Stadtbesetzung: Wolfgang Kerak ist an der Reihe

Das steckt hinter dem nächsten Kunstwerk vor dem Bergkamener Rathaus

Die Schmetterlingsstele ziert gegenwärtig noch Terrasse und Garten ihres Erschaffers Wolfgang Kerak. Demnächst zieht sie am Rathaus Blicke auf sich.
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Die Schmetterlingsstele ziert gegenwärtig noch Terrasse und Garten ihres Erschaffers Wolfgang Kerak. Demnächst zieht sie am Rathaus Blicke auf sich.

Wechsel in der „Freiluft-Galerie“ vor dem Rathaus: Die Helm-Ausstellung ist beendet, jetzt darf ein Bergkamener Künstler eine Arbeit präsentieren:

„Ich denke immer zuerst in Stein“, erläutert Wolfgang Kerak, wie die vielen Kunstwerke aus seiner Hand zuerst im Kopf reifen. Am Anfang steht der Stein. Kein Wunder bei jemandem, der vor 63 Jahren damit begonnen hat, aus diesem Material zuerst Treppen, Fensterbänke oder Gesimse für den Hausbau zu fertigen. Und den nach den ersten beruflichen Schritten das im Umgang mit Meißel und Fäustel erwachende künstlerische Talent dazu brachte, sich anderen Formen und Werken mit Symbolkraft zuzuwenden.

Neben den Pflichten blieb Muße für eigene Werke

Der heute 78-Jährige erlernte das Steinmetz-Handwerk, brachte es zum Meister und eigenen Betrieb, der in der Fertigung von Grabmalen sein Hauptstandbein hat. Dass der „Rünther Junge“ nebenbei über Jahrzehnte auch noch politisch aktiv und Bergkamens letzter ehrenamtlicher Bürgermeister bis zur Abschaffung der kommunalen Doppelspitze war, sei hier nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Eigentlich geht es nun darum, dass Kerak neben dem Auftragshandwerk (und der Politik) immer noch Zeit und Muße hat, eigene künstlerische Ideen zu verfolgen – und eines seiner Werke nun zeitweise vor dem Rathaus zu öffentlichen Ehren kommt.

Aber der Reihe nach: In Keraks Haus und Garten neben dem Betrieb am Parkfriedhof in Weddinghofen zeugen etliche Werke von seinem Händchen für Skulpturen – nicht nur in Stein gehauen, sondern etwa auch aus Bronze gegossen. Und das schon zu Zeiten des Aufbaus, in denen der junge Familienvater sich das edle Material kaum leisten konnte. „Ich habe für die Gießerei damals die Figuren modelliert, dafür habe ich dann die Bronze für meine Werke bekommen“, berichtet der immer noch aktive Handwerker.

Jahresthema der Werkstatt sohle 1 gab Inspiration

Zur Geltung kommen auch diese Werke in Kombination mit seinem liebsten Material: Stein. Mit bunten Glasgüssen und verschiedenen Metallen hat der Künstler den Werkstoff aus der Natur schon zu Motiven und visuellen Botschaften vereint. Wolfgang Kerak ist auch Gründungsmitglied der Bergkamener „Künstlergruppe sohle 1“ und war an vielen der jährlichen Werkstätten beteiligt. Das Jahresthema „Wegmarke Metamorphosen“ (2012) hat ihn zu dem Kunstwerk inspiriert, das in Kürze vor dem Bergkamener Rathaus Blicke auf sich ziehen und das Kunstverständnis dieser Stadt verdeutlichen soll: Werke nicht museal verwalten, sondern samt Diskussion darüber in den öffentlichen Raum bringen.

Das zählt zu den Pioniertaten des früheren Kulturdezernenten Dieter Treeck, mit dem Kerak bis heute eine enge Freundschaft verbindet, und setzt sich dieser Tage mit der „Stadtbesetzung“ fort. Für die ästhetische Okkupation stand zuletzt, bis zum Aufstellen des bald hinfälligen Weihnachtsbaums, der Motorradhelm des Künstlers Achim Thiemann vor dem Rathaus. Auf der Suche nach einem neuen Objekt habe sich Kulturreferentin Simone Schmidt-Apel an die Künstlergruppe gewandt, „mit der Frage, ob von jemand eine Arbeit dafür zur Verfügung stellen kann“, so Kerak. „Zwei von uns haben sich gemeldet, dazu noch drei Externe. Am Ende fiel die Wahl auf mich.“

Symbol der Freiheit - aber ohne Titel

Und was bekommt Bergkamen da nun für einen Kerak? „Das Werk hat keinen Titel“, erläutert der Erschaffer der Stele. „Es geht aber ums Freiwerden, die Leichtigkeit, das Aufsteigen.“ Denn so erhebt sich ein Schwarm gläserner Schmetterlinge, steigt im wechselnden Lichtspiel dem Himmel entgegen. „Das steht für die Freiheit“, erläutert Kerak. Das Motiv habe er so aus dem Jahresthema „Metamorphose“ entwickelt.

Aber nicht, ohne zuerst in Stein zu denken: Die mit dem Wasserstrahlschneider aus Plexiglas gesägten Schmetterlinge und dazugehörigen Negativformen hat der Steinmetzmeister in rötlichen Sandstein gefasst. Nicht in irgendeinen, sondern in den Block, der ihm mit der Idee im Hinterkopf gleich ins Auge fiel. In einem Steinbruch in Ibbenbüren war das, vor etwa zwei Jahren. Da hatte Kerak für den gemeinschaftlichen Betrieb mit Sohn Olaf dort ganz anderes zu tun.

Weil Bildhauer aber einen Stein „lesen“, im unbehauenen Stück schon die spätere Form erkennen, war der Prozess angestoßen, die Umsetzung handwerkliche Routine. Mit der wird der Steinmetzmeister auch selbst für die Ausstellung seines Werkes sorgen, wenn der Weihnachtsschmuck am Rathaus abgeräumt ist. Und er tüftelt noch an einem besonderen Effekt. Licht im Boden soll die Schmetterlinge strahlend aufsteigen lassen.

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