Wiedersehen am Muttertag: Im Rünther Seniorenheim gibt es wieder Besuch

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Schön war es für Günter und Waltraud Kostrzewa Sohn Jörg und Ehefrau Elke von Angesicht zu Angesicht zu sehen.

Bergkamen – Es hätte schon Tränen gegeben beobachtete Betreuer Jan Wördemann am Muttertagsmorgen. Doch die meisten der besuchten Senioren im Seniorenglück in Rünthe ließen sich am Sonntag ihre Emotionen nicht anmerken.

 Zwölf Angehörige nahmen die Gelegenheit wahr, ihre hochbetagten Eltern in der Wohneinrichtung endlich wieder von Angesicht zu Angesicht zu besuchen – unter anderem, um Muttertagsgrüße auszusprechen.

Das erste Wiedersehen seit acht Wochen

„Wir sehen uns seit acht Wochen das erste Mal“, erklärt Claudia Halbe. Sie saß mit Sohn Jan-Eric im Innenhof des Seniorenglücks mit Mund-Nasenschutz unter einem Pavillion. Im Abstand von ungefähr fünf Metern saß Mutter Gertrud Rehe, ebenfalls mit Maske. „Ich habe sie auch vorher, bevor das Seniorenheim geschlossen wurde, nicht besucht. Aus Rücksicht auf die alten Menschen“, blickt Halbe zurück. Davor seien sie an jedem Wochenende zum Kaffeetrinken zum Beispiel zur benachbarten Marina Rünthe spaziert, an ihrem Ehrentag hätte sie ihre Mutter auch zu sich nach Hause geholt. „Wir waren da immer so drei, vier Stunden zusammen, je nachdem wie gut wir uns vertragen haben.“

Ihre Mutter hat eine leichte Demenz. Das sei in einer solchen Situation nicht unvorteilhaft, so die Tochter. „Mit dem Wiedererkennen haben wir aber kein Problem, nie gehabt“, antwortet Halbe auf die entsprechende Frage. Die 86-Jährige stelle allerdings immer die gleichen Fragen, stellte Halbes Sohn Jan-Eric fest. „Aber Oma freut sich, wenn der Enkel mit zu Besuch kommt“, sagt Claudia Halbe. „Und ich bin froh, dass sie noch da ist“, ergänzt der Sohn.

20 Minuten Besuchszeit

Richtig fit wirkt das Ehepaar Waltraud und Günter Kostrzewa. Der 91-Jährige und seine Frau (89) bekommen am Sonntag Besuch von Sohn Jörg und Schwiegertochter Elke. Für 20 Minuten wie jeder der Angehörigen. Bevor diese mit den Eltern ins Gespräch kommen, müssen sie ein Formular ausfüllen. „Dort wird nach Vorerkrankungen gefragt, nach Fieber, Husten und weiteren Symptomen, die auf Grippe hindeuten“, erklärt Wördemann. Der Betreuer wirft einen Blick auf das Papier, erklärt kurz die obligatorischen Hygnienerichtlinien. Alles in Ordnung, erklärt er dann.

Gespräch in der Öffentlichkeit

Das Gespräch kann beginnen. Die beiden Senioren sitzen hinter einem klaren Plastikvorhang. Der dämpft die Stimmen kaum. Alle tragen Masken. Jörg Kostrzewa beruhigt: In Bergkamen gebe es wenige Infektionen. Die Eltern zeigen sich aber sowieso gut informiert, wissen zum Beispiel von der Situation bei Westfleisch. Besprochen werden an diesem Morgen eher praktische Dinge, wenig Privates. „Hier sind wir ja sehr in der Öffentlichkeit, müssten schreien. Wir haben ja auch die ganze Zeit regelmäßig Kontakt gehabt, über das Telefon oder auch schon vom Balkon zur Straße“, erklärt der Sohn zum abgeklärt wirkenden Gespräch. Er verrät aber, dass den Eltern das Leben im Heim schwerfalle. „Sie sind erst seit September hier, mussten sich erst einleben. Und dann kommt Corona und sie sind plötzlich eingesperrt. Es ist aber für alle nicht einfach.“

Die beiden Geschwister von Jörg Kostrzewa bekamen an diesem Wochenende keinen Termin. Das Seniorenglück beschränkte die Anzahl der Besucher aus Vorsicht.

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