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Tablets für Schüler: Bergkamens Politik sollte sich auf außerplanmäßige Investition einstellen

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Von: Bernd Kröger

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Im Städtischen Gymnasium Bergkamen tagte der Schulausschuss. Der dort dargelegte Aufholbedarf bei der Digitalisierung betrifft die Schulen insgesamt.
Im Städtischen Gymnasium Bergkamen tagte der Schulausschuss. Der dort dargelegte Aufholbedarf bei der Digitalisierung betrifft die Schulen insgesamt. © Kröger

Bergkamens Schulen sind bei der Digitalisierung nicht auf der Höhe der Zeit. Ein Vortrag im Schulausschuss zeigt exemplarisch, dass vor allem Geräte für die Schüler fehlen.

Bergkamen – „Also, wenn ich in Bergkamen Ratsfrau wäre und nicht hier vorn, sondern da bei Ihnen säße, dann hätte ich jetzt Fragen.“ Das gab, weil die auf der Hand liegenden Fragen niemand stellte, Dezernentin Christine Busch dem Schulausschuss mit auf den Weg nach dem Vortrag von Direktorin Dr. Mirja Beutel über die Lage am Städtischen Gymnasium Bergkamen (SGB). Soll heißen: Das Ganze verlangt mehr, als den wohlfeilen Pflichtbeifall, über den das Gremium im PZ des SGB nicht hinauskam.

Eine Frage der Bildungsgerechtigkeit

Die Politik wird sich außerplanmäßig der Frage stellen müssen, was ihr die Bildung in Bergkamen wert ist. Und zwar schon Anfang 2023, trotz laufendem Doppeletat 22/23, verbunden mit der Frage nach Bildungschancen und -gerechtigkeit in einer Stadt, die eine der einkommensschwächsten ist im Land.

Situation an den Schulen ähnlich

So warf der Vortrag von Dr. Mirja Beutel mehr als nur ein Schlaglicht auf die Entwicklung des Gymnasiums seit ihrem Amtsantritt vor einem Jahr. Was die Direktorin insbesondere über Anforderungen und Stand der Digitalisierung darlegte, gilt nach den Worten der Dezernentin für alle weiterführenden Schulen ähnlich.

Es zeichnet sich ab, dass die im Medienentwicklungsplan 2021 bis 2025 in Abhängigkeit zu den Fördertöpfen festgelegte Ausstattung mit digitaler Infrastruktur und Geräten für die Schülerschaft ein „Update“ benötigt, damit die Schulen wenigstens annähernd Schritt halten können.

Ein Gerät für zwei Schüler

In dem Konzept wird eine Ausstattung mit Schüler-Tablets für Unterricht mit digitalen Elementen von 1:4 zum Richtwert erklärt. Ein Gerät für je vier Schüler. Auf 1:2 hat es das SGB im aktuellen Fünfer-Jahrgang mit 116 Kindern immerhin gebracht, wie Beutel erläuterte. Diese Geräte sind in den Klassenschränken recht fix zur Hand. Umständlicher läuft es mit den 120 iPads aus dem Pool für alle 732 Schüler. „Das erfordert einige Logistik“, erläuterte Beutel im Gespräch mit dem WA. „Wenn ein Lehrer die Tablets im Unterricht einsetzen will, bucht er diese über unsere Plattform i-Serv. Das Sekretariat stellt sie dann in Kisten bereit, die dann in den Pausen in die Klasse gebracht werden müssen.“

Eindeutiger Schwerpunkt in Befragung

Dass sich Schüler, Lehrer und Eltern einen zeitgemäßen Standard anders vorstellen, hat eine Befragung der Schulgemeinde ergeben, die Beutel dem Ausschuss präsentierte. Da waren knapp 70 Prozent Zustimmung zu dem Satz „Mein Kind ist am SGB insgesamt gut aufgehoben“ zwar eine schöne Bestätigung, doch zeigten sich unter den Stichworten „Digitalisierung“ und „Gebäude“ auch „klare Baustellen“, so Beutel. So zählt etwa Digitalisierung zu den sieben Aufgabenfeldern, die nun im Projekt „Unsere Schule 2025“ in Teams beackert werden. Dabei fokussiert sich die Arbeitsgruppe Digitalisierung auf ein didaktisches Konzept für digitale Unterrichtselemente und Grundlagenvermittlung jeweils in Klasse Fünf. „Da wird es noch vor Ostern eine Evaluation mit allen Beteiligten geben“, so Beutel. Mit diesen Erkenntnissen sollen dann ab Schuljahresstart 2023/24 die nächsten Fünfer – also um die 120 Kinder – einsteigen ins digital gestützte Lernen.

Anschaffung durch Eltern eher schwierig

Fragt sich nur: Mit welchen Geräten? Beutel hofft, dass sich das Land noch regt mit neuen Fördermitteln. Das städtische Budget gibt bislang nichts dafür her. Auf den Kauf eigener Tablets durch die Eltern zu setzen, bereitet der Schulleitung wie der Dezernentin angesichts der sozialen Struktur Bergkamens Bauchschmerzen.

Bergkamener Schüler nicht benachteiligen

„Es ist die Frage, wie wir sozialverträglich den Anforderungen des 21. Jahrhunderts begegnen“, sagt die Direktorin, auch mit Blick in die Nachbarschaft. Aus didaktischer Sicht müsste jeder Schüler über ein Tablet verfügen. Und: „Wichtig ist, dass die Bergkamener Schülerinnen und Schüler hier nicht benachteiligt werden.“

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