100 Tage Schießzentrum in Overberge: Betreiber zufrieden

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Es läuft wohl im Schießsportzentrum der Kreisjägerschaft Unna/Hamm an der Hansastraße in Bergkamen-Overberge.

Bergkamen – Seit dem 1. August ist das Schießzentrum der Kreisjägerschaft Unna/Hamm an der Hansastraße in Bergkamen-Overberge in Betrieb. Zeit, eine 100-Tage-Bilanz zu ziehen. 

„Wir sind zufrieden“, sprechen die drei maßgeblichen Akteure, die Vertreter der Jäger, Professor Dr. Lothar Reinken (Hamm, ca. 600 Mitglieder), Reinhard Middendorf (Unna, 1200 Mitglieder), deren operativer Geschäftsführer Markus Milewski sowie die beiden „Untermieter“, Achim Trebing (Raumschießanlage) und der Händler „Jagdwelt 24“.

„Natürlich gibt es immer Sachen zu verbessern“, beobachtet Milewski im laufenden Betrieb. Mit konkreten Zahlen kann Middendorf, der Vorsitzende der Kreisjägerschaft Unna, auch noch nicht aufwarten: „Die Schlussrechnungen der Unternehmen laufen jetzt ein“, begründet er, „aber wir werden mit dem ermittelten Kapitalbedarf hinkommen.“

7,3 Millionen Euro brutto, also inklusive Mehrwertsteuer, stecken in der kompletten Anlage mit Kurzwaffen-, der 50- und der 100-Meterschießbahn sowie Raumschießanlage und Ladengeschäft. Das ist eine höhere Summe als die ursprünglich angesetzten 6,5 Millionen Euro. „Wie alle Bauherren haben wir auch unterwegs gemerkt, dass Bauen teurer wird“, schiebt Middendorf die Verteuerung auf die bekannte Marktentwicklung.

Jäger zahlen 5 Euro monatlich

Der oberste Jäger im Kreis betont vehement, dass keine Steuermittel in den Bau geflossen seien. Die Lang- und Kurzwaffenanlagen, also die „jagdlichen“ Einrichtungen seien zu 80 Prozent aus Mitteln der Jagdabgabe, die jeder Jäger leisten muss, finanziert worden. Die restlichen 20 Prozent kämen aus Rücklagen der beiden Kreisjägerschaften und würden durch Eigenleistungen, also die berühmte Muskelhypothek, gedeckt. 

Verantwortlich und zufrieden mit der Entwicklung: Reinhard Middendorf, Professor Dr. Lothar Reinken und Markus Milewski.

Die Kreditkosten des durch die Banken finanzierten gewerblichen Teils würden durch die Mieter finanziert. Zur Finanzierung des laufenden Betriebs wird jeder Jäger der beiden Vereine ab dem kommenden Jahr mit fünf Euro im Monat zur Kasse gebeten. „Die sind zweckgebunden für diese Anlage“, betont Middendorf. 

„Bisher sind es 1,50 Euro“, ergänzt der Hammer Reinken, langjähriger Vorsitzender und Vertreter von Nachfolger Helmut Nordhaus. Die „Anpassung“ war nötig wegen der gestiegenen Bausumme. Dafür kämen die Jäger aber in den Genuss von „Vergünstigungen“ - zum Beispiel beim „freien Schießen“ am Montag. „Da zahlen sie nur die Bahngebühren.

Moderner als bei Bundespolizei und Zoll

Auf dem Parkplatz stehen täglich Fahrzeuge mit Kennzeichen des Bundes – BD oder gut erkennbare PKW des Zolls. Die trainieren in der Raumschießanlage, einem Kino, in dem mögliche Einsatzszenarien abgespielt werden. 

„Solch moderne Anlagen haben Bundespolizei und Zoll nicht“, erklärt Milewski. „Ein paar Tausend werden hier wohl schon trainiert haben“, schätzt der Geschäftsführer. „Es läuft gut“, urteilt Pächter Trebing. Er plant, neue Filme einzustellen: „Afrikanisches Wild“, aber nur Springböcke, keine Löwen und Elefanten, betont der Pächter ausdrücklich. Warum betreibt die Kreisjägerschaft das Geschäft dann nicht selbst? Das Risiko Personalkosten wollten die gemeinnützigen Vereine nicht eingehen. „Wir sind alles Ehrenamtler“, betont Middendorf. Die Mieteinnahmen würden ja auch so fließen.

Milewski ist die einzige Vollzeitkraft in Diensten der Betreiber-GmbH der Kreisjägerschaften. Vier 450 Euro-Kräfte unterstützen ihn. „Er hat sein Hobby zum Beruf gemacht, wie man so sagt“, meint Reinken im Scherz. Milewski ist „Quereinsteiger“, gelernter Physiotherapeut. 

Nutzung wird ausgeweitet

Die jagdliche Anlage ist saisonal bedingt ebenfalls gut gebucht. Die sogenannte Drückjagd läuft. „Die Jäger müssen jährlich den Schießnachweis erbringen“, erklärt Milewski, 160 taten dies in den vergangenen Wochen. „80 bis 90 Prozent Neukunden haben wir hier auf der Anlage“, freut sich der Betreiber über die Resonanz unter Jägern. „Das liegt daran, dass es kaum Schießanlagen gibt“, erklärt Reinken die hohe Quote.

Die Anlage in Overberge ist modern. „Und wir bieten Synergieeffekte“, erläutert Middendorf. „Es gibt bundesweit keine solche Kombination aus Schießstand, Raumschießanlage, Laden und Büchsenmacher. Wenn jemand sich hier ein neues Gewehr kauft, kann er es gleich einschießen.“ Sportschützen, die regelmäßig schießen müssen, um ihren Status zu erhalten, kämen aus ganz Nordrhein-Westfalen, weiß Milewski. 

Die Behörden nutzen demnächst nicht nur die Raumschießanlage. „Eine Nutzungserweiterung für das Mehrdistanzschießen ist beantragt“, sagt Milewski. Die könnten dann auch die Jäger für das Kurzwaffentraining nutzen – Stichwort Fangschuss bei Wildunfällen mit verletzten Tieren. An Kapazitätsgrenzen sei der Betreiber nicht. 

Vereine, Gruppen seien auf dem Schießstand willkommen. Die brauchen keinen Jagdschein, bekommen eine Einweisung, jeder beim scharfen Schießen eine Aufsicht zur Seite. „Wir sind jetzt auch Ausbildungszentrum des Landesjagdverbandes“, erklärt Middendorf. Im Obergeschoss befindet sich ein Schulungsraum. 

Der Onlineshop für Jagdausrüstung Jagdwelt24 betreibt in Bergkamen eins von nur zwei Geschäften.

Daneben auch eine Küche. „Dort werden wir Kochkurse mit Wildfleisch anbieten“, sagt Reinken mit Blick auf die gesellschaftliche Diskussion um den Fleischkonsum. „Wir haben hier nicht einfach etwas aus Eigennutz gebaut, sondern vorher eine Marktanalyse betrieben“, betont Middendorf. „Und wir sind immer noch in der Entwicklung“, ergänzt Milewski, „Werbung auch in sozialen Medien wird sicherlich verstärkt werden, wir werden neue Märkte erschließen.“ Eine Arbeitsgruppe „Kundenakquise“ bestehe.

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