Schulstart der Viertklässler: Jeder sitzt für sich allein

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Weniger Tische und Stühle als sonst sind im Klassenraum der 4a aufgebaut. Doch dafür haben Heike Prochnow, die Schulleiterin der Ketteler-Schule, und ihr Team genug Abstand geschaffen

Bergkamen – Nach den Großen sollen nun auch die Größten der Kleinen wieder in die Schule zurückkehren. Die Grundschulen haben sich auf den Start für die Viertklässler vorbereitet. So auch in Bergkamen.

Lange war unklar, wann dieser erfolgen würde. Statt dem zunächst anvisierten 4. Mai, also dem kommenden Montag, wird es nun der Donnerstag, 7. Mai, werden. Das NRW-Schulministerium begründet diesen Aufschub damit, dass den kommunalen Trägern und den Kollegien vor Ort eine ausreichende Vorbereitungszeit gegeben werden soll.

Ministerium sorgt für Verwirrung

Die befinden sich allerdings längst in den Startblöcken, Planung und Umsetzung sind weit vorangeschritten, teilweise schon fertig. Dementsprechend stiftete die Landesbehörde eher Verwirrung, als sie am Donnerstag mitteilte, dass die weiteren Klassen bereits am 11. Mai in einem tageweisen Rollsystem der Jahrgänge folgen sollen, und dies noch am gleichen Tag wieder unter Vorbehalt stellte, weil zunächst die Beratungen zwischen den Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin am 6. Mai abgewartet werden sollen. Die Grundschulen stehen also derzeit ein bisschen zwischen den Stühlen.

Der Plan an der Ketteler-Schule steht

Schon in der abgelaufenen Woche warteten die Verantwortlichen eigentlich nur noch auf grünes Licht von der Regierung. So wie die Freiherr-von-Ketteler-Schule in Rünthe. Dort waren die Maßnahmen zur Hygiene und zur Abstandseinhaltung schon am Donnerstag weit fortgeschritten, damit die 48 Kinder der vierten Klasse, zurückkommen können. Das vom Kollegium in Absprache mit dem kommunalen Träger entwickelte Konzept steht. „Was den Plan angeht, bin ich guter Dinge“, sagt Rektorin Heike Prochnow.

Alles mit Abstand

Auf dem Pausenhof sind bunte Markierungen aufgemalt – natürlich im richtigen Abstand –, Buchstaben und Zahlen leuchten in gelb und pink. Die Schüler sollen morgens den Eingang an der Schachtstraße nehmen, wo sie einzeln in Empfang genommen werden und von den Lehrern eine Nummer zugewiesen bekommen. Anhand dieser Zahl, die gleichbedeutend mit dem Sitzplatz im Unterrichtsraum ist, stellen sich die Kinder auf dem Pausenhof auf. In den Klassenzimmern sind alle Stühle und Bänke so aufgebaut, dass jeder für sich allein sitzt. Maximal elf Jungen und Mädchen würden unter den gegebenen Regeln in einen Raum passen, weshalb sich die Ketteler-Schule für sechs Gruppen, nach pädagogischen Kriterien zusammengestellt, entschieden hat. Prochnow wird die Eltern noch über alle Regelungen ausführlich informieren.

Bunte Hinweise: Auf dem Schulhof werden die Kinder Gruppen zugeordnet.

Schulbeginn zu verschiedenen Zeiten

Zwei verschiedene Anfangszeiten wird es geben. Drei Gruppe kommen von 7.45 bis 10 Uhr, die andere starten um 11 Uhr. Drei Unterrichtsstunden soll es an den ersten Tagen geben. Darüber hinaus weitere Aufgabe für zuhause, wie es die Kinder schon gewohnt sind. Eine große Pause findet Prochnow aufgrund der Abstandsregelungen schwierig zu organisieren, weswegen darauf vorerst verzichtet wird. Kleinere Unterbrechungen sollen den Schülern aber die Möglichkeit geben, durchzuatmen.

Viele Gespräche

Der Unterricht in den zunächst bevorzugten Fächern Deutsch, Mathematik, Englisch und Sachunterricht, wird sich nach Meinung der Rektorin erheblich verändern. Frontaler Unterricht mit Einzelbänken statt Gruppenarbeit an Gemeinschaftstischen ist nur ein Punkt. Viele Gespräche mit den Jungen und Mädchen über die aktuelle Situation sollen geführt werden, zumal „die Kinder ganz lange nicht in der Schule gewesen sind“, so Prochnow. Die Ketteler-Schule will ihren Schülern einen sanften Einstieg bereiten.

Maske freiwillig

Die Hygieneregeln werden ebenfalls eine große Rolle spielen. „Wir werden das Händewaschen noch mal genau erklären“, sagt Prochnow. Die Abstände in den Klassenräumen erlauben das Tragen des Mund- und Nasenschutzes auf freiwillige Basis zu stellen, glaubt Prochnow. Die Maske soll aber aufgesetzt werden, wenn sich zwei Personen nahe kommen müssen. „Die Eltern werden gebeten, jedem Kind einen Mundschutz mitzugeben“, sagt die Rektorin. Handdesinfektionsmittel stehen bereit.

"Das Leben hat gefehlt"

Viel Arbeit haben Prochnow und ihre Kolleginnen, die in den vergangenen Wochen an vielen Tage im Gebäude waren, in die Vorbereitung gesteckt. Jetzt steigt die Vorfreude. „Schule ohne Schüler ist nicht schön, das ist nicht so wie wir Schule lieben. Das Leben hat gefehlt“, sagt die Rektorin. „Ich mache mir aber schon Gedanken und Sorgen“, spricht sie auch von zwiespältigen Gefühlen, Sie hofft, dass alle gesund bleiben. Aus dem Kollegium zählen vier Lehrkräfte zur Risikogruppe, bleiben daher zuhause.

Von den Schulen ist Flexibilität gefragt

Wie die Ketteler-Schule mit dem angekündigten Rollsystem umgehen wird, wenn dann alle 224 Kinder an verschiedenen Tagen kommen könnten, soll in der kommenden Woche erarbeitet werden. „Das ist alles neu. Wir haben keinerlei Erfahrungen damit. Aber wir werden uns flexibel darauf einstellen“, werden sich Prochnow und ihr Kollegium auch dieser Aufgabe stellen.

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