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Mit Improvisationsgeist gegen das organisierte Chaos auf der Bambergstraße

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Von: Bernd Kröger

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Mit Improvisationsgeist haben Anliegerbetriebe an der Bambergstraße auf die unangekündigte Sperrung für die Baumaßnahme reagiert.
Mit Improvisationsgeist haben Anliegerbetriebe an der Bambergstraße auf die unangekündigte Sperrung für die Baumaßnahme reagiert. © Kröger

Die Sanierung der Bambergstraße Richtung Kamen bleibt eine Nervenprobe für alle Beteiligten. Nachdem Verkehrschaos an Tag eins der plötzlichen Sperrung versuchen die Anliegerbetriebe, Kunden Orientierung zu geben.

Bergkamen – Eine Klarsichthülle DIN A4, mit Tesafilm an den Sperrzaun geklebt. „Salzgrotte und Podologie Zufahrt frei“ hat jemand mit Filzstift auf das weiße Blatt darin geschrieben – und mit dem Textmarker in Pink versucht, den mäßigen Aufmerksamkeitsfaktor der improvisierten Beschilderung zu steigern. Im Autohaus Jehrke hat wer den Computer und Drucker angeworfen, um mit dem Firmenlogo und den Marken-Signets der Kundschaft zu signalisieren, dass der Betrieb an der Bambergstraße erreichbar ist – wenn man sich an Sperrbaken und Baufahrzeugen vorbeitraut.

Autohäuser büßen potenzielle Käufer ein

„Was soll ich machen, ich habe halt keinen A3-Drucker“, redet Jörg Günther mit einer Portion Galgenhumor über den Zettel, der eher einem Sehtest als einem Hinweisschild entspricht. Aber was tun? Am Dienstagmorgen war sie halt plötzlich da, die Baustelle vor der Tür. Von der wusste der Geschäftsführer des Autohauses, wie auch die Branchenkollegen von Heinen ein paar Meter weiter oder Erdbeerbauer Henter, dass die fortschreitende Sanierung der Bambergstraße, alias Kreisstraße Nr. 9, in Richtung Kamen den Betrieb ereilen würde. Nur eben nicht wann, und so war sie am Dienstagmorgen plötzlich da. Und mit ihr das Chaos auf der (theoretisch) gesperrten Straße, das sich auch am Mittwoch nicht legen will.

Auch das noch

Das leidgeprüfte Pendler-Heer bekommt’s ab heute noch dicker. Die B233 wird am Ortseingang Kamen bis Dienstag, 17. Mai, voll gesperrt. Auch Fußgänger und Radler werden umgeleitet, das erfordern Arbeiten an der Autobahnbrücke. Das Ganze auch vom 2. bis 6. Juni. Zudem ist die Töddinghauser Straße zu und die Weddinghofener ist immer noch Einbahnstraße ab der gesperrten Kreuzung Bamberg-/Nordfeldstraße.

Zwischen Absperrung und Baumaschinen

Bernd Gähde könnte ein Lied davon singen, wenn seine Stimme nicht schon kratzig wäre, vom lautstarken Anreden gegen Maschinenlärm beim Dirigieren des Verkehrs. Der Mitarbeiter der Baufirma Oevermann ist nach den Beschwerden am Vortag nun dafür abgestellt, an der letzten von mehreren Sperren (Durchfahrt verboten; Anlieger bis Baustelle frei) auf dem Weg von Kamen bis vor das tote Ende an der Kreuzung Nordfeldstraße den irritierten Pkw-Fahrern den Weg zu weisen – und darauf zu achten, dass sie nicht zwischen die Kolosse geraten.

Mit der Rücksicht ist‘s nicht weit her

Die Asphaltfräse frisst sich gerade durch die marode Fahrbahn, im Minutentakt rollen Sattelzüge an und ab, um den Abraum gleich aufzunehmen und fortzuschaffen. „Darf ich da durch?“, ist die nette Form der Orientierung, wenn der Mann vom Tiefbau Auskunft gibt. Dahinter hupt schon wer ohne Geduld und Rücksicht. Am Vortag haben sich noch ganz andere Szenen abgespielt: „Uns haben’se hier beinahe den Arsch abgefahren!“ Der Kreis als Bauherr appellierte auch sogleich, die Damen und Herren am Steuer möchten sich bitte an die Regeln halten. „Bei uns sind sie einfach über den Hof gebrettert“, schildert ein Heinen-Mitarbeiter.

Kunden bei Anfahrt verunsichert

„Wir bekommen laufend Anrufe von Kunden, die in der Baustelle stehen und nicht weiterwissen“, schildert Günther sein Problem. „Da ist zwar ,Anlieger frei’ ausgewiesen, aber man muss sich schon etwas trauen.“ Und: „Die Kommunikation darüber ist eine Katastrophe. Wir haben ja zu Montag über die Medien auf das Problem hingewiesen. Aber darauf hat keiner reagiert. Es kommt nichts, weder von der Stadt noch vom Kreis. Und von der Baufirma schon gar nicht.“

Kreis lehnt eigene Wegweiser ab

Die war im Zuge des Auftrags verpflichtet, die Anlieger zu informieren, wie der Kreis betont. Weiteres Entgegenkommen für die Firmen, etwa in Gestalt eines Wegweisers „Zufahrt frei Firma xy“, zeige man grundsätzlich nicht, sagte Sprecher Max Rolke. Sinngemäße Begründung: „Wenn wir das einmal anfangen ...“

Reife Erdbeeren ohne Abnehmer

Aufs Schildermalen wird sich auch Thies Henter noch verlegen müssen. Die Sonne, die beim Bautrupp den Schweiß treibt, macht genau jetzt die Erdbeeren reif auf 2,5 Hektar Selbstpflückerfeld. Als Blickfang stellt er für die sonst vorbeikommende Kundschaft ein historisches Feuerwehrauto als Verkaufsstand auf. Doch das fällt nun noch schlechter ins Auge als das improvisierte Schild zur Fußpflege. Wie läuft’s denn da? „Bescheiden“, sagt Mitarbeiterin Sylvia Lebrecht, „um es höflich auszudrücken“.

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