Geflügelpest

Bergkamener Halter müssen Tiere in den Stall schicken

Landesweit gilt aufgrund eines Geflügelpestausbruches im Märkischen Kreis die Stallpflicht für Geflügel
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Wir müssen drinnen bleiben: Kreisweit gilt derzeit eine Stallpflicht für Geflügel

Bergkamen – In den kommenden Ostertagen dreht sich vieles um das Ei. Und das sollte möglichst von glücklichen Tieren stammen, sprich von Hühnern, die artgerecht und möglichst mit Auslauf an der frischen Luft gehalten werden. Doch gerade dieser Ausgang wird den Tieren derzeit verwehrt. Grund dafür ist die Geflügelpest, die in der vergangenen Woche in einem Legebetrieb im Märkischen Kreis ausgebrochen ist. Im gesamten Kreis Unna gilt nun – wie fast überall im Land – eine Stallpflicht für Geflügel. Daran müssen sich auch die Halter und Züchter in Bergkamen halten.

Knapp 300 Hühner laufen normalerweise auf dem Hof von Antje Schulze Elberg in Rünthe frei auf der Wiese. „Die müssen jetzt natürlich im Stall bleiben“, stellt sie fest. Zum Glück biete dieser den Hennen genügend Platz, darauf achtet die Landwirtin. „Es gibt Bestimmungen zu den Stallgrößen, aber mir ist es wichtiger, dass sich die Tiere wohlfühlen. Da muss nicht der letzte Quadratmeter ausgenutzt werden.“

Das kommt den Hühnern nun zugute. Dennoch muss die Landwirtin sich überlegen, wie sie die Tiere im Stall beschäftigt. Ansonsten könnten diese eingesperrt aggressiv werden. „Man muss ihnen Pick- und Scharrmaterial zur Verfügung stellen“, erklärt die Fachfrau. Draußen ist das nicht erforderlich. Auf der Wiese finden die Vögel schließlich genügend Ablenkung, picken Körner und Gras und können sich freier bewegen.

Am liebsten auf der grünen Wiese

Wirtschaftlich hat Antje Schulze Elberg durch die momentane Stallpflicht keine Nachteile. Im Gegenteil: Im Stall sind die Hennen produktiver. „Sie legen mehr Eier, weil sie dort nicht so viele Energie verlaufen wie im Freien. Außerdem lässt sich die Ernährung im Stall besser steuern. Im Gras finden sie alles Mögliche, was sie fressen können und lassen das Mineralfutter schon mal stehen.“ Auch die Eiersuche gestaltet sich drinnen einfacher. Dennoch wünscht sich die Bergkamenerin, dass die Stallpflicht bald wieder aufgehoben wird. „Für die Hühner ist es draußen einfach schöner.“

Das kann Artur Dasbeck nur unterstreichen. Der zweite Vorsitzende des Rassegeflügelzuchtvereins (RGZV) Edle Rasse Rünthe hält seit 75 Jahren Geflügel auf seinem Hof in Rünthe. Für ihn ist die Zucht weit mehr als nur ein Zeitvertreib und vielleicht noch eine Eierproduktion. Er hängt an seinen Tieren – und deshalb sieht er sie auch am liebsten auf der grünen Wiese. „Da entwickeln sie sich ganz anderes“, hat Dasbeck festgestellt.

Für Menschen ungefährlich

Für Menschen, die keinen direkten Kontakt zu infizierten Tieren haben, ist das Geflügelpestvirus ungefährlich. Sie können Geflügelfleisch sowie gekochte Eier auch ohne Bedenken verzehren. Um eine Übertragen des für die Tiere aber sehr bedrohlichen H5N8-Viruses von Wildvögeln auf Nutztiere zu vermeiden, hat das Land mit Ausnahme des Regierungsbezirks Düsseldorf ab Dienstag für ganz NRW eine Stallpflicht angeordnet. In der vergangenen Woche war in einem Legehennenbetrieb in Menden (Märkischer Kreis) die Geflügelpest ausgebrochen. Damit wurden seit Anfang März in NRW acht Fälle offiziell bestätigt. Weil der aktuelle Ausbruch auch das Gebiet des Kreises Unna betrifft, wurden dort ein Sperrbezirk und ein Beobachtungsgebiet eingerichtet. In Fröndenberg und Unna gelten über die Stallpflicht hinaus weitere Schutzmaßnahmen. Unter anderem dürfen Vögel, frisches Geflügelfleisch, Federwild, Eier sowie sonstige Erzeugnisse und tierische Nebenprodukte von Geflügel weder in einen noch aus einem Bestand gebracht werden. Tierhalter müssen sicherstellen, dass ihre Ställe nur von fremden Personen betreten werden, wenn diese Schutzkleidung tragen. Fahrzeuge müssen desinfiziert werden.

„Wir sind nicht glücklich darüber. Es ist schade, die Tiere bei dem schönen Wetter einsperren zu müssen. Gerade jetzt sind viele junge Tiere dabei, die raus müssten“, bedauert er die Stallpflicht. Die gilt selbstverständlich ebenso für private Geflügelzüchter und -halter. Der kommissarische Vereinsvorsitzende hat daher bereits am Dienstag alle RGZV-Mitglieder über die Verfügung der Kreisverwaltung informiert und auf die verordnete Maßnahme hingewiesen.

Zugvögel bringen das Virus mit

Allerdings sehen er und seine Vereinskollegen den Ausbruch der Geflügelinfluenza im Nachbarkreis etwas gelassener. „Am 20. März wurden bei uns alle Hühner durchgeimpft“, berichtet Artur Dasbeck. Alle drei Monate lassen die Vereinsmitglieder ihre Schützlinge vor Erregern, insbesondere vor dem Vogelgrippevirus, impfen. „Das gibt uns mehr Sicherheit“, so der Bergkamener. Nichtsdestotrotz befolgen er und seine Mitstreiter die Schutzmaßnahme – Sicherheit geht vor. „Die Vogelgrippe tritt im Herbst oder im Frühjahr auf, immer dann, wenn die Zugvögel kommen“, weiß der Experte. „Im Winter, wenn die Wildvögel wenig Futter finden, werden sie schwach und anfällig.“

Dasbeck selbst spannt sogar das ganze Jahr über Netze über den Hühnerauslauf, damit seine Tiere erst gar keinen Kontakt zu Wildvögeln bekommen.

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