Berufungsprozess

Tritte gegen Hund und Quälerei mit schwerer Eisenkette: Mann aus Bergkamen muss nicht ins Gefängnis

Hund Hundekäfig
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Ein Bergkamener hat seinen Hund gequält. Eine Polizistin erstattete Anzeiger

Mit einem späten Geständnis hat ein 32-jähriger Tierquäler aus Bergkamen vor dem Dortmunder Landgericht doch noch einmal den Gang ins Gefängnis abgewendet. Dafür muss der Angeklagte allerdings tief in die Tasche greifen.

Bergkamen/Dortmund - In erster Instanz war der Hundebesitzer noch zu sechs Monaten Haft ohne Bewährung verurteilt worden. Gegen diese Entscheidung hatte der 32-Jährige jedoch sofort Berufung eingelegt. Und so kam es zu einem erneuten Prozess. An einem heißen Tag im Mai 2020 war der Angeklagte zusammen mit seinem Staffordhire-Mischling zu einer Dönerbude spaziert. Vor den Augen einer völlig verdutzten Zeugin hatte er dem Hund wütend in die Seite getreten, als dieser nicht sofort auf das Kommando seines Herrchens hörte. „Das Tier wirkte verschüchtert und auch, als hätte es Schmerzen“, erinnerte sich die Augenzeugin vor Gericht.

Nach dem Tritt soll der Mann dem Tier auch noch eine schwere Eisenkette, die ihm als Leine diente, auf den Nacken gelegt haben. So habe der Hund längere Zeit in der prallen Sonne auf dem Gehweg liegen müssen, sagte die Zeugin.

Polizeibeamtin als Zeugin

Die 42-Jährige ist Polizeibeamtin und wollte den Vorfall deshalb nicht auf sich beruhen lassen. Sie fuhr sofort zur nächsten Dienststelle und erstattete Anzeige gegen den Hundebesitzer. Da ihr der Mann aus früheren Einsätzen bekannt war, kannte sie seinen Namen. Der Angeklagte fiel jedoch angeblich aus allen Wolken, als er wenig später Post von der Polizei bekam. „Ich wollte meinem Hund doch nicht wehtun. Er ist mein Ein und Alles“, sagte er auch am Dienstag im Prozess. Anders als anfangs bei der Polizei und später auch in der ersten Verhandlung vor dem Amtsgericht wollte er einen Tritt aber nicht mehr gänzlich abstreiten.

„Es kann sein, dass ich ihn leicht getreten habe“, sagte der 32-Jährige. Sein Hund bringe immerhin fast 60 Kilo auf die Waage, da sei es wichtig, dass er klare Anweisungen bekomme und wisse, wer der Chef ist.

Mit dem Geständnis machte der Angeklagte den Weg für eine mildere Bestrafung frei. Trotz dreier offener Bewährungsstrafen sei in diesem Fall eine Haftstrafe nicht erforderlich, befanden die Richter. Sie verhängten stattdessen eine Geldstrafe von 4800 Euro (120 Tagessätze). Ob die alten Bewährungsstrafen, die der Angeklagte wegen diverser Körperverletzungstaten erhalten hatte, jetzt bestehen bleiben oder trotzdem widerrufen werden, steht noch nicht fest.

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