Gutachten zerschlägt Hoffnung

Kein Bahnhof für Bergkamen: Daumen runter für Osterfelder Bahn

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Die zweigleisige Trasse der Osterfelder Bahn an der neuen Brücke der Jahnstraße, gleich neben der Wasserstadt Aden. Hier könnte zur IGA 2027 zeitweilig ein Zughalt installiert werden. Auf Dauer tauge das nicht, so der VDV.

Bergkamen – „Achtung, Zug fährt ein!“ Bergkamen arbeitet bekanntlich mit Nachdruck daran, dass solch eine Ansage wieder in der Stadt zu vernehmen ist. Es keimt Hoffnung, zur Internationalen Gartenausstellung (IGA) 2027 zumindest zeitweise mit einer Personenhaltestelle auf der Hamm-Osterfelder Bahn beschert zu werden. Ein Gutachten streut nun aber Sand auf die Schiene.

Für die dauerhafte Perspektive wird mit dem Nahverkehrsverband Westfalen-Lippe (NWL) daran gearbeitet, über eine Machbarkeitsstudie für einen Gleisanschluss im kommenden Jahr beim Land einen Fuß in die Tür zu bekommen. Da kommt die jüngste Studie des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen e.V. (VDV) aber recht ungelegen:

Mit einem klaren „Nein“ bewertet der Zusammenschluss überwiegend privater Verkehrsanbieter die Frage, ob eine Reaktivierung der Strecke Nr. 2250 Hamm-Recklinghausen, mithin besagte Osterfelder Schienen, für den Personenverkehr Potenzial verspricht. „Konflikt mit dem Güterverkehr“, lautet die Begründung. Die Verfasser sehen keine Chance, mit vertretbarem Aufwand auf den beiden Gleisen Personenzüge verkehren zu lassen, deren Takt mit dem übrigen Verkehr vereinbar ist.

Straßenbahn als Alternative

Ein Dämpfer auch für die Initiative in der Nachbarstadt Hamm, auf der Strecke den Bahnhof Pelkum zu aktivieren. Von der Variante, die vom VDV als Prüffall eingestuft wird, hätten die Nachbarn nichts: Zwischen Bergkamen und Kamen sollte näher betrachtet werden, ob die Zechenbahntrasse für eine Stadtbahn taugt. Das wäre zumindest eine Alternative zur Auto- oder Busfahrt zum nächsten Bahnhof.

Und diese Lösung wäre wohl auch eine Variante in der Machbarkeitsstudie, über die Bergkamens Rathausspitze mit dem NWL in Verhandlung steht. Im Zuge der Ankündigung, mit der IGA zumindest einen „Bahnhof auf Probe“ zu bekommen, war dieser Weg schon skizziert worden. NWL-Sprecher Uli Beele präzisierte auf Nachfrage ein wenig das Ziel der gemeinsamen Reise: Wenn in der zweiten Jahreshälfte 2021 der Schienenverkehrsplan des Landes für die nächsten Jahre fortgeschrieben wird, „sollte die Studie so weit sein, dass man mit dem Ergebnis Berücksichtigung findet“.

Osterfelder Bahn nur eine von mehreren Varianten

Das wiederum legt nahe, noch in diesem Jahr den Auftrag zu erteilen, damit das Papier aus der Feder des NWL rechtzeitig vorliegt. Die Kommune stellt sich darauf ein, die Studie beim Verkehrsverband bezahlen zu müssen. Der geht die Betrachtung wiederum in Anerkennung des Bedarfs der Stadt an.

„Es fokussiert sich ja gerade alles auf die Osterfelder Bahn“, so Beele weiter. „Das ist aber nur eine von mehreren Varianten, die hier zu betrachten sind.“ Über Details ließe sich aber noch nichts sagen, also auch nicht zu der als Prüffall skizzierte Alternative über die Zechenbahn.

Dass mit dem Urteil der Verkehrsunternehmen die Signale auf Rot gesetzt werden, fürchtet der NWL – übrigens selbst Mitglied im VDV – aber wohl nicht. Beele: „Der Verband ist ja kein Normgeber im Verfahren.“ Aber wohl ein Einflüsterer, wenn die Politik über die Investition in Schieneninfrastruktur zu entscheiden hat.

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