SuS Rünthe von Spendenbereitschaft überwältigt

Spenden in Containergröße: Doch wie kommen die Trikots aus Rünthe nach Afrika

Im Sommer hatten Dietmar Wurst, Toni Tuklan und Andrea Kollmann von der Stadt Bergkamen (von links) die Spendenaktion gestartet.
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Im Sommer hatten Dietmar Wurst, Toni Tuklan und Andrea Kollmann von der Stadt Bergkamen (von links) die Spendenaktion gestartet.

Corona macht zwar momentan die Trikot-Übergabe schwer bis unmöglich, doch die Spendenbereitschaft reißt nicht ab. Und deshalb führt der SuS Rünthe seine Aktion „Glücklich geht einfach – Sportartikel für Afrika“ gemeinsam mit dem Musiker Toni Tuklan einfach fort. Was ursprünglich bis zum Jahresende geplant war, stößt schließlich noch immer auf große Resonanz.

Rünthe – Rund 10 000 Trikots sind mittlerweile zusammengekommen, dazu Hosen, Bälle, Schuhe, T-Shirts, Trainingsanzüge und andere Sportartikel. Die genauen Zahlen kennt Dietmar Wurst nicht, dazu sind es schlicht zu viele. In dieser Woche habe sich der FC Schalke 04 gemeldet und seine Unterstützung zugesagt, davor ein Verein von der Ostsee, berichtet der Vereinsvorsitzende. „Und hätte die Stadt Bergkamen uns nicht sofort Lagermöglichkeiten angeboten, dann müsste ich auf der Straße leben“, beschreibt der Initiator die Flut an Spenden.

Aus Rostock, Hannover und Bremen, aus Ostdeutschland und vom Niederrhein sind Sachen in Rünthe angekommen, aber auch direkt aus der Nachbarschaft, von Einzelpersonen und Vereinen oder zum Beispiel vom Kreis Unna-Hamm des Fußball- und Leichtathletikverbandes Westfalen (FLVW). Manchmal mehrere Bullys voll, wie beim Förderverein Bundesdeutscher Hilfsdienste, der sein Lager ausgeräumt hat. Die Aktion zieht deutschlandweit ihre Kreise, viele Medien haben berichtet. Einmal stand der SuS Rünthe sogar direkt unter dem Spielbericht der Nationalmannschaft. „Was dieses Projekt auch so schön und toll macht, auch für uns Initiatoren, ist diese breite Unterstützung und Hilfsbereitschaft“, sagt Wurst. Er erzählt von einem früheren Marinesoldat, der bei Landgängen in Afrika immer gegen die Einheimischen Fußball gespielt hatte und nun die Shirts seines Bowling-Klubs beisteuerte.

Aus einem Trikotkoffer wird eine Schiffscontainer-Ladung

Die riesige Resonanz hat längst andere Herausforderung mit sich gebracht, als zu Beginn im August abzusehen war. Ursprünglich sollte Tuklan die Spenden – Wurst hatte im kleinsten Fall an ein paar Trikotsätzen des SuS gedacht – in einem Koffer bei einem Besuch in seinem Heimatland Nigeria mitnehmen. Längst ist die Menge jedoch auf Containergröße angestiegen. „Wir sind nun dabei, den Transport nach Nigeria zu organisieren“, sagt Wurst. Corona mache das alles nicht einfacher.

Nicht nur Trikots, sondern auch Fußbälle, Hosen, Schuhe und allerhand andere Sportartikel erhielt der SuS nach seinem Spendenaufruf.

Anfang, Mitte März ist als Starttermin momentan anvisiert, wenn die Pandemie es zulässt. Nur zu gerne würden die beiden bei der Übergabe dabei sein, „um Kindern und Erwachsenen in Afrika ein Funkeln in die Augen zaubern“, so Wurst.

Das war der Ausgangspunkt der Aktion: Alte, ausgediente Trikots, die in den Lagerräumen der Vereine verstauben, sollten den Fußballern in ärmeren Ländern Freude bereiten, dort für einheitlich angezogene Teams sorgen. „Mittlerweile ist es bei der Menge doch sehr zeitintensiv geworden. Ich hoffe, ich kann dann auch dabei sein, wenn die Sachen ihr Ziel erreichen“, sagt Wurst.

Zoll, Vorschriften und mehr: Spendenaktion erfordert viel Knowhow

Derzeit stellt sich die Frage, wie die Berge an Sportzeug nach Afrika kommen. „Da ich Vorsitzender eines Fußballvereins bin, Toni hauptberuflich Musiker ist, sind wir beide nicht die Logistik-Experten. Mit Verzollung, Vorschriften, Agenten, Beladung und Verschiffung kommen immer wieder neue Sachen auf uns zu, mit denen wir uns nun gerne beschäftigen“, spricht Wurst über seine derzeitigen Aufgaben. „Ein Urlaubsbekannter ist Speditionsleiter, er hilft bei der einen oder anderen Sache und macht uns schon besonders günstige Konditionen, auch später bei der Verschiffung.“

Inzwischen stapeln sich die Kisten mit Trikotsätzen im Lager. Für den Transport nach Afrika muss ein Container organisiert werden.

Trotzdem kostet so ein Transport viel Geld. Mit an die 5000 Euro rechnet Wurst derzeit, die müssen irgendwie aufgebracht werden: „Wir gucken gerade, wie wir das hinkriegen. Jeder kann uns gerne mit ein, zwei, drei Euro unterstützen.“ Immerhin 650 Euro sind schon zusammengekommen. „Einige von unseren gesammelten Sachen werden wir an den Verein ‘Dein Ball für Namibia’ geben, der sich dort um eine Fußballausbildung kümmert.“

Trikots sollen bei Turnieren übergeben werden

Etwa vier bis fünf Wochen dauert die Passage inklusive Zoll nach Lagos, der größten Stadt in Nigeria. „Toni plant auch schon die Verteilung. Er hat schon Kontakte mit der Regierung, den Sportverbänden, Vereinen und Schulen geknüpft“, sagt Wurst. Geplant sei die Übergabe bei mehreren Turnieren und Sportveranstaltungen in verschiedenen Orten, immer im Hinterkopf, was Corona zulässt. Schon jetzt spricht Wurst davon, dass er und der SuS weitermachen wollen: „Es gibt sicherlich eine Anschlussaktion.“ Doch bis der Container aufs Schiff geladen wird, läuft die Sammlung weiter. „Wir nehmen nach wie vor Trikots an, wenn es sich nicht um riesige Mengen handelt“, sagt er.

Der SuS Rünthe hat für die Aktion „Glücklich geht einfach – Sportartikel für Afrika“, die der Verein gemeinsam mit dem Musiker Toni Tuklan betreibt, ein Spendenkonto eingerichtet. Wer den Transport der Trikots finanziell unterstützen möchte, kann dies unter SuS Rünthe 08 e.V., Iban: DE54 4105 1845 0004 0125 71 mit dem Verwendungszweck „Glücklich geht einfach“ tun. Dietmar Wurst ist bei Fragen per E-Mail an dietmar.wurst@sus08.de oder telefonisch unter der Nummer 0177/5860081 zu erreichen.

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