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Sex auf der Firmen-Toilette als Vergewaltigung angezeigt, aber am Ende fehlen die Beweise

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Von: Sylvia Mönnig

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Symbolbild
Symbolbild © Martin Gerten

War da wirklich Gewalt im Spiel oder nur gewaltige Lust? Mit Sex auf einer Firmentoilette in Bergkamen musste sich das Schöffengericht Unna befassen:

Bergkamen/Unna – Sexuelle Belästigung bis hin zur Vergewaltigung – immer wieder sollte ein 40-Jähriger seiner Arbeitskollegin in Bergkamen Übles angetan haben. Vor dem Unnaer Schöffengericht beteuerte er nun seine Unschuld. Am Ende mit Erfolg.

Kollegin hat Kollegen angezeigt

Im Frühherbst 2020 erstattete die Frau Strafanzeige gegen ihren damaligen Kollegen, mit dem sie in Bergkamen arbeitete. Sie warf dem 40-Jährigen vor, innerhalb von drei Tagen im September 2020 während des Dienstes mehrfach übergriffig geworden zu sein, sie intim berührt, sich ihr auf sehr eindeutige Weise genähert und sie zum Schluss brutal zum Geschlechtsverkehr gezwungen zu haben.

Angeklagter: Sie wollte es

Massive Vorwürfe, die er so in der Verhandlung nicht stehenlassen wollte. Er sprach von einer längeren beruflichen Bekanntschaft, einer freundschaftlichen Basis, vielen Gesprächen, ihrer Anhänglichkeit ihm gegenüber, Vertrauen und Flirts auf beiden Seiten. Besagte Flirts seien immer etwas weiter gegangen. Im September 2020 habe er sie dann erstmalig berührt – mit ihrer Zustimmung und an sich völlig harmlos. Am nächsten Tag sei es zu ersten sexuellen Handlungen gekommen. „Das ging immer weiter zwischen uns.“ Und: „Sie hat ihren Spaß auch gehabt.“ Alles, was zwischen ihnen geschehen sei, sei einvernehmlich gewesen – auch der Verkehr im WC-Raum auf der Arbeit am nächsten Tag. Danach habe er ihr allerdings gesagt, dass aus ihnen nichts werde – er habe eine Freundin, sie einen Ehemann.

Aus Scham die Firma verlassen

Nur einen Tag später, so erinnerte sich der Angeklagte weiter, habe er den Schock seines Lebens bekommen. Plötzlich sei die Polizei bei ihm aufgetaucht, habe ihn festgenommen, in Handschellen abgeführt und in eine Zelle gesteckt. „Das war wie ein Albtraum, wie ein Horrorfilm für mich.“ Herzrasen und Panikattacken seien die Folge gewesen. Und als er dann von den Vergewaltigungsvorwürfen erfahren habe, sei er außer sich gewesen. Noch heute leide er unter den Folgen dieser Erfahrung. Und: Er habe gekündigt und sich eine neue Stelle gesucht – wegen der „ekelhaften, völlig falschen“ Vorwürfe. „Ich konnte meinen Kollegen nicht mehr ins Gesicht sehen. Ich habe mich geschämt.“

Vermeintliches Opfer überzeugt nicht

Nach dieser Einlassung wurde die Frau gehört, die ihn anzeigte und so schwere Vorwürfe gegen ihn erhob. Allerdings konnte sie sich zum Teil nicht erinnern, konnte nichts Konkretes sagen und es kam, mit Blick auf frühere Angaben, auch zu Widersprüchen. Unter den Umständen konnte das Gericht keine Feststellungen treffen, die notwendig für eine Verurteilung gewesen wären. Vielmehr galt der Grundsatz: Im Zweifel für den Angeklagten. Er wurde freigesprochen.

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