Streit um Häuser an der Töddinghauser Straße

Neuer Experte: Räumung der Turmarkaden war nicht notwendig

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Die Wohnhäuser an der Töddinghauser Straße, hier vom Zentrumsplatz aus gesehen, sind nach Angaben Einschätzungen des eingesetzten Krisenstabes unbewohnbar. Ein neuer Brandschutzsachverständiger sieht das anders.

Bergkamen – Wie gefährlich sind die Brandschutzmängel, die in den evakuierten Wohnhäusern an der Töddinghauser Straße gefunden wurden? Ein neuer Brandschutzexperte meint, dass die Räumung nicht notwendig war. 

So schnell es geht, sollen die Bewohner der evakuierten Häuser an der Töddinghauser Straße zurück in ihre Wohnungen dürfen. Das ist wohl das einzige, was derzeit zwischen allen Parteien unstrittig ist. Wer allerdings in welcher Angelegenheit welche Kompetenzen und Befugnisse hat, muss geklärt werden.

21 Wohnungseigentümer haben jedoch den privaten Brandschutzsachverständigen Thomas Albrecht engagiert, damit dieser eine weitere Expertise vorlegen kann.

Zu welchen Ergebnissen ist der neue Sachverständige bisher gekommen? 

„Ja, es gibt Mängel in diesen Häusern“, bestätigt Thomas Albrecht, „aber die können relativ schnell behoben werden. Meiner Meinung nach können die Leute dabei durchaus im Gebäude wohnen.“ Damit widerspricht der Brandschutzsachverständige aus Rünthe der Einschätzung des Krisenstabs. Der war im Mai zu dem Schluss gekommen, dass bei einem Verbleib der Bewohner in den Gebäuden bei einem weiteren Brand Lebensgefahr bestünde. Der Erstgutachter äußerte sich in seiner schriftlichen Stellungnahme nicht dazu. Er empfahl lediglich: „Im Hinblick auf die künftige Nutzung ist es neben den Maßnahmen zur Mängelbeseitigung erforderlich, zeitnah ein umfassendes Brandschutzkonzept für das Gebäude zu erstellen.“

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Wie kommt Thomas Albrecht zu seiner Einschätzung?

Zum einen begründet Albrecht das mit der Bauweise der Häuser. „Der Architekt hat sich damals richtig was dabei gedacht“, sagt Albrecht, denn der habe zu seiner Zeit bereits umgesetzt, was erst viel später gefordert wurde. Zum anderen lagen dem ersten Gutachter laut dessen eigener Stellungnahme für eine „weitergehende Beurteilung und Einschätzung der Mängel“ keinerlei Planungsunterlagen vor. „Schriftliche Unterlagen, Grundrisse/Schnitte und Pläne der technischen Gebäudeausrüstung“ seien der Planungsgruppe K ebenfalls nicht zu Verfügung gestellt worden, heißt es darin weiter. Unterlagen, auf die Albrecht allerdings zugreifen konnte. „Die Eigentümer kooperieren wunderbar“, lobte Albrecht. Jeder habe ihm gegeben, was er an Unterlagen hatte.

Turmarkaden in Bergkamen vor dem Abriss 

Evakuierung in Bergkamen an der Töddinghauser Straße

Welche Möglichkeiten hatte der neue Brandschutzsachverständige noch? 

Mehrfach war er in den Häusern und kann nun auch Fotos von Räumen und endoskopischen Untersuchungen der Leitungen vorweisen. Eigentümer ließen ihn in ihre Wohnungen und er konnte beispielsweise vorhandene Sanierungsbaustellen in Bädern nutzen, um einen Blick in die Belüftung der innen liegenden Räume zu werfen.

Zu welchem Ergebnis kommt die neue Untersuchung?

„Über die Lüftungsanlage kann der Rauch beim Kellerbrand nicht verteilt worden sein, die beginnt erst im Erdgeschoss.“ Auch die bemängelten Müllschächte seien schon 2015 von einer Fachfirma gesichert und die Metallklappen versiegelt worden. „Die sind dicht“, sagt Albrecht – und außerdem lägen die Schächte weit von den Wohnungen entfernt. Würde die darin installierte Sprinkleranlage wieder in Betrieb genommen, sei jegliche Gefahr gebannt. Dass es im Treppenhaus eine unzulässige Stromleitung gibt, will Albrecht nicht den Eigentümern ankreiden. „Die hat die GSW als Ersatzhauptleitung vom Keller bis in den vierten Stock verlegt. Deren Mitarbeiter müssten eigentlich wissen, dass die in Sicherheitstreppenhäusern nichts zu suchen hat“, sagt Albrecht. Und die benannten Löcher und Wanddurchbrüche hat Albrecht nur im Keller gefunden – der bisher Nutzungsfläche der Turmarkaden gewesen sei.

Löcher in der Lüftungsanlage stehen auf der Mängelliste. Der neue Gutachter Thomas Albrecht fand diese nur im Keller.

Wie kam es dann zur starken Verrauchung? 

Das führt Albrecht auf geöffnete Fenster und offen stehende Treppenhaustüren zurück, denn der Qualm des Feuers sei an der Hausfassade nach oben gezogen.

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