Tarifkonflikt

Streik legt Busverkehr im Kreis Unna lahm: Die Fahrgäste bleiben gelassen

Betriebshof Kamen Streik VKU Verdi
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Vor dem Betriebshof in Kamen wechselten sich Mitglieder der Gewerkschaft Verdi den Tag über ab.

Bergkamen/Kamen – Wegen des Warnstreiks, zu dem die Gewerkschaft Verdi im bundesweiten Tarifkonflikt wegen der Arbeitsbedingungen im Nahverkehr aufgerufen hatte, fuhren am Dienstag auch im Kreis Unna deutlich weniger Busse.

Nach VKU-Auskunft haben gestern keine betriebseigenen Busse die Depots an den Betriebshöfen in Lünen und Kamen verlassen, unterwegs gewesen seien nur große Teile der Subunternehmer, wobei es auch dort einige streikende Fahrer gegeben habe.

Am Betriebshof in Kamen hielt morgens Betriebsratsmitglied Tarek Bouldal die Stellung, um zusammen mit zehn Kollegen für ihre Forderungen einzustehen. Ohne Pandemie wären es mehr Mitarbeiter gewesen. „Aber wir achten auf die Abstandsregeln und darauf, dass sich nicht zu viele Menschen versammeln“, erklärte das Betriebsratsmitglied. Darum ging der Streik auf dem Betriebshofgelände in Schichten vonstatten: Nach etwa zwei Stunden kam die Ablösung, und zehn weitere Mitarbeiter positionierten sich am Hoftor.

Nicht alle Fahrgäste haben Verständnis

In der Nachbarstadt Bergkamen wartete am Busbahnhof währenddessen Mandy Koch – zusammen mit gerade einmal sechs anderen Fahrgästen, die meisten waren offenbar vorsorglich aufs Auto umgestiegen. „Wir hatten ‚Glück‘, dass der Streik dieses Mal etwas eher bekannt war“, so die VKU-Pressesprecherin Inga Fransson. „Die Leute hatten so mehr Zeit, um Maßnahmen zu ergreifen und sich vorzubereiten.“

Koch hatte allerdings keine andere Möglichkeit und strandete so für eine kleine Weile am Bergkamener Busbahnhof, ehe doch noch ein Bus ihrer Linie kam und sie gen Unna brachte. Trotz der längeren Wartezeit blieb sie gelassen. „Ich habe Verständnis für die Beschäftigten im öffentlichen Nahverkehr“, sagte sie. Auch, dass der Streik in die Corona-Pandemie fällt, ging für sie in Ordnung.

So viel Verständnis für die Forderungen – unter anderem will Verdi Entlastungen der Beschäftigten und Regelungen zur Nachwuchsförderung durchsetzen – haben nicht alle Nutzer. Davon kann Udo Reif, Busfahrer bei der VKU, ein Lied singen. „Ich bin gestern, als wir ganz normal gefahren sind, schon angepöbelt und beschimpft worden wegen des Warnstreiks“, erzählte er. Während des Streiktags an sich, so die Pressesprecherin, habe es vereinzelte Beschwerden gegeben. „Aber was die Resonanzen angeht, war es im erwartbaren Rahmen.“

Ulrich Rehrmann, VKU-Mitarbeiter, konnte den Ärger der Kunden sogar verstehen. „Die Leute müssen ja zur Arbeit kommen, sie stehen unter Druck“, sagte er. Dennoch sei der Streik notwendig, betonte Bouldal. „Der Arbeitgeberverband hat diesen Streik verlangt, indem er die Verhandlungen abgelehnt hat.“ Es müsse jetzt Druck aufgebaut werden, um etwas zu verändern.

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