Vorfälle in Bergkamen

Sexuelle Belästigung durch Arzt: Sprechstundenhilfe hat für ihren Chef gelogen

Ein 62-Jähriger hat auf der Kinderstation des Kreisklinikums eine 16-Jährige sexuell belästigt. Vor Gericht hat er nun Berufung eingelegt.
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Ein Arzt soll mehrere Sprechstundenhilfen sexuell belästigt haben (Symbolbild).

Eine 24-jährige ehemalige Sprechstundenhilfe eines Bergkamener Arztes hatte ihren Chef vor dem Vorwurf der sexuellen Belästigung in Schutz genommen. Das brachte ihr jetzt einen Prozess wegen Falschaussage ein.

Bergkamen – Im August vergangenen Jahres saß ein in Bergkamen ansässiger Arzt auf der Anklagebank des Amtsgerichts Kamen. Der Richter verurteilte ihn wegen sexueller Belästigung mehrerer Sprechstundenhilfen zu acht Monaten Haft auf Bewährung.

Als Auflage sollte der Mediziner jeweils 3000 Euro an die beiden Geschädigten und 2000 weitere Euro an die Staatskasse zahlen. Doch das Urteil erlangte keine Rechtskraft – der Angeklagte legte Berufung ein. Die Entscheidung steht noch aus. Nun wurde eine Sprechstundenhilfe des Arztes wegen einer Falschaussage verurteilt.

Im August hatte es der Vorsitzende als erwiesen angesehen, dass der Mediziner von 2015 bis 2018 sowie von 2018 bis Anfang 2019 zwei Auszubildende über der Kleidung am Gesäß, an der Brust und auch im Schritt berührt hatte. Zudem hatte er ihnen Küsse auf Wange und Hals gegeben.

Falsch verstandene Loyalität zum Arbeitgeber

Die früheren Fälle gab der Angeklagte damals zu. Er erklärte, die Sprechstundenhilfen hätten eine „sexuelle Atmosphäre“ in der Arztpraxis geschaffen. Während der damaligen Verhandlung beschrieben zwei Geschädigte ausführlich, was der Mediziner getan hatte. Und auch die Folgen dieser sexuellen Belästigung kamen zur Sprache. So erklärte eine der Betroffenen, dass das Ganze negative Auswirkungen auf die Beziehung zu ihrem Freund gehabt habe.

Eine dritte Arzthelferin gab im Zeugenstand hingegen an, nicht von ihrem Chef belästigt worden zu sein. Ein Video – aufgenommen von einer der beiden anderen Sprechstundenhilfen –, das eindeutig zeigte, dass der Mediziner ihr die Hand unter das Shirt geschoben hatte, widerlegte ihre Aussage allerdings.

Nun fand sich diese Arzthelferin selbst auf der Anklagebank des Amtsgerichts Kamen wieder. Falschaussage lautete der Vorwurf der Staatsanwaltschaft. Die 24-Jährige gab zu, damals gelogen zu haben. Auch sie sei belästigt worden. Es sei falsch verstandene Loyalität zu ihrem Arbeitgeber gewesen.

Kein Zwang zur Falschaussage

Ihr ehemaliger Chef habe sie damals vor dem Prozess mehrfach darüber ausgefragt, was sie denn sagen würde. Zu einer Falschaussage habe er sie allerdings nicht gezwungen, ließ die 24-Jährige wissen.

Für den Richter stand am Ende des Verhandlungstermins fest, dass sich die Angeklagte wegen einer Falschaussage schuldig gemacht hatte. Er verwarnte sie und erließ eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu je 35 Euro unter Vorbehalt, also auf Bewährung. Lässt sich die Frau innerhalb von zwei Jahren nach Rechtskraft der Entscheidung nichts mehr zuschulden kommen, muss sie die insgesamt 3150 Euro nicht zahlen.

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