2,2 Millionen Euro Fördergeld

Dank Finanzspritze vom Land NRW: Schulen in Bergkamen werden digitalisiert

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Das Arbeiten mit dem Computer braucht künftig keinen gesonderten PC-Raum mehr. 

Knapp über zwei Millionen Euro bekommt die Stadt Bergkamen an Fördergeldern für den Schulsektor. Ein Blick in die einzelnen Bildungsstätten zeigt, dass technologischer Ausbau aber alleine nicht ausreicht.

Bergkamen – Um den Schulen eine digitale Ausstattung zu ermöglichen, haben Bund und Land einen sogenannten Digitalpakt ins Leben gerufen. Bis die staatlichen Fördermittel gänzlich eingesetzt werden, verstreichen vermutlich noch Monate oder gar Jahre.

Denn zunächst geht es für die Schulen darum, gemeinsam mit dem Schulträger, der Stadtverwaltung Bergkamen, einen Medienentwicklungsplan (MEP) zu entwerfen.

Der MEP beinhaltet eine Bestandsaufnahme, welche sowohl technische Ausstattungsmerkmale als auch die Analyse schulinterner Prozesse umfasst. Neben der Kontrolle des Ist-Zustandes entwickelt der Schulträger anhand der Wünsche aller betroffenen Schulen ein zielführendes Szenario, den sogenannten Soll-Zustand. Erst dann kann die Stadt ein Formular erstellen, das den Bedarf der Schulen zusammenfasst, und es an die Landesregierung weiterleiten.

Andreas Kray ist der Leiter des Amtes für Schulverwaltung und steckt somit tief in der Materie. „Wir waren mit allen Schulen schon zumindest in einem ersten Austausch“, verrät der Amtsleiter und verweist sofort auf eine zweigleisige Angelegenheit: „Beim gesamten Projekt handelt es sich um zwei verschiedene Schritte“, erklärt Kray. „Als Allererstes geht es um die Innenhausverkabelung und darum, ein sogenanntes Gigabit-Glasfasernetz zu gewährleisten.“

Diese Verkabelung sei die Grundlage für konkrete Forderungen der Schulen. „Die einen wollen das beste Internet, andere bestehen auf Ipads. Das ist alles gut und schön, aber damit können wir uns erst auseinandersetzen, wenn es so weit ist“, betont Kray. In der Tat sind die Wunschlisten der Schulen lang und bunt.

Viele Lehrer fordern Tablets in den Schulen.

Einigung kann noch dauern

Selbst schulintern herrscht Uneinigkeit beim Lehrpersonal über die richtigen digitalen Methoden. „Einige Lehrkräfte möchten Whiteboards, andere lieber von überall einen Internetzugang“, berichtet Godehard Stein, Schulleiter der Realschule Oberaden. Ohnehin sei der Digitalpakt „ein lustiges Thema“. Denn Stein befürchtet, dass sich die Umsetzung ziehen wird. Immerhin gibt es ein Ultimatum vom Bund, das eine vollständige Umsetzung der Fördergelder für 2023 besagt.

Vergleichsweise zügig setzten sich die Grundschulen mit dem Thema auseinander. „Die sind schon mit der Idee an uns herangetreten, ein gemeinsames Konzept umzusetzen“, schilderte Kray. Konkret spricht Uwe Wilms, stellvertretender Schulleiter der Freiherr-von-Ketteler-Grundschule, von einer gleichartigen Netzinfrastruktur, die sich auf jeweils alle Arbeitsplätze auswirken soll. „Wir erhoffen uns davon, dass die Schüler nicht nur überall Inhalte digital produzieren, sondern auch digital präsentieren können“, richtet Stein den Zeigefinger auf potenzielle Powerpoint-Präsentationen der Kinder vom eigenen Haustier oder Lieblingsbuch.

Schwieriger könnte das Ziel eines einheitlichen Konzeptes, das den Kindern ihren Übergang von der Grund- zur weiterführenden Schule erleichtert, bei den Geräten werden. „Ob Apple oder Windows, da scheiden sich die Geister“, offenbart Stein, der sich nicht vorstellen kann, dass in naher Zukunft alle Schulen auf das gleiche Betriebssystem setzen. Nicht nur die Einheitlichkeit wird im Zuge des Digitalpakts diskutiert.

Auch die von-Ketteler-Grundschule ist von den Veränderungen betroffen.

Schulleiter fordern Fachfirmen und Lehrerausbildung

Für Bärbel Heidenreich, Schulleiterin des städtischen Gymnasiums, mangelte es in der Vergangenheit vor allem an Fachfirmen, um den technologischen Standard instandzuhalten. „Es geht auch um die Betreuung der digitalen Ausstattung“, kommentiert Heidenreich mit dem Verweis, dass es bei den 14 W-Lan-tauglichen Räumen im Gymnasium schon mehrfach an einer zeitnahen Reparatur haperte. „Nur Geld reicht eben nicht aus“, bekräftigt die Schulleiterin.

Die sich anbahnenden Veränderungen setzen nicht nur qualifizierte Fachfirmen voraus – sondern auch kompetentes Lehrpersonal. „Wir hoffen auf Qualifikationsmaßnahmen für das Kollegium“, richtet Paul Seck, didaktischer Leiter der Willy-Brandt-Gesamtschule, einen kritischen Blick auf die derzeitige Situation.

Dabei erfährt er Rückendeckung vom kommissarischen Schulleiter der Freiherr-vom-Stein-Realschule, Dirk Eggert: „Es geht um Methodenplanung. Im Endeffekt sollten sich alle Kolleginnen und Kollegen verschärft mit der Technik auseinandersetzen.“

Anderenfalls könnte es, so erinnert sich Seck, einen ähnlichen Hergang wie einst mit dem Sprachunterricht geben. „Alle schrien nach Neuerungen in der Sprachausbildung. Am Ende gab es Headsets zur Sprachlernsoftware und die waren sofort wieder obsolet“, blickt Seck zurück. „Was den digitalen Unterricht betrifft, können wir es jetzt besser machen als damals“, so Seck.

Andere Bedingungen für Förderschulen

Auch der Kreis Unna steht bei seiner Planung noch in den Startlöchern. „Die Umsetzung ist für das nächste Jahr geplant. Bis dahin wird noch ein externer Gutachter herangezogen“, hält sich Birgit Kalle, Pressesprecherin der Kreisverwaltung, bedeckt.

Sie verweist auf den anstehenden Ausschuss für Bildung und Kultur am 13. November um 16 Uhr im Kreishaus. „Erst danach können wir Auskünfte über nähere Details geben“, erklärt Kalle. Beim Ausschuss soll es auch um die Frage gehen, welche Konzepte bei den zugehörigen Förderschulen möglich sind.

Eine davon ist die Regenbogenschule in Bergkamen, dessen Schulleiterin, Bettina Vorberg, die Bedeutung des Digitalpakts relativiert: „Für uns als Förderschule ist die Digitalisierung nicht maßgeblich, sondern nur ein Bereich von vielen“. In Berufsschulen sei funktionierendes W-Lan weitaus wichtiger. Dennoch wünscht sich Vorberg, dass die Kinder künftig die Option haben, auf spielerische Weise zu programmieren.

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