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Busemann produziert rund um die Uhr für Erfrischung aus dem Eisfach

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Von: Markus Liesegang

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Die Busemann GmbH in Bergkamen produziert Wassereis und Popcorn
Demnächst auch Bio: Busemann-Geschäftsführer Jörg Kiefer kündigt neue Bussi-Produkte an © Liesegang, Markus

So wie zuletzt ist’s ihnen recht in Overberge mit dem Sommer. „Bussy-Wetter“, heißt es da. „25 bis 30 Grad und trocken“, erklärt Jörg Kiefer. „Wir sind zu diesem Zeitpunkt eigentlich schon wieder im Zweischichtbetrieb, haben die Produktion aber wieder auf drei hochgefahren, weil die Nachfrage weiter hoch ist“, freut sich der Geschäftsführer des größten deutschen Wassereisproduzenten, der Busemann GmbH, bekannt für den Sommerklassiker mit dem Bussy-Bären.

„Korrekt ausgedrückt ist unser Produkt kein Eis, sondern zur Herstellung von Wassereis geeignet“, berichtigt Kiefer. Schließlich macht erst der Kunde aus dem Schlauchbeutel samt dem aromatisiertem Wasser darin in seiner eigenen Kühltruhe Eis.

„Würden wir Wassereis produzieren, müssten wir die Kühlkette rigoros einhalten“, erklärt der 49-Jährige den kleinen, aber feinen Unterschied. Das hieße dann, dass das Auslieferungslager auf dem Firmengelände am ehemaligen Schacht Grillo IV an der Friedhofstraße mit viel teurer Energie heruntergekühlt werden müsste. Auch der Transport in den Großhandel und die Zentrallager der Discounter müsste lückenlos mit Kühl-Lkw und Tiefkühllagern passieren.

Aber auch ohne Froster ist Energie das Thema, das die Geschäftsleitung des Bergkamener Unternehmens momentan umtreibt. „Erst vor dreieinhalb Jahren haben wir von Öl auf ein modernes Gas-Blockheizkraftwerk umgestellt. Wenn die dritte Stufe des Notfallplans Gas greift, wie sieht es dann mit unserer Versorgung aus?“, fragt Kiefer. Was später als kalte Schleckerei in den Mund gelangt, wird eingangs nämlich mit der Heizleistung des Kraftwerks auf 84 Grad Celsius erhitzt, um die Flüssigkeit ohne Konservierungsstoffe haltbar zu machen.

Energiekosten belasten auch das Unternehmen

Dazu kommt: Die zweite Spezialität der Busemann GmbH ist Popcorn. Der Grundstoff Mais muss ebenfalls erhitzt werden, damit das Korn aufplatzt und in Knubbeln erstarrt. „Und wir haben einige Popper, die mit Gas betrieben werden“, erklärt der Geschäftsführer. „Und Karneval wird ja wohl 2023 nach zwei Jahren Pause wieder stattfinden, da hängt ja auch im Rheinland viel dran.“ So wie für Busemann: Der Betrieb beliefert die Jecken mit Popkornbeutelchen als Wurfmaterial. „Das sind jährlich 30 Millionen Tüten.“

Immerhin: Durch die Pandemie sei das Unternehmen ganz gut gekommen, berichtet der Geschäftsführer. Schwierig sei allerdings der Wegfall einer ganzen Schicht wegen einer Infektion gewesen. Die Kollegen fuhren zum Ausgleich Sonderschichten. „Das war nicht einfach, wir reden immerhin von 25 bis 30 Leuten“, sagt Kiefer mit Anerkennung.

Produziert wird bei Busemann auf den Punkt ab Februar. Die Discounter ordern die bekannten Zehnerpackungen mit dem Bussy-Bären in der Vor-Osterwoche, wenn die Schokohasen die Zentrallager verlassen haben.

Das Produktionsende für den Wassereisgrundstoff kommt, wenn die Handelsketten für Dominosteine und Printen Lagerkapazität benötigen. „In der Regel Ende August, Anfang September“, sagt Jörg Kiefer. Wie viel Ware letztlich das Lager in Overberge verlässt, ist stark wetterabhängig. Nachfrageausfälle beklagte Busemann in der Coronazeit deswegen eher bei der losen Ware, die über den Großhandel an Kioske geht, zum Beispiel im Freibad, das im Lockdown geschlossen war.

Automatisierung gegen Kräftemangel

Ein zweites Problem teilen sich die „Busemänner“ mit vielen Branchen: „Rohware und Kartonagen sind knapp und teuer“, so Jörg Kiefer. Im zunehmenden Wettbewerb um gutes Personal setzt die Firma auch auf Automatisierung. „Wir haben schon einige Halbautomaten in der Verpackung, so werden die einzelnen Stripes nicht mehr manuell in die Zehnerpackung gelegt“, erklärt Jörg Kiefer. Er betont, dass er keinesfalls Mitarbeiter einsparen wolle, sondern der Arbeitsmarkt einfach zu wenig biete. Die Konkurrenz der Logistiker in der Region sei sehr stark.

Die Konsequenz aus dem Kräftemangel: „Langfristig wollen wir durch die Automatisierung nur mit einem festen Mitarbeiterstamm arbeiten.“ Das sind knapp über 100 Menschen, allesamt aus der Region. In der Saison verdoppelt Busemann das Personal.

Ganz aktuell sucht der Ausbildungsbetrieb einen Interessenten, der gerne Fachkraft für Lagerwirtschaft werden möchte.

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