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Spar-Appelle tragen erste Früchte: Gas-Verbrauch geht deutlich zurück

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Von: Jürgen Menke

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Durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 fließt derzeit deutlich weniger Gas von Russland nach Deutschland als zuvor.
Durch die Ostseepipeline Nord Stream 1 fließt derzeit deutlich weniger Gas von Russland nach Deutschland als zuvor. © dpa / Stefan Sauer

Die Energiespar-Appelle der Bundesregierung scheinen im Versorgungsgebiet der GSW zu fruchten. Der Verbrauch jedenfalls geht im Vergleich zum Vorjahr zurück, wobei auch höhere Temperaturen einen Anteil daran haben dürften. Die schlechte Nachricht: Der Preis für Erdgas könnte erneut steigen.

Bergkamen/Bönen/Kamen – Mitte Mai hatten die GSW eine Erhöhung des Erdgaspreises zum 1. Juli angekündigt. Damals zeigte sich der heimische Energieversorger noch zuversichtlich, ohne weitere Steigerungen durchs Jahr zu kommen. Dieser Optimismus ist angesichts der stark gedrosselten Gaslieferungen aus Russland nun verflogen. Der Gasverbrauch im Versorgungsgebiet nimmt unterdessen ab.

Höhere Warnstufe?

„Nicht auszuschließen“ sei eine weitere Preisanpassung innerhalb dieses Jahres, teilen die Gemeinschaftsstadtwerke Kamen, Bönen, Bergkamen auf Anfrage mit. Der Grund: Mittlerweile werde diskutiert, die Gas-Warnstufe von 1 auf 2 zu erhöhen.

Die Kosten und der Kunde

„Sollte es hierzulande zu einer Gasmangellage oder zur Gas-Notfallstufe kommen, dürfte unser Gaslieferant – anders als lange im Vorfeld und vertraglich vereinbart – neue, erhöhte Preise für Erdgas auflegen“, erläutert Unternehmenssprecherin Andrea Wellerdiek. Die dadurch steigenden Beschaffungskosten müsse man dann auch an die Kundinnen und Kunden weitergeben.

Langfristige Einkaufspolitik

Bis dato profitieren die GSW und damit die Endverbraucher noch von einer vorausschauenden und langfristigen Einkaufspolitik des Unternehmens. Die Erhöhung zum 1. Juli von 17,2 Prozent (Beispiel Fix-Tarif, Jahresverbrauch von 15.000 Kilowattstunden) fiel daher auch vergleichsweise moderat aus, wenngleich es schon zum Jahreswechsel ein Plus in einer ähnlichen Größenordnung gegeben hatte.

Deutliche Anzeichen

Um die Energiekosten im Griff zu halten, bleibt den hiesigen Haushalten wohl nichts anderes übrig, als ihren Gasverbrauch zu senken. Ob sie den gleichlautenden Appellen von Wirtschaftsminister Robert Habeck Folge leisten, lässt sich allerdings nicht so ohne Weiteres beantworten. Doch es gibt deutliche Anzeichen dafür.

Großer Rückgang im Mai

So lag die Gas-Absatzmenge der GSW in den ersten vier Monaten des Jahres jeweils zwischen etwa 8 und 20 Prozentpunkten unter der des Vorjahres. Zuletzt, im Mai, wurde nur knapp 58 Prozent der Vorjahresmenge abgegeben. Allerdings hänge der Rückgang sicher auch mit den höheren Monatsdurchschnittstemperaturen zusammen, erläutert Wellerdiek. Sie lagen zwischen etwa einem Grad (März) und 3,5 Grad (Mai) höher als 2021.

Viele Nachfragen

Laut GSW sorgt die angespannte Lage auf dem Energiemarkt und die „unumgängliche Tarifanpassung bei Erdgas“ für zahlreiche Anfragen von Kunden. Sie informierten sich vor allem über langfristige Alternativen zum Erdgas. „Viele Anfragen gibt es dabei rund um die Umstellung einer Gasheizung auf die Versorgung mit Wärmepumpe“, heißt es. In Einzelfällen habe es auch Fragen rund um Koksheizungen oder Ölradiatoren gegeben. Gas sei aber weiterhin der günstigste Energieträger.

Kluge Tipps

Um Energie zu sparen, sollte man laut GSW überprüfen, ob die Heizung auf Sommerbetrieb gestellt ist. „Zudem können Hausbesitzer die Heizung von einer Fachfirma warten lassen oder die Dämmung des Hauses überprüfen lassen“, heißt es. Die Heizung generell ein bis zwei Grad runterzuschalten, sei auch eine Möglichkeit. Welche Temperatur sich eigne, sei Sache des individuellen Empfindens. Wer kürzer unter der heißen Dusche stehe, spare ebenso Energie ein.

Selbst ist das Unternehmen

Auch beim Versorger selbst steht das Energiesparen hoch im Kurs. Auf Nachfrage heißt es: „Unsere Verwaltungs- und Betriebsgebäude sind mit energiesparender LED-Beleuchtung ausgestattet. Unsere neuen Bäder werden mit höchstem energetischen Standard gebaut – beispielsweise wird das Häupenbad in Bergkamen mit einer Fotovoltaikanlage ausgestattet. Viele unserer Dienst-Fahrzeuge werden elektrisch betrieben.“ An derzeit drei öffentlichen Standorten im Versorgungsgebiet könnten Bürgerinnen und Bürger umweltfreundlichen Ökostrom für ihr E-Auto beziehen.

„Technik funktioniert“

Allen Turbulenzen zum Trotz: Die Versorgungssicherheit sei im Gebiet der GSW gegeben, äußert sich Unternehmenssprecherin Wellerdiek. „Es gibt derzeit keine anderen Hinweise.“ Technische Auswirkungen aufgrund der gedrosselten Gasflüsse seien nicht spürbar.

Private zuerst

Überdies seien die privaten Haushalte von Gesetzes wegen geschützt, hätten bei äußerster Gas-Knappheit Vorrang etwa vor den Gewerbe- und Industriekunden. In diesem Fall müsste aber bereits die Stufe drei (Notfallstufe) des Notfallplans Gas ausgerufen sein. Dann greift der Staat in das Marktgeschehen ein. Die Bundesnetzagentur würde als „Bundeslastverteiler“ auftreten, die vorhandenen Gasmengen würden in Abstimmung mit den Netzbetreibern an manchen Stellen reduziert.

22.000 Gaszähler

Derzeit gilt Stufe 1 (Frühwarnstufe) des Notfallplans. Bei der zweiten Stufe (Alarmstufe) würden sich die Marktakteure um eine Beherrschung der Lage kümmern, erläutert Wellerdiek. Im Verbreitungsgebiet der GSW gibt es rund 22.000 Gaszähler. Die Zahl der Großkunden (Firmen etc.) beziffern die GSW mit rund 30.

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