Besuch bei Thorsten Nustede (55)

Seelentröster der Marina Rünthe: Hafenmeister ist auch in Corona-Zeiten gut beschäftigt

Seit 1995 ist Thorsten Nustede für die Marina Rünthe verantwortlich. Das Interesse an Booten ist in Corona-Zeiten gestiegen, meint der Hafenmeister. Dementsprechend groß sei die Nachfrage nach Liegeplätzen.
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Seit 1995 ist Thorsten Nustede für die Marina Rünthe verantwortlich. Das Interesse an Booten ist in Corona-Zeiten gestiegen, meint der Hafenmeister. Dementsprechend groß sei die Nachfrage nach Liegeplätzen.

In der Marina Rünthe liegen mehr Boote vor Anker als üblich zu dieser Jahreszeit. Ein Grund: Wegen der Corona-Pandemie sind Touren nach Holland derzeit nicht möglich. Für Hafenmeister Thorsten Nustede heißt das: Es gibt viel zu tun.

Rünthe – Im vergangenen Jahr feierte Thorsten Nustede Silberhochzeit. Seit dem 1. April 1995 ist er schon Hafenmeister der Marina Rünthe. „Im Grunde genommen gehört mir ja der ganze Hafen“, beschreibt er das außereheliche Verhältnis und erweitert seinen Aufgabenbereich sogleich. Der 55-Jährige ist schließlich auch Geschäftsführer der Yachthafen Marina Rünthe GmbH & Co. KG.

Er sei da so reingerutscht, erzählt der gelernte Industriekaufmann. Die Verbindung zum Wasser hatte er aber. „Durch meine Eltern, die ein Boot in Kroatien hatten“, sagt er. Und als die Ausschreibung für die Nachnutzung des Industriehafens lief, „hatte ich den Vorteil, dass ich ja als Kind schon jeden Yachthafen in Kroatien kennengelernt hatte, also mir das Projekt vor- und den anderen darstellen konnte.“ Beispiele für solche Freizeithäfen gab es vor der Jahrtausendwende in Deutschland kaum.

Das Telefon ist für Thorsten Nustede eines der wichtigsten Arbeitsgeräte.

Nustede bereut seine Entscheidung nicht. Er habe sein Hobby zum Beruf gemacht. Obwohl: Das Hobby ruht eher – so wie sein eigenes Boot in der Halle. Seit fünf Jahren war er nicht mehr damit unterwegs. „Keine Zeit“, blickt er auf den großen, momentan voll belegten Hafen.

Eigentlich wollte er gemächlich anfangen. „Mit 70 Liegeplätzen, die ich dann in drei, vier Jahren auf 200 steigern wollte“, erklärt Nustede. Ende 1995 war diese Zahl bereits erreicht. Inzwischen sind es mit dem Osthafen 300 Liegeplätze.

Schnell machte der 55-jährige Unnaer aus, was noch fehlte zu einem perfekten Yachthafen. Die Krananlage und eine Tankstelle kamen im Laufe der Jahre hinzu. „Früher sind hier alle mit Kanistern rumgelaufen.“ Wichtig auch: die Möglichkeit, die Boote im Trockenen über den Winter zu bringen.“

Große Nachfrage nach Booten

Die Überwinterungshalle ist momentan noch proppenvoll, wie der Hafen selbst auch. Das Wetter passt noch nicht. Und dann ist Holland wegen der Pandemie dicht. Viele der Skipper überwintern in Rünthe, verbringen die Saison ab den Osterferien beim Nachbarn. Ansonsten habe Nustede die Auswirkungen von Corona nicht bemerkt. „Die Leute haben nicht nur Wohnmobile, sondern auch Schiffe gekauft“, erklärt Nustede einen Boom.

„Die Boote werden nicht über Monate inseriert, die werden in zwei oder drei Tagen verkauft.“ Auch könnte er 400 bis 500 Plätze vorhalten, wenn der Raum da wäre und er selbst mehr Zeit investieren würde. „Was ich hab, hab ich“, ist Nustede aber zufrieden. Es stehe auch einiges zur Reparatur an. „Die Anlage ist in die Jahre gekommen. Das elektrische Equipment ist moderner heutzutage, an den Laufhölzern der Anleger hat der Zahn der Zeit genagt.“

Aktuell ist es ruhig, auch wenn das Telefon dauernd klingelt. Deutlich mehr Arbeit wartet in der Sommersaison: Vermietung, Verpachtung, Boote ins Wasser lassen und herausheben, kleine Reparaturen und nicht zuletzt die Kommunikation mit Kapitänen und Mannschaft.

Ganz normale Menschen und Exoten

Er sei schon manchmal auch für das Seelenleben der Bootsbesitzer zuständig. „Viele kenne ich ja, seit sie hier quasi mit dem Gummiboot waren, bevor sie immer größere Schiffe gekauft haben“, sagt er.

Mit einem Vorurteil räumt er aber auf: „Denen, die richtig Geld haben, merkt man das nicht an.“ Die meisten in der Marina Rünthe seien ganz normale Menschen.

Exoten, wie die drei Weltreisenden Leonie Maßmann, Thilo Ernst und Jonas Manke, die in Rünthe ihre Blue Horizon fit machten, hätte es schon häufiger gegeben, weiß Nustede. „Vor zehn Jahren ist jemand von hier in die Karibik gestartet, hat dort zehn Jahre gelebt, ist jetzt zurück in der Gegend um Hamburg, hab ich gehört.“

Rundreisen oder Wochenenden an Bord

Die meisten Bootsinhaber, die ihr Schiff in Rünthe liegen haben, kämen aus dem Sauerland. Sie nutzen den Binnenhafen wegen des maritimen Flairs, verbringen vielleicht das Wochenende durchgehend an Bord. Dann gebe es Tagesausflügler, die ihr Boot in Rünthe zu Wasser lassen, nach Lünen in den Preußenhafen zum Kaffee schippern würden. Und es gebe solche, die eine Rundreise auf dem Dortmund-Ems- und Rhein-Herne-Kanal antreten und auf dem Rhein nach Wesel schippern und über den Wesel-Datteln-Kanal zurück.

Seine Arbeit macht Nustede offensichtlich immer noch Spaß. Muss sie auch. Einen Nachfolger aus der Familie habe er noch nicht überzeugen können. „Die kriegen das ja auch schon Jahre lang mit“, erzählt er von seinen beiden Kindern. „Es gibt bei der Arbeit eben kein freies Wochenende und keinen Urlaub, zumindest nicht im Sommer.“

Die größte Befürchtung Nustedes ist, dass die Coronaschutzmaßnahmen noch weiter verschärft werden, so wie im Frühjahr vergangenen Jahres. Wegen des Freizeitcharakters war die Marina damals komplett zu. Momentan ist nur die Aufnahme von Gastliegern untersagt. „Da gilt das Beherbergungsverbot in NRW“, sagt der Hafenmeister. Eine Regel, die nicht in allen Bundesländern gelte. Rünthe werde aber sowieso von Schiffen auf der Durchreise kaum angefahren. Der Datteln-Hamm-Kanal ist eine Sackgasse. „Und vom Dortmund-Ems-Kanal zum Übernachten hierher zu fahren, ist den meisten Skippern zu weit.“

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