen zur Verkehrsunfallprävention“ teilnimmt.

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