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Konsequent oder blauäugig? Stadt übernimmt 13 Pumpwerke der RAG

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Von: Jürgen Menke

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Ohne Pumpen wäre Bergkamen nicht trockenzuhalten, hier der Blick in eine SEB-Anlage. Der Betrieb wächst um 13 Pumpwerke der RAG.
Ohne Pumpen wäre Bergkamen nicht trockenzuhalten, hier der Blick in eine SEB-Anlage. Der Betrieb wächst um 13 Pumpwerke der RAG. © Robert Szkudlarek

An den Folgelasten des Bergbaus scheiden sich einmal mehr die Geister. 13 RAG-Pumpwerke wird die Stadt gegen Erstattung übernehmen. Ist das nun klug oder ein Risiko?

Bergkamen – Für die einen ist es eine logische Konsequenz, für andere schlicht blauäugig: Die Stadt Bergkamen, genauer gesagt: ihre Entwässerungstochter SEB, hat mit Jahresbeginn die Pumpwerke von der Ruhrkohle AG (RAG) übernommen. Zunächst geht es um fünf Anlagen. Weitere acht sollen bis Ende des kommenden Jahres folgen. Diesen Zeitraum benötige man, das erforderliche Personal einzustellen und einzuarbeiten, heißt es beim Stadtbetrieb Entwässerung Bergkamen.

Fraktion BergAuf hält nichts davon

Mitte 2021 hatte die RAG der Stadt ihre abwassertechnischen Anlagen angedient. Ende vergangenen Jahres gab der Stadtrat sein Okay – gegen den Widerstand der BergAuf-Fraktion. Sie sieht in dem Vorhaben einen „ungedeckten Wechsel auf die Zukunft der Stadt“.

Die Übernahme von RAG-Anlagen vollzieht sich nach Auslaufen des Steinkohlenbergbaus im Ruhrgebiet Ende 2018 in vielen Kommunen. Seit Januar 2022 sind überdies die beiden großen Wasserwirtschaftsverbände Emschergenossenschaft und Lippeverband für 156 ehemalige Grundwasser- und Vorflutpumpwerke der RAG verantwortlich.

SEB: spürbare Betriebsoptimierung

Für den SEB liegen die Vorteile der Übernahme der 13 RAG-Anlagen auf der Hand. Er spricht von einer „spürbaren Betriebsoptimierung“, weil Betrieb und Steuerung nun bei ein- und demselben Unternehmen verortet seien. Unter anderem ließen sich bei einer größeren Anzahl von Standorten Kolonnendienste und Rufbereitschaften besser organisieren.

Komplexes Geflecht von Anlagen

Tatsächlich sind die RAG-Anlagen bereits in das kommunale Abwassernetz eingebunden. Dieses Netz sei „ein komplexes System und Zusammenspiel aus Gewässerläufen, Abwassersammlern, Pumpwerken, Regenrückhaltebecken, Regenüberlaufe, Regenklärbecken usw.“, heißt es. Künftig ist in Bergkamen neben dem kommunalen SEB nur noch ein Akteur in Sachen Wasserhaushaltung unterwegs, und das ist der Lippeverband.

RAG muss Kosten weiter tragen

Der Kaufpreis der Anlagen beträgt jeweils einen Euro. Es ist ein symbolischer Betrag. Unterm Strich soll die RAG im Zuge der sogenannten Ewigkeitsaufgaben weiterhin und auf Dauer für alle Kosten aufkommen, die die Übernahme und der Betrieb der Anlagen mit sich bringen – darunter Unterhaltungs-, Betriebs-, Personal-, Sach- sowie Erneuerungs- oder auch Erweiterungskosten. So ist es vertraglich geregelt.

Ohne Pumpe läuft es nicht

Zu den 13 Anlagen gehören laut Vertragsentwurf etwa die Pumpwerke an der Erlentiefen-/Königstraße, an der Mergelkuhle sowie am Beversee. Dieser ist bekanntlich in den Jahren 1940 bis ‘42 durch Bergsenkungen sowie durch Anstauung des Beverbaches vor dem Datteln-Hamm-Kanal entstanden. Mit einem Pumpwerk wird der Wasserspiegel des rund neun Hektar großen Gewässers reguliert. Auch die anderen RAG-Anlagen wurden wegen der Auswirkungen des Bergbaus auf die Topografie nötig.

Was, wenn die RAG mal weg ist?

Für BergAuf ist die Übernahme ein schlechter Deal. Irgendwann werde es die RAG als Unternehmen nicht mehr geben, dann habe die Stadt auch die Kosten „an der Backe“, prophezeite etwa Werner Engelhardt von der Wählergemeinschaft. Für Fraktionsvorsitzende Claudia Schewior sind die Ewigkeitskosten „unabschätzbar“.

SEB-Leiter Marc Alexander Ulrich zeigte sich bei der Diskussion in der Politik pragmatisch. Am Ende, sollte sich niemand anderes mehr um die Wasserhaltung vor Ort kümmern, so meinte er, würde die Aufgabe ohnehin bei der Kommune landen. Insofern sei die Verwaltungsempfehlung zur Übernahme der RAG-Anlagen „nicht blauäugig, sondern durchdacht“.

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