Bayer und Lanxess betroffen

Brexit-Folgen: So wappnen sich Unternehmen in Bergkamen 

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Welche Folgen hat der Brexit für Bergkamener Firmen? Das Bayer-Werk wäre zumindest indirekt betroffen.

Insbesondere ein harter Brexit würde wohl nicht spurlos an den ortsansässigen Firmen vorbeigehen. Deshalb laufen die Vorbereitungen schon auf Hochtouren.

Bergkamen – Das Vereinigte Königreich (UK) ist eines der wichtigsten Handelspartner für die Wirtschaft in NRW. Insgesamt beträgt das Handelsvolumen mehr als 22 Milliarden Euro. Dass auch Betriebe vor Ort in Bergkamen von einem „harten“ Brexit betroffen wären, liegt auf der Hand.

Eine dieser Firmen ist Bayer, der größte Arbeitgeber der Stadt. Als Pharmakonzern muss das Unternehmen mit Konsequenzen rechnen, denn die Branche scheint stärker betroffen zu sein als andere. In der EU gibt es derzeit einheitliche Zulassungsverfahren. Wenn Großbritannien ungeordnet aus der EU austritt, sind diese Verfahren im Grenzgebiet zum Vereinigten Königreich hinfällig. Viele Pharma- und Chemieprodukte bräuchten dann erst einmal eine neue Zulassung.

Zur Rüstung gehören zahlreiche Maßnahmen

Um den drohenden negativen Folgen entgegenzuwirken, bereitet sich die Bayer AG bereits vor. „So sollen die größten identifizierten Risiken begrenzt werden – wie zum Beispiel Verzögerungen an den Grenzen aufgrund von Zollformalitäten“, greift Media-Relations-Leiter Christian Hartel genau diesen Punkt auf und sagt weiter: „Wir sind auf alle Szenarien vorbereitet, was eine Reihe von umfassenden Maßnahmen beinhaltet. Dazu gehören zusätzliche Lagerkapazitäten in Großbritannien, um die Versorgung unserer Kunden mit Medikamenten sicherzustellen“. 

Der Dax-Konzern hat aus diesem Grund schon vor Monaten Lagerflächen in Großbritannien aufgebaut. Auch die Versorgung des EU-Mitglieds Irland soll so gesichert werden. In Bergkamen ist Bayer jedoch für die Wirkstoffproduktion und nicht für den Außenhandel zuständig. „Wir liefen nur die Wirkstoffe, als Produktionsstandort sind wir daher vom Brexit eher weniger direkt betroffen“, erklärt Pressesprecher Michael Pape.

Chemiekonzern beim Import betroffen

Thematisch nicht weit entfernt von Bayer ist Lanxess. Am Standort Bergkamen kümmert sich der Chemiekonzern in erster Linie um das Geschäft von metallorganischen Verbindungen. Auch hier machen die Verantwortlichen keinen Hehl daraus, dass der Brexit nicht ganz spurlos am Unternehmen vorbeigehen würde. „Es geht in erster Linie um den Import und nicht um den Export. Denn wir haben fünf verschiedene Produktionsstandorte in Großbritannien, die alle auf Rohstoffe zurückgreifen“, betont Mark Mätschke, Leiter Standort- und Fachpresse.

"Wir müssen sicherstellen, dass die Lieferketten weiterhin funktionieren“, beschreibt er die notwendigen Manöver mit einem Fingerzeig, dass die Auswirkungen auf jeden der fünf Produktionsstandorte unterschiedlich sein würden. Deshalb vermochte Mätschke keine Einzelheiten zu verraten. „Da müssen wir erst einmal detailliertere Analysen abwarten. Wir sind aktuell noch in der Findungsphase.“

Folgen für kleinere Unternehmen geringer

Bei anderen Unternehmen, insbesondere denen, die ihren Hauptsitz in Bergkamen haben, sind die Auswirkungen geringer. Bestes Beispiel ist die Etos Gmbh. Der Anbieter von Warenwirtschaftssystemen hatte zwar vor wenigen Jahren englische Händler als Kunden, wie Geschäftsführer Rolf Oppitz erläutert. Allerdings sei der Software-Vertreiber inzwischen hauptsächlich in der D-A-CH-Region unterwegs. „Deshalb können wir dem Brexit etwas entspannter entgegensehen“, sagt Oppitz.

Der Stahl-, Maschinen- und Anlagenbauer Knepper kann dagegen größere Konsequenzen zumindest nicht ausschließen. „Wir selbst exportieren zwar nicht, aber wir haben Kunden, die das global tun“, beschreibt Geschäftsführer Christoph Knepper seine Geschäftsbeziehungen. „Es gab mal einen solchen Fall mit Russland. Als es dort beim Export für unsere Kunden zu erheblichen Einschränkungen kam, haben wir das schon deutlich gemerkt“. Was im Falle eines Brexits passieren würde, kann Knepper zum jetzigen Zeitpunkt jedoch noch nicht beziffern.

Ebenfalls nicht direkt betroffen ist zudem die Herbert Heldt KG aus dem Logistikpark an der A2. Es gebe zwar hin und wieder britische Lieferanten, aber es bestehe kein Abhängigkeitsverhältnis. „Unsere Kunden- und Lieferstruktur ist regional ansässig. Daher hat der Brexit für uns keine Auswirkungen“, lässt Stefan Wulf aus dem Marketing des Gebäudetechnik-Großhändlers verlauten.

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