Sohn sagt im Prozess aus

Sexueller Missbrauch an Stieftöchtern: Sind die Vorwürfe nur ein Racheakt?

+

Bergkamen/Bönen – Bei der Aufarbeitung von massiven Vorwürfen des sexuellen Kindesmissbrauchs sind die Prozessbeteiligten am Dortmunder Landgericht nicht zu beneiden. Die Befragung von mutmaßlichen Opfern und weiteren Zeugen offenbart Abgründe einer völlig zerrütteten Familie mit diversen Kindern und Beziehungen untereinander.

Die Feindschaft zwischen einzelnen Verwandten scheint bis zu Falschaussagen vor Gericht zu führen, der Angeklagte selbst sieht sich als Opfer einer Intrige seiner Ex-Ehefrau. 

Der gemeinsame 24-jährige Sohn scheint diese Einschätzung zu teilen: „Meine Mutter ist eine rachsüchtige Person“, erklärte der eigens aus Österreich angereiste Zeuge am gestrigen Verhandlungstag. 

Er könne es sich durchaus vorstellen, dass seine Mutter, mit der er keinen Kontakt mehr habe und wolle, ihren Ex-Mann beschuldige, die beiden Stieftöchter ab 1997 missbraucht zu haben. Er könne es sich durchaus vorstellen, dass sie sich habe rächen wollen für eine Strafanzeige des Bergkameners. 

Dieser hatte sich und seine Ex-Frau wegen einer Diebstahlsserie angezeigt. Es kam zu einem Prozess mit Verurteilung der beiden mittlerweile längst geschiedenen Eheleute. 

Aussagen der mutmaßlichen Opfer sehr detailliert

Der Vorsitzende Richter Ulf Pennig zeigte sich skeptisch und verwies auf die ausgesprochen komplexen und detaillierten Zeugenaussagen der beiden mutmaßlichen Missbrauchsopfer. Die beiden jungen Frauen hatten unter Tränen die sich über Jahre steigernde sexuelle Übergriffe durch den Stiefvater in den damaligen Familienwohnungen in Bergkamen, Bönen und Dortmund geschildert. 

So soll eine zur Tatzeit erst neun Jahre alte Stieftochter im Verlaufe von mehreren Jahren immer wieder sexuell attackiert und ab dem zwölften Lebensjahr wiederholt unter Drohungen zu Analverkehr gezwungen worden sein. 

Angeklagter schweigt weiter

Um die komplexen Vorwürfe und die völlig konträren Behauptungen zweifelsfrei aufklären zu können, hat das Gericht bereits weitere Verhandlungstage terminiert. Der Angeklagte selbst schweigt seit Beginn des Verfahrens im März zu den Vorwürfen der Staatsanwaltschaft.

Lesen Sie auch: 

Mindestens 50 sexuelle Übergriffe auf die Stieftöchter: Opfer müssen vernommen werden

"Gegenwehr war sinnlos:" Stiefvater soll Kinder jahrelang sexuell missbraucht haben

Mann soll Stieftöchter vergewaltigt haben: Frauen sind schwer traumatisiert

Sexueller Missbrauch an Stieftöchtern: Verteidiger zweifelt Glaubwürdigkeit der Opfer an

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare