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Tops und Flops bei NRW-Wahl: Was in Bergkamen ins Auge sticht

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Von: Jürgen Menke

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Bei der Wahlparty im Ratstrakt wurden die Ergebnisse aus den Wahlbezirken mit Spannung erwartet.
Bei der Wahlparty im Ratstrakt wurden die Ergebnisse aus den Wahlbezirken mit Spannung erwartet. © Menke

Die SPD hat in NRW ihr bislang schlechtestes Wahlergebnis eingefahren. An den Genossen in Bergkamen lag’s nicht. Sie bleiben, gemessen an den Zweitstimmen, trotz eines Verlustes von 6,1 Punkten mit 40,3 Prozent die stärkste Kraft in der Stadt. Auffällig: die geringe Wahlbeteiligung mit gerade einmal 47,3 Prozent. Nirgendwo sonst im Kreis Unna ist der Wert so niedrig.

Bergkamen – Die SPD muss sich der CDU nur in fünf der 66 Bergkamener Wahlbezirke geschlagen geben. Dort fährt sie auch ihre schlechtesten Ergebnisse mit teils unter 30 Prozent ein. Die Christdemokraten erzielen dem gegenüber hier ihre Topwerte. So lag ihre Zustimmung etwa im Hermann-Görlitz-Seniorenzentrum bei – für Bergkamen beachtlichen – 35,5 Prozent.

CDU über 40er-Marke

Im Bezirk Friedrich-von-Bodelschwingh-Schule hat es die CDU sogar über die 40er-Marke geschafft (41,8 Prozent). Das könnte mit der Person Dirk Slotta zusammenhängen, der sich als Heiler Ortsvorsteher und Christdemokrat äußerst engagiert zeigt. Eine hohe Zustimmung mit 15,7 Prozent erfährt in dem ländlich geprägten Ortsteil aber auch die AfD.

35,1 Prozent für AfD

Diesen Wert kann die selbst ernannte Alternative für Deutschland andernorts aber noch überbieten – etwa an der Freiherr-vom-Stein-Realschule, wo sie mit 17,2 Prozent sogar die CDU (16,4) schlagen konnte, oder an der Preinschule (Wahlbezirk 1122), wo sie mit 15,9 gleichauf mit den Grünen liegt. Ihren höchsten Wert erzielt die AfD im Wahlbezirk Rathaus. Mit 35,1 Prozent lässt sie im Herzen Bergkamens alle anderen Parteien hinter sich.

Absolute SPD-Mehrheit

Vergleichsweise schlecht abgeschnitten hat die CDU auch an der Preinschule (Wahlbezirk 1132, 12,4 Prozent), am Gästehaus Marina-Nord (17) in Rünthe, und an der Gerhard-Hauptmann-Schule (17,5). Hier erzielt die SPD mit 52,4 Prozent die absolute Mehrheit. Das gelang ihr auch am Kommunalen Integrationszentrum im Albert-Schweitzer-Haus (50,6).

Grüne im Aufwind

Wie im Land, erleben die Grünen auch in Bergkamen enormen Aufwind. Mancherorts entschied sich in etwa jeder fünfte Wahlberechtigte für diese Partei – etwa am Kindergarten Büscherstiftung (20,2) oder am Feuerwehrgerätehaus Overberge (21,1). Auch an der Sporthalle Am Friedrichsberg (19,3) und an der Schillerschule (17,7) erzielen die Grünen vergleichsweise hohe Werte. Mitunter sieht’s aber auch weniger rosig aus: Am Heinrich-Martin-Heim etwa dümpelt die Partei bei 4,6 Prozent gleichauf mit der FDP.

FDP im Tief

Die Liberalen überspringen, als großer Wahlverlierer auch in Bergkamen, nur selten die Fünf-Prozent-Hürde. Das gelingt ihnen etwa am Volkswagen-Zentrum Hülpert (6,2), an der Kita Sprösslinge in Overberge (6,6) und vor allem an der Schillerschule und am Hermann-Görlitz-Zentrum (jeweils 8,1). Ganz bitter für die FDP: Ergebnisse wie an der Albert-Schweitzer-Schule (Wahlbezirk 1111) mit gerade einmal 1,5 Prozent.

Vorsicht: Piraten

An der Freiherr-von-Ketteler-Schule (Bezirk 1181) in Rünthe muss sich die FDP mit einem Prozent sogar den Piraten (2) geschlagen geben, die ansonsten unter „Sonstige“ subsumiert werden. Hier entschied sich nur ein einziger der 99 (von 433) Wahlberechtigten, die vor Ort ihre Stimme abgaben, für die Freien Demokraten. Bei der AfD etwa, die vor der Wahl in Bergkamen kaum Präsenz zeigte, waren es zwölf.

Linken-Hoch am Jobcenter

Wunden lecken – das gilt auch für die Partei „Die Linke“ mit insgesamt nur 2,3 Prozent Zustimmung. Als erklärte Streiter für soziale Gerechtigkeit erzielen sie ausgerechnet im Wahlbezirk „Jobcenter Kreis Unna“ ihr bestes Ergebnis (8,2). Auf der anderen Seite der Skala steht etwa der Wahlbezirk „Awo-Kindergarten Sonnenblume“. 172 Stimmen (bei 496 Wahlberechtigten wurden hier abgegeben; nicht eine einzige entfiel auf die Linke.

„Sonstige“ teils erfolgreich

Die Bergkamener hatten am Sonntag auch kleinere Parteien im Blick. Diese „Sonstigen“ schaffen es zum Beispiel an der Sporthalle Am Friedrichsberg auf 10,2 Prozent. Unter den „Kleinen“ macht vor allem die Tierschutzpartei auf sich aufmerksam: etwa mit 7,4 Prozent Zustimmung an der Preinschule (Bezirk 1132). „Die Partei“ erreicht an der Awo-Begegnungsstätte 2,8 Prozent, „Die Basis“ an der Kita Tausendfüßler 2,1 Prozent.

7200 Briefwähler

In den acht Briefwahlbezirken mit insgesamt mehr als 7200 Stimmabgaben liegt die SPD deutlich vor CDU und Grünen. Platz vier geht häufiger an die FDP als an die AfD. Letztere schneidet auch in einem der neun Rünther Wahlbezirke vergleichsweise gut ab: Im Gästehaus Marina-Nord erreicht die Partei 18,2 Prozent Zustimmung (30 von 169 abgegebenen Stimmen bei 552 Wahlberechtigten).

Tierschutz und Freie Wähler

Zudem auffällig im Ortsteil: Die FDP muss sich teils sogar der Tierschutzpartei (Bezirk: ASV Vereinsheim) und teils den Freien Wählern (Turnhalle Overberger Straße) geschlagen geben. Bei der Wahlbeteiligung liegt im Kreis Unna neben Bergkamen nur noch die Stadt Lünen (48) unter der 50-Prozent-Marke. Den Höchstwert erzielte Fröndenberg mit 59,5 Prozent.

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