Prämienverträge aufgelöst

Sparkasse kündigt Sparern: 529 Kunden in Bergkamen und Bönen betroffen

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Bergkamen/Bönen – 529 Kunden der Sparkasse Bergkamen/Bönen erhielten Ende Juli mit der Frist von drei Monaten die Kündigung ihres „S-Prämiensparen flexibel“-Vertrags. Damit schließt sich die heimische Bank einer bundesweiten Kündigungswelle an.

Grund für die Kündigungswelle ist die schwierige Zinslage – möglich wurde es durch ein Urteil des Bundesgerichtshof im Mai.

Jährlich Geld auf ein Konto einzahlen und dafür ab dem ersten Jahr drei Prozent Zinsen erhalten, bereits dieses Modell von Sparverträgen liegt in der Vergangenheit. Bei den Verträge des „S-Prämiensparen flexibel“ gab es auf das Geld, was die Kunden jährlich sparten, am Ende 50 Prozent.

Verlustgeschäft hochverzinste Verträge

Zinsen, von denen heutige Sparer nur noch träumen können. Auch weil es die wirtschaftliche Lage es nicht mehr zulasse, sagte Tobias Laaß, Vorstand der Sparkasse Bergkamen/Bönen. Der Niedrigszins bedeute, dass die Sparkasse Geld an die Bundesbank, zahlt, weil sie das Geld ihrer Kunden verwahrt – eben das Gesparte.

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Abgeschlossene Verträge zwischen 1994 und 2005 betroffen

Betroffen von den Kündigungen sind Kunden, die zwischen 1994 und 2005 ihre Verträge abschlossen. Denn: Mit dem BGH-Urteil ist es erlaubt auf Sparverträge, die bereits die höchste Prämienstufe erreicht haben – also hier 50 Prozent – aus sachgerechtem Grund zu kündigen, erklärt Tobias Laaß. „Die niedrigen Zinsen sind für die Kreditnehmer toll, nicht aber für die Sparer“, sagt Laaß.

Seit Jahren würde die Sparkasse über diese hoch verzinsten Sparverträge nachdenken, sagte er. Jetzt hat man eine Entscheidung getroffen: „Wir sind gezwungen, die Verträge zu kündigen.“ Die Auswirkung der 529 Verträge auf die Gesamtfinanzen und damit alle Kunden sei so groß, dass man in Kauf nehmen müsse, langjährige Kunden zu verärgern.

Diese reagieren zum Teil bereits mit anderen Schritten: Elvira Roth, Leiterin der Beratungsstelle Kamen der Verbraucherzentrale, sagt, dass sich mehrere Betroffene bereits bei ihr gemeldet haben, weitere wandten sich an die Beratungsstelle in Lünen. Die Leiterin der Beratungsstelle in Kamen empfiehlt den Betroffenen, schnellstmöglich Widerspruch gegen die Kündigung einzulegen. Einen Musterbrief dafür gibt es auf der Homepage der Verbraucherzentrale NRW. Ist der Widerspruch eingereicht, versuchen die Mitarbeiter der Sparkasse sich mit den Betroffenen zu einigen. Wenn dies scheitert, schalten sich Schlichtungsstellen ein, sagte Laaß.

Der Sparkassen-Vorstand betonte, dass bereits mit vielen Kunden individuelle Lösungen gefunden wurden. „Wir können etwas besonderes anbieten“, sagte Laaß. Die wirtschaftliche Lage stellt die Sparkasse vor Herausforderungen, nicht nur in der Gegenwart, sondern auch in den kommenden Jahren. „Es wird herausfordernd, aber wir bekommen das hin“, ist sich Laaß sicher.

Zukunftsvision der Sparkasse

Das Kerngeschäft der Sparkasse ist die Baufinanzierung, sagte Laaß. Gerade die Wasserstadt Aden lässt den Sparkassen-Vorstand optimistisch in die Zukunft blicken. Auch die steigende Digitalisierung biete große Chancen. Betriebsbedingte Kündigungen schloss Laaß aus. Auch eine Fusion: Bergkamen/Bönen bleibe eigenständig.

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