Tückischer Zeitzünder 

Sprengung in Bergkamen: Das machte die Bombe so gefährlich

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Volker Lenz sprengte die Bombe mit seinem Team. 

In vier Metern Tiefe mitten auf einem Feld in Overberge schlummerte in den vergangenen Jahrzehnten eine explosive Gefahr. Jederzeit im Stande, eine Katastrophe zu verursachen. Dienstag wurde die 250-Kilo-Bombe kontrolliert gesprengt und die Gefahr gebannt. Der Bombentyp war gefährlich – und selten.

Bergkamen – „Eine normale Bombe mit Aufschlagzünder explodiert, wenn sie auf den Boden fällt“, erklärt Heiko Brüggenthies, Sachgebietsleiter des Bürgerbüros. Der Sprengkörper, der bis Dienstag auf einem Feld in der Nähe der Hüchstraße lag, sei das genaue Gegenstück gewesen. „Das war eine Bombe mit Langzeitzünder. Die explodiert nicht sofort, sondern erst nach drei bis 72 Stunden“, so Brüggenthies. 

Bombe explodiert, wenn Angriff längst vorbei ist

Denn: Im Inneren der Bombe gibt es eine Ampulle mit Aceton, einer Säure. Diese wird beim Aufprall der Bombe zerstört. Das Aceton zersetzt mehrere Plastikscheiben, die einen Schlagbolzen an seinem Platz halten. Sind die Scheiben vollständig zersetzt, wird der Bolzen freigegeben. Die Bombe detoniert. „Die Bombe explodiert erst, wenn der Angriff längst vorbei ist. Das ist das Heimtückische“, erklärt der 57-Jährige. 

Scheiben werden spröde

Dass die englische Bombe im Zweiten Weltkrieg keine Menschenleben gekostet hat, ist wohl einem Zufall zu verdanken. „Das Aceton muss sich beispielsweise durch einen Spalt verflüchtigt haben“, sagt Brüggenthies. Doch wer glaubt, dass die Bombe dadurch keine Gefahr mehr darstellt, der irrt. „Mit der Zeit werden die Plastikscheiben im Inneren spröde.“ Dann reiche schon eine leichte Erschütterung der Erde, beispielsweise wenn ein Lkw oder Bagger über den Bereich fahre, um die Scheiben zu zerstören. Die Folge: Die Bombe geht hoch. 

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Deshalb sei eine Entschärfung dieses Bombentyps nicht möglich. „Beim Entschärfen wird die Bombe Bewegungen ausgesetzt“, sagt Brüggenthies. Das Risiko, die Scheiben dabei zu zerstören, sei zu hoch.

"Mussten sofort handeln"

Auch deswegen musste am Dienstagabend alles schnell gehen, die Bombe umgehend gesprengt werden. „Eigentlich wollten wir am Mittwoch regulär entschärfen“, sagt Brüggenthies. Bei Messungen bemerkten die städtischen Mitarbeiter einen metallischen Körper. Anschließend baggerten sich die Experten an den Sprengkörper heran. „Als die Bombe frei lag, mussten wir sofort handeln“, erklärt der Sachgebietsleiter. Nur durchschnittlich vier solcher Bomben mit Zeitzünder werden laut Brüggenthies jährlich in NRW gefunden. 

Was dann in den Abendstunden passierte, folgte einem genauen Ablaufplan. 180 Haushalte wurden evakuiert, weiteres Personal musste bereitgestellt werden, eine Polizeistaffel kam zur Unterstützung und: „Wir mussten auf die Schnelle 28 Tonnen Sand herbekommen“, so Brüggenthies. Dieser diente dazu, den Schall und die Druckwelle möglichst gering zu halten. Der Sachgebietsleiter ist zufrieden: „Es ist alles super gelaufen.“ 

Sand hat Energie aufgenommen

Einziges Manko: Die erste Sprengung, die nicht funktionierte. Warum, konnte sich niemand erklären. Beim ersten Versuch war am Ort des Geschehens kaum etwas zu sehen. Erst der zweite Anlauf brachte den gewünschten Erfolg. Durch die Detonation wurde Staub und Sand aufgewirbelt. Für den Sprengmeister das Zeichen: Die Detonation war erfolgreich, die Bewohner können zurück in ihre Häuser. Außerhalb der Evakuierungszone hörten und sahen die Anwohner nichts. Kein lauter Knall, keine Rauchwolke. Stille. „Der Sand auf der Bombe hat nahezu die gesamte Energie aufgenommen“, sagt Brüggenthies.

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