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Städtisches Sonnenkraftwerk Nr. 7 entsteht auf der Turnhalle in Overberge

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Von: Jürgen Menke

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Die Zweifachturnhalle an der Hansastraße in Overberge: Stadt und GSW wollen auf dem Dach des Gebäudes Strom mit Solarzellen produzieren. Aktuell gibt es auf städtischen Gebäuden sechs Fotovoltaikanlagen.
Die Zweifachturnhalle an der Hansastraße in Overberge: Stadt und GSW wollen auf dem Dach des Gebäudes Strom mit Solarzellen produzieren. Aktuell gibt es auf städtischen Gebäuden sechs Fotovoltaikanlagen. © Robert Szkudlarek

Auf dem Dach der Zweifachturnhalle an der Hansastraße in Overberge soll eine Fotovoltaikanlage zur Stromgewinnung installiert werden.

Bergkamen – „Sobald die Verträge final unterschrieben sind, steht einem Baubeginn noch in diesem Jahr nichts entgegen“, sagt Kai Kruppa von den Gemeinschaftsstadtwerken Kamen, Bönen, Bergkamen. Dazu müssten die benötigten Komponenten allerdings auch kurzfristig am Markt verfügbar sein. Die Generatorleistung der geplanten Anlage soll 75,12 Kilowatt-Peak betragen. Das entspricht einer jährlichen Produktion von etwa 67.000 Kilowattstunden. „Mit dieser Menge können rund 20 Vier-Personen-Haushalte versorgt werden“, erläutert Kruppa. Die absehbaren Investitionen lägen „im höheren fünfstelligen Bereich“.

Schon Anlagen auf sechs Gebäuden

Zurzeit existieren Fotovoltaikanlagen auf sechs städtischen Gebäuden: auf der Hellwegschule, der Gesamtschule, dem Gymnasium, dem Studio-Theater, dem Museum und dem VHS-Treffpunkt. Allein im vergangenen Jahr seien knapp 128.000 Kilowattstunden Strom produziert und ins GSW-Netz eingespeist worden, rechnet die Verwaltung vor, seit Installation der ersten Anlage 2006 rund 1,67 Millionen. Dadurch seien bis Jahresbeginn 1552 Tonnen weniger klimaschädliche Treibhausgase in die Atmosphäre gelangt. Mit der neuen Technik ließen sich 19,6 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr vermeiden.

Das Dach der 1994/95 errichteten Doppelturnhalle in Overberge war zunächst nicht für eine Stromproduktion mit Solarzellen vorgesehen. Eine statische Neuberechnung allerdings hat ergeben, dass eine Installation der Technik möglich ist.

In Overberge geht es um Eigenverbrauch

Fünf der sechs bestehenden Anlagen auf öffentlichen Gebäuden hat die Stadt im Verbund mit den GSW realisiert. Hier erfolgt eine Volleinspeisung des erzeugten Stroms in das Netz. „Bei der aktuell geplanten Anlage ist jeweils ein Eigenverbrauch durch den Nutzer vor Ort vorgesehen“, erläutert Kruppa. Der größte Teil des Stroms werde wohl im Gebäude selbst verbraucht.

Neu ist seinen Worten nach auch das Kooperationsmodell. Nicht mehr die GSW träten nun offiziell als Anlagenbetreiber auf, sondern die Stadt selbst. „EnergieDach“ heiße das Programm.

Die öffentliche Hand generiert Pachteinnahmen, indem sie ihre Dächer für Fotovoltaik zur Verfügung stellt. Vor allem aber sieht sie in diesem Engagement einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz. Das wurde in der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Umwelt und Klima deutlich. Auch in Zukunft wolle man prüfen, inwieweit es möglich sei, Solaranlagen auf städtischen Dächern zu etablieren, hieß es.

Baubetriebshof langfristig ein Standort

Für eine Fotovoltaikanlage ins Auge gefasst wurde auch das Dach der Fahrzeughalle des Baubetriebshofs. Allerdings ist dieses reparaturbedürftig, daher scheidet es zumindest aktuell aus. „Die GSW sind fortlaufend mit den Städten Kamen und Bergkamen sowie mit der Gemeinde Bönen im Gespräch über weitere EnergieDach-Projekte und machen hierzu auch konkrete Vorschläge“, sagt Kruppa. Unabhängig vom Standort böten gerade Schulen, Kindergärten und Verwaltungsgebäude ein hohes Potenzial für EE-Anlagen.

Die Stromproduktion aus erneuerbarer Energie ist ein Baustein von vielen auf dem Weg zu mehr Klimaschutz. Im neu aufgelegten Energiebericht 2021 der Stadtverwaltung sind weitere Wege beschrieben. Das umfangreiche, 72-seitigen Werk befasst sich auch mit Heizenergie, klimaschonendem Bauen, mit dem Wasserverbrauch und Schadstoffemissionen.

Dem Papier nach geht der Energiebedarf in den kommunalen Liegenschaften seit 1995 deutlich zurück:

Durch den Verbrauch fossiler Energien seien im Gebäudebestand der Stadt im vergangenen Jahr CO2-Emissionen in Höhe von 4923 Tonnen entstanden, heißt es im Energiebericht. „Gegenüber dem Referenzjahr 1995 bedeutet das eine Reduzierung um 5867 Tonnen (54,37 Prozent).“ Verglichen mit dem Vorjahr hätten die Emissionen allerdings geringfügig zugenommen – um 86 Tonnen (1,74 Prozent).

Verbrauchskosten wären 1,6 Mio. Euro höher

Maßnahmen zur Energieeinsparung sind nicht immer billig, können sich mit Anstieg der Rohstoff-Preise aber auszahlen. „Die Kosten für Energie- und Wasserbeschaffung im Verbrauchsjahr 2020 wären, gegenüber dem Basisjahr, rund 1.613.000 Euro höher gewesen als tatsächlich abgerechnet“, heißt es in einer Vorlage zum Energiebericht. Und allgemein: „Es wird höchste Zeit, den Klimaschutz als gesellschaftliche und politische Jahrhundertaufgabe weiter voranzutreiben. Diese Aufgabe ist machbar, erfordert jedoch enorme Anstrengungen auf allen gesellschaftlichen Ebenen.“

Der Energiebericht liegt im Übrigen nicht in gedruckter, sondern nur in digitaler Form auf www.bergkamen.de vor. „Aus Gründen des Umweltschutzes und der Ressourcenschonung“, wie die Verwaltung wissen lässt.

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