Corona-Stillstand für Grundsanierung genutzt

Glasklares Wasser erster Lohn für die Plackerei der Helfer im Heiler Naturfreibad

Das Blatt fischt Achim Rudolph fürs Foto raus. Seerosen wachsen im Klärteil des Teiches. Nach der Plackerei ist er auf die Wasseranalyse gespannt.
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Das Blatt fischt Achim Rudolph fürs Foto raus. Seerosen wachsen im Klärteil des Teiches. Nach der Plackerei ist er auf die Wasseranalyse gespannt.

„Wasser is’ schomma feddich!“ Kurz und knapp, wie es sich für einen Kumpel gehört, kommt Achim Rudolph mit einem Nicken Richtung Tümpel auf den Punkt. Aber damit hat der 55-Jährige weit mehr gesagt, als ihm samt dem harten Seufzer zunächst über die Lippen kommt.

Bergkamen - Immerhin sechs Monate Plackerei liegen hinter den gut 23 Aktivposten des Schwimmvereins Heil, für die der neulich verrentete Bergmann nominell Vorsitzender ist, seit einem Jahr vor allem aber: Bauleiter. Dass ein Mann vom Hygiene-Institut Gelsenkirchen an diesem Tag die erste Wasserprobe der Saison für den Check im Labor gezogen hat, ist nach der winterlichen Schlammschlacht im Naturfreibad Heil nicht übliche Routine, sondern ein Meilenstein.

Pumpen hielt Teich trocken, bis harter Frost kam

Bis der Wintereinbruch im Februar zum Abschalten der Pumpen zwang, war das Becken leer. Der Schlamm musste raus und das Ufer gerichtet werden. In der Mischung aus Stolz und Erleichterung, die Herkulesaufgabe gestemmt zu haben, spielt es für Rudolph schon fast keine Rolle, dass Corona noch länger keinen Badebetrieb in dem Idyll um den Altarm der Lippe erlauben wird: „Wird schon wiederkommen, im Spätsommer vielleicht“. Erstmal das Werk vollenden, das es ohne Pandemie nicht gäbe.

Das Gelsenkirchener Labor hatte schließlich auch im vergangenen Jahr, wie immer, 1a-Wasserqualität bescheinigt. Nur hat niemand etwas davon gehabt, weil die Auflagen wegen des Coronaausbruchs plötzlich die höheren Hürden darstellten. An Öffnung war nicht zu denken. Aus der Not machte der Verein aber eine Tugend. Wenn schon auf dem Trockenen, dann aber richtig: Wasser raus, Generalsanierung.

Nach 25 Jahren einmal „Tabula rasa“ gemacht

„Das ist vor 25 Jahren zum letzten Mal gemacht worden“, betont der Vorsitzende die Chance, die sich in der Krise bot: alles mal wieder auf Vordermann bringen, wenn die Saison eh im Eimer ist. Dazu kam der Schwung durch den Generationswechsel im Vorstand und die helfende Hand der Stadt Bergkamen. So konnten die Ehrenamtlichen zum großen Schlag bei der Gehölzpflege ausholen, Licht und Luft schaffen für all das, was dieser Tage unter dem immer noch imposanten Baumbestand zu sprießen beginnt.

Mit Wachstum hatten sich zuvor vor allem Wasserpflanzen hervorgetan, Schwimmer hier und da gekitzelt, was nicht jeder lustig fand. Abzustellen war das nur mit dem Kraftakt, der hinter der Malochertruppe liegt. „Wir haben vergangenes Jahr fast 2500 Arbeitstunden geleistet“, weiß der Vorarbeiter, der mit seinem Kumpel Markus Kowal das Meiste auf der Stempelkarte hat.

Enge Abstimmung mit den Umweltbehörden

Der Schweiß stand Achim Rudolph schon auf der Stirn, ehe er zum Schüppenstiel griff, allein wegen der ungewohnten Schreibtischarbeit: Mit den Umweltbehörden musste er bis ins Kleinste verhackstücken, zu welchen Bedingungen der SV in der Heiler Wanne den Stöpsel ziehen durfte, um den Problemen auf den Grund zugehen.

Ehe mithilfe der Gülle-Apparaturen der hilfsbereiten Bauern ringsum das Wasser abgepumpt werden durfte, musste unter anderem der Fischereibeauftragte des Kreises Unna, Michael Prill aus Bergkamen, mit seinem Elektrokescher ran und mit den Freiwilligen den Fischbesatz in Sicherheit zu bringen.

Anpacken oder fördern

Dem Schwimmverein Heil sind Helfer für die Arbeiten und den späteren Betrieb des Naturfreibades willkommen. Gleiches gilt für Sponsoren, die mit Geld oder Material unterstützen wollen. Die Erneuerung hat die Vereinskasse schon fünfstellig belastet. Kontakt: Achim Rudolph, Tel. 0171/4475767.

„Wir haben die Fische eingesammelt, im Kneipp-Becken und Bassins gehalten. Das Wasser musste regelmäßig ausgetauscht werden, wir haben für Schatten gesorgt und ein Netz gegen die Reiher drübergezogen“, so Rudolph. „Was standorttypisch ist und der Größe nach aus demselben Jahr ist, haben wir hier wieder eingesetzt, die anderen wurden ausgesetzt.“

Als die Bahn frei war, rückten zuerst Profis mit schwerem Gerät an: „Mit zwei Baggern und einem Mulder hat eine Firma hier 300 Kubikmeter Schlamm abgetragen.“ Davon zeugt noch der Wall von mittlerweile abgetrocknetem Aushub, den die Helfer noch eineben, mit Mutterboden überziehen und darauf Rasen einsäen müssen.

Als der Bagger nicht weiter kam: Maloche pur

Als die Maschinen im Morast stecken zu bleiben drohten, begann Achim Rudolph etliche Kilo abzunehmen, wie er mit kreisender Hand auf dem Leib erzählt. Handarbeit war angesagt, zähe Handarbeit. 50 Kubikmeter Schlamm hat er mit Kowal vom Grund gekratzt, 40 bis 50 Tonnen Kies gesiebt, mit denen das Vlies auf dem Lippesand beschwert war. Damit das Becken nicht flugs wieder verlandet, haben die beiden auch noch 40 Tonnen neuen Rheinkies verteilt.

Davon sieht man – trotz klaren Wassers – schon nichts mehr. Auch lugt gerade noch der Verbau aus Eichenholz hervor, mit dem die Böschung an der Wasserlinie neu gefasst wurde. Die Schrägen darüber sind gleichmäßig abgezogen. Wenn zu den ersten wiederkehrenden Schilfspitzen bald mehr gepflanzt wird, soll sich die grüne Pracht neu entwickeln.

Den Helfern fehlen die vertrauten Begegnungen

„Nebenbei“ hat der versierte Handwerker die Sanitärinstallation erneuert, weil Väterchen Frost trotz aller Vorkehr einige Leitungen gesprengt hatte. Am Haus mit den Umkleiden und dem noch nicht wieder vermieteten Kiosk wartet eh immer Arbeit. Nur ist es mit dem Lohn so eine Sache, solange das Virus Abstand gebietet. An geselligen Feierabend und andere Rituale gemeinsamer Arbeitseinsätze ist nicht zu denken.

„Ich kann mir nicht vorstellen, dass wir das Vatertagstreffen mit der DLRG schon wieder feiern“, bedauert Rudolph. Die Rettungsschwimmer stellen die Aufsicht für den Badebetrieb, die Vereine sind seit Langem eng verbunden. Und wenn es wieder losgehen darf, sind die Retter wieder zur Stelle, da sorgt sich der Vorsitzende trotz der langen Pause nicht.

Solides Fundament für die nächsten Jahre

Achim Rudolph schaut wieder aufs Wasser – und voraus: Beckenkante streichen, Rutsche warten, was da noch zu tun ist ... Nur eines will er nicht mehr tun: „Ich lass’ hier nicht noch mal das Wasser raus!“ Nicht, dass es ihm zu viel gewesen wäre. Das sagt er mit breitem Kreuz und Brustton des Bergmanns: „Dat hält ersma paar Jahre.“

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