Nach Großeinsatz an der Freiherr-vom-Stein-Realschule

Traumatischer Amok-Alarm in Bergkamen durch Handy-Fehlbedienung 

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Bergkamen – Der Schrecken nach dem irrtümlichen Amok-Alarm an der Freiherr-vom-Stein-Realschule sitzt tief. Die Polizei ging von einem Ernstfall aus.

„Wir hatten wirklich viel Glück“, sagt Dirk Eggert, kommissarischer stellvertretender Schulleiter. Er möchte sich gar nicht ausmalen, wie es wohl wäre, wenn es tatsächlich einen bewaffneten Schüler gegeben hätte oder – noch schlimmer – Gewalt angewendet worden wäre. 

Groß-Einsatz an der Realschule

„Ich will gar nicht wissen, wie das dann ist“, sagt Eggert. Inzwischen läuft der Schulalltag wieder in geregelten Bahnen, die Vorbereitungen für die Zeugnisausgabe am Freitag laufen. 

Doch beendet ist das Thema noch nicht. Klar ist inzwischen, dass die Lehrerin, die versehentlich den Alarm ausgelöste, das „durch eine Fehlbedienung ihres Handys“ tat, sagt Polizeisprecher Thomas Röwekamp. 

Amokalarm nicht durch App ausgelöst

Wie Lehrer einen Amokalarm auslösen können, ist von Schule zu Schule unterschiedlich und genauere Angaben will Röwekamp dazu nicht machen. Doch: „Es handelt sich nicht um eine App“, sagt er. 

Straf- oder haftungsrechtliche Folgen wird die falsche Alarmierung für die Lehrerin aber wohl nicht haben: „Es gibt keine Anhaltspunkte dafür, dass es eine vorsätzliche Fehlalarmierung war“, sagt der Polizeisprecher. 

Krisenteam versucht aus Vorfall zu lernen

Das Wissen darum, wie es passiert ist, hilft auch der Schule. „Das war ein Versehen. Blödes Schicksal“, sagt Eggert. Ob veränderte Abläufe dennoch etwas bringen könnten, ob man sich anders organisiere, das wollte gestern zunächst das Krisenteam der Schule diskutieren. „Das besteht aus Lehrern, die vor Jahren entsprechende Pläne und Maßnahmen erarbeitet haben“, erklärte Eggert. 

Amok-Fehlalarm an Freiherr-vom-Stein-Realschule Bergkamen

Denn nach diversen Vorfällen sei man heutzutage an allen Schulen für solche und ähnliche Ereignissen hellwach. Das Krisenteam will den Vorfall aufarbeiten – und dann steht auch noch eine gemeinsame Runde von Schule, Schulträger, Rettungskräften und Polizei an. 

„Man lernt aus so etwas auf beiden Seiten“, sagt Thomas Röwekamp. „Für uns sind auch Rückmeldungen wichtig, wie die Schüler reagieren, wenn wir da so auflaufen, wie wir es getan haben.“

Polizei ging von einem Ernstfall aus

Denn am Donnerstag ging die Polizei von einem Ernstfall aus und setzte alle Hebel in Bewegung. „Eine schnelle Rückmeldung, dass es sich um ein Versehen handelt, würde vieles erleichtern“, sagt Röwekamp, auch wenn die Polizei dann natürlich immer noch nach dem Rechten sehen würde. 

So aber war die Situation absolut authentisch, und daraus können alle Seiten Lehren ziehen. „Das war ein Alarm unter ernsthaften Bedingungen, daraus lassen sich eine Menge Schlüsse ziehen“, sagt auch Eggert. „Jeder Feueralarm wird niemals wieder diese Dimensionen annehmen.“ 

Andere Schulen suchen Kontakt

Deshalb hätten auch schon andere Schulen, unter anderem das Städtische Gymnasium, den Kontakt gesucht, um von den Erfahrungen der Freiherr-vom-Stein-Realschule profitieren zu können. „Wir sind alle nur froh, dass nichts passiert ist“, sagt Eggert. 

Dennoch hatte es am Freitag zunächst Klassenlehrerstunden gegeben, in denen die Schüler das Geschehen mit ihren Lehrern besprachen. Die wiesen dabei auf die Möglichkeit hin, das Gespräch mit drei Schulpsychologinnen suchen zu können. „Es waren einige Schüler, die das auch in Anspruch genommen haben“, sagt Eggert. 

Traumatisierende Erfahrung für Schüler

Die Schulpsychologinnen hätten ihm die Rückmeldung gegeben, dass einige Gespräche auch angebracht gewesen wären und ihre Anwesenheit gut gewesen sei. „Wir haben etliche Flüchtlingskinder an der Schule, die zum Teil traumatisiert sind. Die gehen anders damit um, wenn sie auch hier so etwas erleben“, beschreibt Eggert einen besonders sensiblen Bereich. 

Alle Schülerinnen und Schüler wissen laut Eggert, dass sie auch jetzt noch jederzeit um Hilfe bitten können: „Wir haben zwar keine eigenen Schulpsychologen, aber Schulsonderpädagogen, die das durch ihre besondere Ausbildung auch übernehmen könnten.“

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