Theaterverein Overberge begeistert mit „Frauenfeind“

Mit einem detailverliebten Bühnenbild schuf der Theaterverein Overberge ein wirklichkeitsgetreues Szenario für sein Stück „Der Frauenfeind“. Gut aufgelegte Darsteller belebten die launigen Ereignisse in der Pension Waldesruh.
+
Mit einem detailverliebten Bühnenbild schuf der Theaterverein Overberge ein wirklichkeitsgetreues Szenario für sein Stück „Der Frauenfeind“. Gut aufgelegte Darsteller belebten die launigen Ereignisse in der Pension Waldesruh.

Bergkamen - Dass die Mitglieder des Theatervereins Overberge im besten Sinne echte Rampensäue sind, wissen deren Fans nicht erst seit dem vergangenen Wochenende. Da begeisterten in dem Dreiakter „Der Frauenfeind“ elf bestens aufgelegte Darsteller in der mittlerweile 68. Premierenaufführung ihr Publikum im studio theater.

Und das heißt bei den Overbergern eben nicht nur, dass sie wortgewaltig, schlagfertig und mit dem nötigen Quentchen Mutterwitz auf hohem darstellerischem Niveau agieren. Was beim Theaterverein immer wieder so angenehm auffällt, ist ein perfektes Händchen bei der Besetzung der Rollen. Genau da gelang beim diesjährigen Lustspiel aus der Feder von Lothar Schiberle ein echter Volltreffer (Regie: Gerlinde Schlösser).

Um nur zwei der Darsteller aus dem Ensemble hervorzuheben, seien Jörg Wrenger und Bernd Grothaus genannt. Grothaus spielt den Opa Hans Plattfisch nicht nur, er füllt diese Rolle glaubwürdig mit Leben. Immer zum rechten Zeitpunkt ist er schwerhörig, mal weil er sein Hörgerät gar nicht eingeschaltet hat, dann auch mal, weil er das Gemecker um ihn herum einfach nicht mitbekommen möchte. Dass er natürlich all das mitbekommt, was für ihn wichtig ist, versteht sich von selbst.

Die Sache mit dem Alkohol

Er spielt in dem Stück einen Mann, der von einem Motorradfahrer angefahren wird und sich in der Rolle des Leidenden herrlich gut gefällt. Schlitzohrig nimmt er den Motorradhelden finanziell ein wenig aus. Aber am liebsten sitzt er in seinem gemütlichen Lehnstuhl im Empfang der Pension Waldesruh, in der das Stück spielt. Herrlich, wenn Hans Plattfisch über Alkohol philosophiert, den er am liebsten in Form von Hochprozentigem vernascht. Wenn Pensionswirtin Gerda Loch (Heike Blaschke) ihm vorhält, wie gefährlich der Alkohol sei, kontert er: „Dann müsste ich längst tot sein. Wasser ist übrigens viel gefährlicher. Denk mal an die Sintflut.“ Und schlürft den nächsten Schluck um so genüsslicher. Nur um mit Lokalkolorit nachzuschieben: „Die Overberger trinken gern Kaffee und Schnaps. Ich kann gut auf den Kaffee verzichten.“

Bitterböser Sprücheklopfer

Ebenfalls grandios geriet die Besetzung des „Frauenfeinds“ Paul Vogel mit Darsteller Jörg Wrenger. Besser hätte man die Rolle dieses derb polternden Zeitgenossen nicht besetzen können. Zwischen ihm und Pensionswirt Kurt Loch (Michael Herberholz) stimmt die Chemie sofort. Bestes Verbindungsglied zum gegenseitigen Verständnis ist auch hier das ein oder andere Schnäpschen. Herrlich seine bitterbösen Sprüche über Frauen. Lebensgefährtin leite sich ab von Lehensgefährtin, stichelt er. 

Theaterpremiere "Der Frauenfeind" in Overberge

Theaterpremiere "Der Frauenfeind" in Overberge

Nur um im nächsten Moment zu philosophieren: „Als Gott den Mann schuf, war der Himmel blau. Als er die Frau schuf, war er himmelblau. Und er hat Adam dafür sogar eine Rippe geklaut. Da sieht man, dass sich Verbrechen nicht auszahlen“, grantelt er zur Freude des Publikums los.

Aber auch die anderen Akteure in diesem verzwickten Stück wachsen über sich selbst hinaus. Zum Brüllen komisch und herrlich verschroben agierte das schrullig-naiv verliebte Pärchen Adalbert und Blümchen oder auch das streitsüchtige Paar Else und Egon Neumann.

Ehrung für langjährige Mitspieler

Welchen Aufwand die Overberger für ihre Stücke betreiben, zeigt einmal mehr auch das Bühnenbild, der Empfangsraum einer Pension. Sogar eine voll funktionsfähige Drehtür baute das Bühnenteam in die Kulisse ein. Ein echtes Meisterstück, das perfekt funkionierte. Das Publikum erlebte erneut einen Theaterabend, an dem so manche Lachträne floss und die Hände vom Applaus schmerzten.

Nach der Aufführung ehrten die Overberger zwei Mitspieler: Karin Emmelius für ihre 25-jährige und Wolfgang Schlösser für seine 40-jährige Bühnenaktivität.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare