Technische Probleme und Sorge vor Ansteckung: Ab Montag Wechselunterricht in den Bergkamener Schulen

Willy-Brandt-Gesamtschule Bergkamen
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Abstand halten heißt es, wenn es ab Montag an der Willy-Brandt-Gesamtschule und den anderen weiterführenden Schulen in Bergkamen wieder voller wird.

Für viele Schüler fängt in der kommenden Woche der Präsenzunterricht wieder an. Die Gesamtschülerin Angelika Boriskin hat den heimischen Schreibtisch als Abiturientin schon seit dem 22. Februar zumindest tageweise wieder gegen den Klassenraum eingetauscht.

Bergkamen - „Endlich“, sagt die Abiturientin Angelika Boriskin nach drei Wochen Präsenzunterricht. „Man kann die Lehrer einfach viel mehr fragen – und man hat auch mehr Lust zu fragen“, sagt die Schülerin. Auch die kleinen Lerngruppen seien von Vorteil.

„Man kann so viel besseren Unterricht machen, als im großen Klassenverband. Die Lehrer können besser auf uns eingehen.“ Sie und ihre Mitschüler hoffen, dass der Präsenzunterricht auch tatsächlich bis zu ihren Prüfungen weitergeht.

Während die Schüler der Sekundarstufe II an der Willy-Brandt-Gesamtschule im tageweisen Wechsel in die Schule kommen, steht für die Sekundarstufe I ein wochenweiser Wechsel an.

Internetverbindung reicht nicht aus

Der Gruppeneinteilung liegen pädagogische Überlegungen zugrunde. Die Schüler beispielsweise, die Deutsch als Zweit- und Fremdsprache lernen, gehören zu einer Gruppe, da es für sie in der „Distanzwoche“ ein zusätzliches Angebot gibt. „Schüler, die zuhause nur in der Muttersprache ihrer Eltern sprechen, haben in den Wochen des Distanzlernens natürlich Rückschritte gemacht“, bedauert Schulleiterin Dr. Jennifer Lach. „Da wollen wir nachsteuern und sie zurück an die deutsche Sprache führen.“

Eine digitale Unterstützung während der Distanz-Tage sei allerdings nicht mehr so intensiv möglich, wie in den vergangenen Wochen. „Die Lehrer haben volle Stundenpläne.“ Hybridunterricht, bei dem die Lehrer den Unterricht streamen sei wegen der dafür nicht ausreichenden Internetverbindung nicht möglich. „Die Lehrer würden das gern machen, einige wollen es auch versuchen.“

Endlich. Man kann die Lehrer einfach viel mehr fragen – und man hat auch mehr Lust zu fragen.

Angelika Boriskin

Auch das Kollegium der Realschule Oberaden würde den Unterricht gern streamen – scheitert aber ebenfalls an den technischen Möglichkeiten. „Außer im Bereich der Schulleitung haben wir kein WLAN im Haus“, sagt Schulleiter Jörg Lange. „Der Schulträger weiß das und bemüht sich um eine Lösung. Realistisch betrachtet wird das dieses Schuljahr aber nichts mehr werden.“ Allerdings wolle der Förderverein für den zehnten und möglicherweise auch den neunten Jahrgang „Internet-Cubes“ anschaffen, die eine Internetverbindung herstellen.

Lange und sein Team haben die Klassen für den wochenweisen Wechsel alphabetisch geteilt. „Wir sind aber da davon abgewichen, wo es gute Gründe dafür gibt - beispielsweise pädagogische Überlegungen oder Fahrgemeinschaften der Eltern.“

Präsenzunterricht als Vorteil für die Schüler

Auch am Städtischen Gymnasium kommen die Schüler im wöchentlichen Wechsel zur Schule. Die Ausnahme ist die Q2, für die es dauerhaft Präsenzunterricht gibt. „Dafür nutzen wir auch Räume wie die Mensa für den Unterricht“, sagt Schulleiterin Bärbel Heidenreich. Die Gruppen eingeteilt haben die Klassenlehrer – in der EF und der Q1 auch unter dem Gesichtspunkt, Freistunden zu vermeiden, denn alle Aufenthaltsmöglichkeiten braucht die Schule für den Unterricht der Q2.

Dass der Präsenzunterricht wieder startet, ist laut Heidenreich ein klarer Vorteil für die Schüler. „Was sie dringend brauchen, ist ein Stückchen Normalität. Und die Motivation ist in der Schule eine andere als allein vorm Rechner.“ Allerdings hätte sie sich flankierende Maßnahmen gewünscht, um die Sicherheit auch des Lehrpersonals in den Fokus zu rücken. „Ältere Kollegen oder diejenigen mit Vorerkrankungen machen sich zurecht Sorgen.“

So sieht es auch Petra Huß, Leiterin der Freiherr-vom-Stein-Realschule, an der der Präsenzunterricht im täglichen Wechsel geplant ist und die Gruppeneinteilung sich an den Wahlpflichtfächern orientiert.

„Wir sind froh, die Schüler wieder live zu sehen. Man merkt, dass die Beziehungsebene im Distanzunterricht fehlt“, sagt sie. Andererseits hätten ältere Kollegen oder schwangere Kolleginnen schon Sorgen. „Da herrscht die Befürchtung, sich anzustecken.“

Damit es möglichst nicht dazu kommt, gelten an der Realschule – wie natürlich an allen anderen Schulen auch – die schon bekannten Schutzmaßnahmen: Maskenpflicht, Abstand halten und lüften.

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