Schneefall immer unwahrscheinlicher

Seltenes Weiß: Menschen aus Bergkamen erinnern sich an schneereiche Winter

Bergkamen Schnee
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Schnee über den Dächern Bergkamens: 2017 fielen zumindest ein paar Flocken Schnee.

Herbst im Dezember: Statt bitterkalter Tage und zentimeterhohem Neuschnee waren die Winter der vergangenen Jahre eher von düsterem Regenwetter geprägt. Vier Bergkamener erinnern sich, als der Schnee noch in Massen fiel.

Bergkamen - Rouladen oder Gans, echter oder Plastik-Weihnachtsbaum und unterschiedliche Geschenke: Die Feiertage erlebt jeder Bergkamener anders. Worauf jedoch alle in den vergangenen Jahren verzichten mussten: Weiße Weihnacht. Keine Schneeengel, keine besinnlichen Winterspaziergänge, keine zugeschneiten Straßen. Vier Bergkamener erzählen Anekdoten aus ihrem Leben, als das winterliche Weiß noch regelmäßig in der Stadt anzutreffen war.

Schneespaziergang weckt Erinnerungen

Helga Böinghoff (80 Jahre) aus Overberge hat viele kalte Winter miterlebt. „Ich bin damit groß geworden, dass es im Winter Schnee gibt“, erinnert sich Böinghoff. „Das war jedes Jahr eine Herausforderung“, so die 80-Jährige. Besonders schön war für sie der Winter 2010. „Da war richtig viel runter gekommen“, so Böinghoff. Gemeinsam mit ihrem Mann Fritz ging sie an Heiligabend über die schneebedeckten Straßen zur Kirche.

Die kältesten Winter

Der Deutsche Wetterdienst veröffentlichte 2012 Daten über die kältesten Winter seit 1881. Berechnet wurde die deutschlandweite Mitteltemperatur von Dezember bis Februar in Grad Celsius.

1.1962/63: 5,48 Grad

2.1939/40: 5,00 Grad

3.1928/29: 4,84 Grad

4.1946/47: 4,55 Grad

5.1941/42: 3,95 Grad

„Nach der Messe bin ich mit Fritz dann einmal seinen alten Schulweg entlang gegangen.“ Zauber der Weihnacht: Dabei seien viele schöne Kindheitserinnerungen zu Tage getreten. Die beiden tauchten ab in die Vergangenheit. „Es war toll, die ganzen Erfahrungen aufzufrischen“, erinnert sich Böinghaus an das besondere Weihnachtsfest.

Mit dem Schlitten durch die „Teufelsschlucht“

Winter war für die kleine Carmen Klammer (70) aus Oberaden immer Rodelzeit. „Wir sind als Kinder sehr oft mit dem Schlitten los und sind von morgens bis abends die Hügel runter“, erinnert sich Klammer und schmunzelt. Ob im Burgwald hinter der Martin-Luther-Kirche, früher bei Oberadener Kindern als „Teufelsschlucht“ bekannt, oder die Nachtigallenstraße hinunter: „Wir haben so lang gerodelt, bis wir ganz erschöpft waren“, sagt Klammer.

Industrieromantik im Winterzauber: 1952 bedeckte der Schnee den Rünther Zechenplatz.

Für die 70-Jährige gehört Schnee zum Winter dazu. „Es ist so wunderschön, wenn die Terrasse unseres Hauses unter der Schneedecke verschwindet und der Mond die weiße Landschaft nachts anstrahlt“; sagt Klammer. Ein Naturschauspiel, das Klammer sehr vermisst. „Der Anblick ist unbezahlbar“, sagt die Bergkamenerin.

Zugefrorener Kanal

Der eiskalte Winter 1963 ist Karl-Friedrich Hoffmann (66) aus Rünthe gut in Erinnerung geblieben. „Damals hat es derbe geschneit“, sagt der 66-Jährige. Bis zu minus 15 Grad, der Kanal einen Meter zugefroren: Die Kälte hatte Rünthe eiskalt umklammert. „Mein Vater war Brennstoffhändler in Rünthe und ich weiß noch, dass er sehr viel zu tun hatte, um alle Haushalte mit Kohle zu versorgen“, erklärt Hoffmann. Während sein Vater den Rünther das Brennmaterial brachte, zog es den neunjährigen Karl-Friedrich zum Rodeln an den Kanal.

2010 führten heftige Schneefälle für Chaos auf den Rünther Straßen.

„Viele Kinder sind aber mit ihren Eltern auch zur Halde in Rünthe-Süd gelaufen, um dort herunter zusausen“, erinnert er sich. Rodeln konnten Kinder auch 2010. Ganz Rünthe war von einer weißen Schneemasse bedeckt. Eine Katastrophe für den Straßenverkehr. „Meine Frau ist in dem Winter an einem Tag von Kamen nach Rünthe gefahren und hat dafür 70 Minuten gebraucht“, erinnert sich Hoffmann.

Schneemassen auf den Dächern

Nach dem Zweiten Weltkrieg gab es viele strenge Winter, erinnert sich der Rünther Manfred Smulka (92). „Da war der Kanal zugefroren und die Kinder sind darauf Schlittschuh gelaufen“, sagt er und lacht. „Viele Leute versuchten im Garten Gemüse anzubauen, das war nach einem sehr kalten Winter natürlich nichts mehr“, so der 92-Jährige. An den letzten starken Winter in Rünthe kann er sich noch genau erinnern. „2010 hatte es so stark geschneit, dass ich mein Flachdach zu Hause von den Massen befreien musste“, so Smulka. Der Rünther hatte Angst, dass das Dach unter dem Gewicht Schaden nimmt.

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