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Keine Angst vor großen Tieren: Rünther legen streunenden Wachhund an die Leine

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Von: Bernd Kröger

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Die Feststellung der „Personalien“ gestaltete sich einfach. „Pascha“ hat ein Etui am Halsband, mit seinen „Papieren“ darin. Die Männer vom Amt kennen ihn aber auch schon.
Die Feststellung der „Personalien“ gestaltete sich einfach. „Pascha“ hat ein Etui am Halsband, mit seinen „Papieren“ darin. Die Männer vom Amt kennen ihn aber auch schon. © Kröger

„Pascha“ macht Rünthe nervös: Der respekteinflößender Kangal büxt immer wieder aus und streunt durch den Ort. Beherzte Anwohner hielten ihn nun auf.

Rünthe – „Na mein Junge, wie geht’s dir denn heute?“, sagt der Mann in der robusten blauen Einsatzkluft. Er greift dem Hund, der ihm bis zu den Hüften reicht, beherzt ins Fell um Ohren und Lefzen. Das muskulöse Tier reckt sich wohlig, als habe es nur darauf gewartet. Es wedelt mächtig mit dem Schwanz, was wohl dazu geeignet wäre, im Vorbeigehen ein Kleinkind umzustoßen.

Man kennt sich schon

Auf den ersten Blick wirken die beiden wie ein eingespieltes Gespann – beim Gassigehen oder im Streifendienst einer Sicherheitsfirma. Aber da steht „Ordnungsamt“ auf der Jacke des Mannes, der sich furchtlos dem großen Hund nähert, zu dem die Umstehenden lieber Abstand halten. Anwohner aus der Kolonie an der Overberger Straße, die den mittelblonden Streuner mit kurzhaarigem Fell an einen Schildermast Ecke Zeppelinstraße angebunden haben.

Familie kümmert sich

Man kennt sich: „Der läuft öfter hier herum. Wir haben erst vergangene Woche das Ordnungsamt deswegen gerufen“, berichtet der Vater aus der Familie, die ihren Namen hier lieber nicht lesen möchte. Obwohl sie vorbildlich Zivilcourage zeigt. „Wir sind keine Leute, die wegschauen“, ergänzt die Mutter. Mit der Schwiegertochter haben sie sich daher darum gekümmert, dass „Pascha“ hier nichts anrichtet.

Kleine Hunde mag er nicht

„Kleine Hunde mag er nämlich nicht. Darauf reagiert er, und vielleicht fällt er auch drüber her“, erzählt der Vater und erklärt im nächsten Moment einer Passantin, sie solle mit ihrem Jack Russell an der Leine besser die Straßenseite wechseln, damit der Kangal nicht steil geht. Die Nackenhaare stehen schon, und respekteinflößend bellen kann er auch.

Es kursieren schon Fotos

„Wir haben ja selber einen Hund und wollen nicht, dass hier was passiert“, ergänzt der Vater. Das erklärt auch, warum der an sich freundliche und friedliche Streuner mit einer Hundeleine fixiert ist. „Das ist unsere, ein Halsband trägt der Hund ja“, erklärt der Rünther. Und das „Pascha“, wie der Mann vom Amt den vierbeinigen Brocken anspricht, vergangene Woche schon um den Aldi-Markt an der Rünther Straße gestrichen sei. Da gibt’s ein Foto auf Facebook, das eine Nachbarin aufmacht, um Hund und Halsband zu vergleichen: „Jau, das isser.“

Dem Streuner immer hinterher

Die Schwiegertochter hatte nun Montagmorgen das Tier entdeckt, als sie mit zwei Kindern und Kinderwagen bei Poco unterwegs war. Sie wusste gleich, wer da umhertrabte und rief die Schwiegereltern mit dem Mobiltelefon an. Dann folgte die 20-Jährigen dem Hund und dirigierte die Verwandten, bis man an der Ecke Zeppelinstraße den freilaufenden Hütehund fixieren konnte.

„Papiere“ am Halsband dabei

Der Mann vom Amt hat mit einem Kollegen auch schnell Gewissheit, ohne das mitgeführte Gerät zum Auslesen eines Identifizierungschips benutzen zu müssen. Als Ausdruck haben sie schon einen Registerauszug mitgebracht, der wohl die „Meldedaten“ des Hundes enthält. Die Nummer der Hundesteuermarke passt zwar nicht. Aber daneben befindet sich ein kleines Etui am Halsband mit einem Zettel darin.

Immer wenn das Tor offen ist...

Da steht, was die Ordnungsstreife schon ahnte: Es ist der alte Bekannte. „Pascha“, der an der Industriestraße immer wieder ausbüxt. „Die haben da ein Tor, das manchmal wohl nicht richtig geschlossen wird“, weiß der Mann vom Amt.

Anwohner haben noch eine Sorge

„Warum bekommen die keine Auflagen? Das ist ja kein kleiner Hund“, will die Mutter wissen. Da müssen die Ordnungshüter diplomatisch ausweichen. Sie sagen noch zu, sich eine weitere Problemlage anzuschauen. An dem Seseke-Patt zwischen Overberger- und Industriestraße ist den Anwohnern beim Spazieren mit dem eigenen Hund nicht geheuer, dass sie „nur ein ausgebeulter Maschendrahtzaun“ von zwei Bullterriern trennt, die bei Annäherung an das Firmengelände alles tun, was der Halter sich wohl zur Abschreckung verspricht. „Das geht auf Dauer nicht gut. Irgendwann gegen die da drunter durch“, fürchtet der Rünther. Der hundeerfahrene Mann vom Amt nickt: „Wir schauen uns das an.“

Halter kriegt eine Ansage

So wie das Amt auch noch mal „Paschas“ Herrchen ins Gewissen reden will, wie Abteilungsleiter Heiko Brüggenthies später versichert. „Wir haben mit dem Hund nie Stress“, betont er zunächst, dass der Kangal nicht durch Aggression auffiel. Auch ist die Rasse in NRW kein klassifizierten Gefahrenhund, also ohne besondere Auflagen. Der Halter habe auch schon Lehrgeld zahlen müssen, weil „Pascha“ beim ersten Mal im Tierheim landete. Nun will er dem Halter nachdrücklich klar machen, dass er den nachts frei laufenden Wächter tagsüber sichern muss, wenn das Firmentor immer wieder aufgeht.

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