Hafenmeister sieht Stadt Bergkamen in der Pflicht

Radfahrer in der Marina Rünthe: Im Prinzip willkommen - in der Praxis ein Problem

Sieht friedlich aus, birgt aber Konfliktpotenzial: Viele Radfahrer ignorieren die Gebote an der Hafenkante und kommen den Skippern teils gefährlich nahe, so die Beschwerde.
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Sieht friedlich aus, birgt aber Konfliktpotenzial: Viele Radfahrer ignorieren die Gebote an der Hafenkante und kommen den Skippern teils gefährlich nahe, so die Beschwerde.

Sonntagvormittag in der Marina, die Sonne lacht, Skipper genießen ihr Revier auf dem Kanal – und die vielen „Sehleute“ auf der Promenade den Blick darauf. Entspannter könnte es kaum zugehen, möchte man meinen. Aber weit gefehlt:

Rünthe – Am Kranplatz kriegen sich drei Männer lautstark in die Wolle. Es geht ums Radfahren, das in dem Umlauf vor dem Tor zum Bootslager verboten ist, und die passende Ansprache auf das Problem. Der hemdsärmelige Disput wäre kaum der Rede wert, offenbarte sich an dieser Stelle nicht ein grundsätzliches Problem. Schon lange schwelt der Dauerkonflikt mit den Ignoranten unter den Scharen von Radlern, die Bergkamens Prestigeobjekt mit kräftiger Unterstützung des Stadtmarketings anzieht.

Wortgefecht offenbart gereizte Stimmung

Die Idylle am Wasser trügt. „Hier liegen die Nerven blank“, erklärt Hafenmeister Thorsten Nustedde, warum ihm in der Hitze des Wortgefechts wenig Diplomatisches über die Lippen gekommen ist. Das weiß er wohl. Auch Michael Mücke von der Yachtschule Rünthe bekennt mit etwas Abstand, „dass das Gespräch vielleicht nicht so ganz ladylike gelaufen ist.“ Aber das dünne Nervenkostüm habe mit den alltäglichen Ärgernissen und Gefahren durch Radler zu tun.

Elmar Wegmann ist derjenige, den das trifft an diesem Morgen. „Ich habe das Gefühl, ich habe den ganzen Hass auf die Radfahrer abgekriegt“, berichtet der Weddinghofener, der die Marina und den Hafenmeister auch als vormaliger Bootslieger recht gut kennt.

Radfahrer sieht sich zu unrecht beschuldigt

Dass Wegmann bei seiner sonntäglichen Tour den Vorfall mit der Helmkamera im Dauerbetrieb aufgenommen und zeitweilig Ausschnitte davon unerlaubt auf Youtube veröffentlicht hatte, dürfte kaum zur Beruhigung beigetragen haben. Er befand sich vor dem besagten Tor im Gespräch mit einem älteren Paar, das neben seinen Rädern stand und sagt von sich, dass er gleichfalls ordnungsgemäß schiebend unterwegs gewesen sei. Die Bilder legen nahe, dass er gleichfalls neben seinem Velo stand, als Michael Mücke aus dem Tor fuhr und das Paar darauf hinwies, dass dort Radfahrverbot herrscht. Er sagt aber, Wegmann habe im Stehen auf dem Rad gesessen.

Mücke äußert in den Erwiderungen auch, dass er die Drei nicht meine, sondern die Radler an sich. Wegmann fühlt sich zu Unrecht bezichtigt. Als dann Nustedde erkennbar genervt dazu kommt, gibt ein Wort das andere. „Wir haben die Schnauze voll von Radfahrern“, schimpft er abwinkend. Später weist er Wegmann darauf hin, dass einige Skipper deswegen nicht zögern würden, gegen störende Radler handgreiflich zu werden.

Hafenmeister: Unfälle und Verletzte

„Durch die E-Bikes und Corona haben sich die Dinge verschärft. Die Leute wollen raus und sie fahren, wie sie wollen“, erzählt der Hafenmeister von einer Fülle schlechter Erfahrungen. „Wir haben zu den Steganlage Tore, die müssen nach außen aufgehen, weil sie Fluchttüren sind. Neulich wollte eine Frau durch ein Tor auf die Promenade, auf der das Radfahren auch verboten ist. Ein Radler kam vorbei, trat die Tür zu. Die schlug der Frau ins Gesicht, sie ist die ganze Brücke heruntergestürzt. Wir mussten den Krankenwagen rufen. Der Radler ist über alle Berge.“

Klage über gefährliche Situationen

Michael Mücke kennt andere haarige Situationen, sorgt sich vor allem um die Kinder auf den Wegen. In dem rechten und nicht einsehbaren Winkel vom Kranplatz zur Promenade seien neulich Radler in einen Kinderwagen gekracht. „Wenn ich mit dem Auto vom Bootsplatz komme, habe ich nach links erst im letzten Moment Sicht. Wer ist schuld, wenn mir da einer reinknallt?“ Zu schnell und rücksichtslos seinen viele – in der Regel Ältere – mit dem E-Bike unterwegs.

Besucher ignorieren die Beschilderung

Dass der Kranplatz nicht überquert werden darf, gebieten Schilder und Tore – was aber viele nicht schere, so die beiden. Auch an der Slipanlage, wo Skipper ihr Boot an einer Rampe mit dem Pkw-Anhänger zu Wasser lassen, kämen sich Hafen-Crew und Publikum immer wieder in die Quere. Im weiteren Verlauf bis zum „California“ werde das Radfahrverbot auch ignoriert.

Dass die Stadt nach der Schließung der Durchfahrt auf Privatgrund am California den Uferweg auf der Südseite über die letzten Meter der Promenade der Marina verlegt hat, trägt auch zum Problem bei. Mit dem Absteigen ist es dort so eine Sache.

Weiteres Gespräch mit der Stadt

„Wir haben uns mehrfach an die Stadt gewandt, aber die macht ja nichts“, so Nustedde. Mitte Mai sei der Fahrradbeauftragte da gewesen, Ende der Woche komme der Wirtschaftsförderer. Da will der Hafenmeister – und Eigentümer der betrieblichen Marina-Liegenschaften – noch einmal Tacheles reden.

Bürgermeister will Sachverhalt prüfen

Mit den Erkenntnissen aus diesem Gespräch will Bürgermeister Bernd Schäfer bewerten, an welcher Stelle sich die Kommune gefordert sieht, rund ums Hafenbecken für ein verträglicheres Miteinander zu sorgen. Auf den Streit, über den sich Wegmann im Rathaus beschwert hat, will er nicht eingehen.

IGA-Radweg soll eine Lösung sein

Die Freizeit- und Tourismusradler seien gewollt und würden immer mehr. „Natürlich muss man in bestimmten Abständen immer wieder hinterfragen, ob die Dinge noch passen“, so Schäfer. Ob Umbauten oder andere Maßnahmen angezeigt sind, müsse man beim Termin schauen. „Ich gehe auch davon aus, dass der geplante IGA-Radweg eine Verbesserung bringt“, ergänzte Schäfer. Der verspricht eine direkte Verbindung am Südufer des Kanals von Hamm bis Lünen, ergo durch die Marina und das provisorische Nadelöhr am California. Schäfer: „Nur ist 2027 noch weit weg. Ich hoffe, dass er vorher kommt.“

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