Stunt-Workshop in Bergkamen: Prügelei wie im Film

Bergkamen - Eine Sekunde zögert Lukas. Dann holt er aus, schlägt zu. Seine Faust landet in der Magengegend seines Kontrahenten. Jan krümmt sich, versucht sich, den Bauch zu halten. Aber Lukas schlägt weiter zu. Wieder und wieder. Bis die beiden Jugendlichen sich anschauen, grinsen und aufmerksam zuhören, was sie noch besser machen können. Denn ihre Prügelei ist eine Übung. Überwacht von drei Lehrern einer Kölner Stunt-Schule.

Im Rahmen des Bollywood-Projekts, bei dem die Streetworker in Kooperation mit der Jugendkunstschule einen Film mit jungen Bergkamenern drehen möchten (WA berichtete), ist der Stunt-Workshop in der Turnhalle an der Lessingstraße gestartet. Rund 15 Jugendliche und junge Erwachsene stellen sich vor Marshall auf und lauschen seinen Erklärungen. Der Stunt-Trainer der Kölner Schule Stunt-It erklärt zwischen den Übungssequenzen immer wieder eindringlich, worauf seine Schützlinge achten müssen. 

Einer seiner Kollegen steht vorgebeugt vor ihm, als Marshall ausholt und ihm mit einem Schrei seinen Ellenbogen in den Rücken rammt, dass sein Partner auf den Boden fällt. „Wir tun so, als ob wir mit dem Ellenbogen treffen - aber wir treffen immer mit dem flachen Teil es Oberarms“, erklärt Marshall. Schließlich sollen die Prügelszenen, die der Stunt-Nachwuchs für den Film einübt, nur echt aussehen – aber nicht zu echten Verletzungen führen. „Da müssen wir übereifrige Schüler auch schon mal bremsen“, sagt Marshall. Er weiß, wovon er spricht, schließlich ist er selbst Stuntman und Stunt-Trainer. 

Beim Stunt-Workshop wird das Prügeln geübt.

Genauso, wie forsche Charaktere Zurückhaltung üben müssen, müssen die eher vorsichtigen Zeitgenossen lernen, aus sich herauszugehen. „Das ist wichtig, damit es für die Kamera echt wirkt“, erklärt der Profi. Schreie und verzehrte Gesichtszüge gehören zum Geschäft. Entspannt geht er durch die Halle, schaut sich an, wie die Schützlinge seine Anweisungen umsetzen. Hier und da unterbricht er die Übungen, gibt Tipps, wie es besser zu machen ist. „Ihr müsst immer dorthin gucken, wohin ihr schlagt, dann trefft ihr besser“, sagt er. Und treffen müssen die Stuntschüler. „Ich dachte immer, man hört ein paar Millimeter vorher auf“, erzählt der 15-jährige Jan. Tatsächlich trifft er seinen Übungspartner Lukas (14) wirklich – aber vorsichtig. „Darum müsst ihr miteinander reden“, betont Marshall. „Wenn es doch mal weh tut, sagt euch das, denn wenn man eine Szene wiederholt, wird es nicht besser.“ 

Mit den Prügelszenen und gar einem Feuerstunt, bei dem ein mutiger, mit Feuerschutzanzug ausgestatteter Workshop-Teilnehmer in Brand gesetzt wird, ist es für den Kurs aber noch nicht getan. In der zweiten Woche der Osterferien ist das Parkour-Training an der Reihe. „Dafür haben sich noch ein paar mehr Teilnehmer angemeldet, als für den Stunt-Kurs“, sagt Streetworker Arne Vogt. Insgesamt sind es rund 40 Bergkamener vieler Altersstufen, die dazu beitragen wollen, dass der Bollywood-Film ein voller Erfolg wird.

Rubriklistenbild: © Ehrhardt

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