Positive Reaktionen auf Antrag des Aktionskreises

Stolpersteine für NS-Verfolgte in Bergkamen: Kulturausschuss soll Konzept entwickeln

Stolpersteine erinnern auf Wegen und Plätzen vor den ehemaligen Wohnhäusern NS-Verfolgter an deren Schicksal.
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Stolpersteine erinnern auf Wegen und Plätzen vor den ehemaligen Wohnhäusern NS-Verfolgter an deren Schicksal.

Es soll nicht in Vergessenheit geraten, was Bergkamener unter dem NS-Regime an Leid und Unrecht widerfahren ist. Die Stadt schließt sich der Aktion Stolpersteine an.

Bergkamen – Der Kulturausschuss soll sich mit dem Vorstoß für „Stolpersteine“ zur Erinnerung an Opfer des Nationalsozialismus befassen. Das hat Bürgermeister Bernd Schäfer auf Anfrage vorgeschlagen und dem „Arbeitskreis Wohnen und Leben Bergkamen“ als Antragssteller auch schon mitgeteilt. „Die Anregung ist gut, wir werden sie auf jeden Fall aufgreifen“, sagte Schäfer. „Wenn wir die Erinnerungskultur zu diesem Thema betrachten, müssen wir uns aber breiter aufstellen. Ich möchte das in einem Ausschuss verankern und das Museum einbinden.“

Bürgermeister: Thema insgesamt gerecht werden

Der Kulturausschuss unter Vorsitz von Thomas Grziwotz (Grüne) wäre für den Verwaltungschef das geeignete Gremium, ein Konzept zu entwickeln. Von der Kranzniederlegung am 27. Januar, dem internationalen Holocaust-Gedenktag abgesehen, gibt es in Bergkamen kein offizielles Gedenken an die Opfer des Unrechts zu Zeiten des NS-Regimes. „Da stellt sich die Frage, wie wir dem insgesamt gerecht werden“, so Schäfer.

Aktionskreis gab den Anstoß

Die Verlegung von Stolpersteinen in der inzwischen weit verbreiteten Aktion des Künstler Gunter Demnig sei ein geeignetes Element. Dafür müsse aber genauer geschaut werden, wem nach welchen Gesichtspunkten solch ein Stein gewidmet werde. Der Arbeitskreis hat auf Basis der Recherchen des früheren Rünthers Manuel Izdebski zunächst fünf frühere jüdische Mitbürger und zwei politisch Verfolgte vorgeschlagen, von denen einer in der Haft ermordet wurde.

Demnig macht in seinen Kriterien keinen Unterschied zwischen den Verfolgungsgründen. Seine Steine erinnern mit einer im Messing geschlagenen Inschrift am jeweils letzten frei gewählten Wohnort der Verfolgten an ihr Schicksal in der Nazi-Herrschaft: Haft, Deportation, Ermordung – aber auch Emigration.

Fachlicher Beistand aus dem Museum

Mit geschichtswissenschaftlicher Unterstützung aus dem Museum „muss sich die Politik mit dem Thema befassen“, sagte Schäfer. „Das schließt ja nicht aus, dabei auch die Bürgerschaft beteiligt wird.“ Auch wenn der Aktionskreis weitere Beiträge zu einer Gedenkveranstaltung schon angeboten habe, so müsse die Stadt das Heft doch in der Hand behalten.

„Das ist okay, wenn die Initiative so auf eine breite Basis gestellt wird. Da hat der Bürgermeister strategisch richtig reagiert“, zeigte sich der Aktionskreis-Vorsitzende Karl-Heinz Röcher zufrieden. „Ich habe auch von anderer Seite – Grüne, Linke, BergAUF – schon positive Signale. Wir wollen als Verein weiter Begleiter der Aktion sein und sehen uns in unserer Aufgabe bestätigt: Wir wollen Leute zusammenbringen, damit sie über eine Sache reden.“

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