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Rundgang mit Laterne: Skurrile Kunstperformance in Bergkamen

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Von: Linda Ehrhardt

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Mann mit Straßenlaterne Kunstperformance
Jan-Philip Scheibe will mit einer Straßenlaterne auf der Schulter durch Bergkamen laufen. Für unser Foto bekam er eine vom Bauhof gestellt. Am 14. und 15. Oktober wird es dann ein leichteres Modell aus Aluminium sein. © Ehrhardt

„Ich geh mit meiner Laterne...“ Mit Sankt Martin hat die Kunstperfomance nichts zu tun, die bald in Bergkamen zu erleben ist. Stattdessen geht es um die ungewöhnliche Beleuchtung verschiedener Stellen der Stadt.

Bergkamen – Straßenlaternen faszinierten Jan-Philip Scheibe schon immer. Bereits als Kind waren sie unabdingbarer Teil seiner Welt. In der Aktion „Shouldered Streetlights“ (Deutsch: Geschulterte Straßenbeleuchtung) macht er nicht nur die Straßenlaternen zum Teil seiner Kunst, er verbindet auch Licht- mit Performancekunst – zwei der Bereiche, in denen er sich am liebsten tummelt. Zu sehen ist die Aktion am Donnerstag und Freitag, 14. und 15. Oktober, jeweils ab 18 Uhr in Bergkamen.

Mit der Straßenlaterne auf der Schulter zieht Scheibe los. In der Hand trägt er einen Stromgenerator. „Eigentlich würde eine doppelte Powerbank reichen, um die LED-Beleuchtung mit Energie zu versorgen“, erzählt er. Die Geräusche, die Gerüche des benzinbetriebenen Generators gehören für ihn aber einfach zu seiner Performance dazu.

Brachfläche am Rathaus als Ziel

Zwei Touren hat er sich bereits durch Bergkamen ausgeguckt, auf die er jeweils maximal 25 Kunstfreunde mitnehmen wird und die ihre Stadt im wahrsten Wortsinne in einem neuen Licht entdecken werden. „Die Performance macht etwas mit den Teilnehmern“, sagt Scheibe. „Aus Individuen wird eine irgendwie eingeschworene Gemeinschaft.“

Gewöhnlich, erzählt er, sei es so, dass die Gruppe anfangs noch munter drauflos plaudere. „Je länger die Tour dauert, desto stiller wird das Erleben.“

Über 30 Kilo sind zu schleppen

Drei Kilometer nimmt der Künstler die Gruppe mit. Wie lange es dauert, liegt an der Tagesform des 49-Jährigen. Denn die Performance ist für ihn ein körperlicher Kraftakt. Elf Kilogramm wiegt die für ihn angefertigte Straßenlaterne. „So leicht ist sie nur, weil sie aus Alu ist“, erzählt Scheibe. In seinem Leichtsinn habe er vor seiner ersten „Shouldered Streetlights“-Tour gesagt, er nehme eine ganz normale – und somit verzinkte – Laterne mit. Die Bauhofmitarbeiter in Schwäbisch Hall, wo er erstmals mit Straßenlaterne unterwegs war, hielten ihn ob des noch höheren Gewichts davon ab. Elf Kilo sind es jetzt also, die er auf der Schulter trägt. Der Stromgenerator bringt noch einmal gute 20 Kilo auf die Waage. „Die Performance ist anstrengend“, sagt Scheibe. „Das macht auch etwas mit mir.“

Ohne Pausen ist die Tour nicht zu schaffen. Also hält der Künstler zwischendurch inne. Richtet die Laterne auf und verweilt. Und lässt Spiele aus Licht und Schatten entstehen, wo die Menschen der Stadt sie in der Form noch nicht kennen, hilft ihnen so, Neues zu entdecken, beleuchtet im Wortsinne Veränderungen.

Station an der Marina in Rünthe

Der Wandel der Städte interessiert Scheibe. Darum war ihm beim Erkundungsbesuch in Bergkamen sofort klar: Er will über die Brache gegenüber dem Rathaus ziehen. „Wir sind gerade dabei, die Genehmigung dafür einzuholen“, berichtet Kulturreferentin Simone Schmidt-Apel. Die erste Tour am 14. Oktober startet denn auch am Rathaus.

Weitere Wegpunkte sind zum Beispiel der Wasserpark und der alte Friedhof in Mitte. Am 15. Oktober ist der Treffpunkt in der Marina Rünthe, von wo aus die Gruppe mit Scheibe Richtung Schacht III laufen wird.

Egal, wo Jan-Philip Scheibe unterwegs Halt macht – er war mit seiner Performance unter anderem schon in Island, Schweden und auf Lanzarote – ein Stück Heimat ist immer dabei. Durch die Straßenlaterne, die in seiner Kindheit Anfang und Ende seiner Welt war: „Nur bis zur nächsten Straßenlaterne, dann warten“, hieß es da von seiner Mutter. Oder: „Wenn die Straßenlaternen angehen, kommst du nach Hause.“

Anmeldung

„Shouldered Streetlights“ kostet keinen Eintritt. Eine Anmeldung ist aber beim Bergkamener Kulturbüro notwendig unter Telefon 02307/965464.

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