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Nur Schritt-Tempo beim A1-Ausbau: Planer müssen nacharbeiten

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Von: Jürgen Menke

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Die Autobahn 1 soll bei Bergkamen und Hamm auf sechs Fahrspuren erweitert werden.
Die Autobahn 1 soll bei Bergkamen und Hamm auf sechs Fahrspuren erweitert werden. © Menke

Vor gut zehn Jahren wurden die Pläne zum sechsspurigen Ausbau der A1 zwischen dem Kamener Kreuz und der Anschlussstelle Hamm-Bockum/Werne vorgestellt. Eine Genehmigung liegt noch immer nicht vor – und die lässt auch wohl noch länger auf sich warten.

Bergkamen/Hamm – Der sechsstreifige Ausbau der A1 bei Bergkamen verzögert sich vermutlich weiter. So teilt die Autobahn GmbH auf Anfrage mit, dass sie die Entwässerung in dem Abschnitt „neu anpassen“ muss. In der Folge komme es zu einer erneuten Offenlage der Pläne, heißt es. Belastbare Aussagen zum Baubeginn oder zum Bauende seien daher zum jetzigen Zeitpunkt nicht möglich.

2024 zu halten?

Die Niederlassung Westfalen der Autobahn GmbH hatte die Planungen für den A1-Ausbau im hiesigen Abschnitt zwischen dem Kamener Kreuz und der Anschlussstelle Hamm-Bockum/Werne mit Jahresbeginn 2021 vom Landesbetrieb Straßen.NRW übernommen. Der war bis kurz zuvor noch von einem Baustart spätestens in 2024 ausgegangen. Dieser Zeithorizont dürfte nun als mindestens ambitioniert gelten.

Der Rastplatz „Overberger Busch“ soll zugunsten eines kleinen Wäldchens verschwinden. Andere Plätze werden ausgebaut.
Der Rastplatz „Overberger Busch“ soll zugunsten eines kleinen Wäldchens verschwinden. Andere Plätze werden ausgebaut. © Menke

10,4 Kilometer misst die A1-Strecke zwischen dem verkehrsreichen Autobahnkreuz und der Anschlussstelle Hamm-Bockum/Werne. Dazwischen liegen die Ab- und Auffahrt Hamm/Bergkamen und nicht weniger als 18 Brückenbauwerke, von denen 16 erneuert und eines verlängert werden muss. Auch das macht den Ausbau hier so teuer.

190 Mio. Euro – oder mehr?!

190 Millionen Euro ist die letzte Zahl, die Straßen.NRW veranschlagt hat. Bei öffentlicher Vorstellung der Pläne 2012 war zunächst von 100 Millionen Euro die Rede, ab 2014 dann von 165 Millionen Euro. Bei der Autobahn GmbH heißt es nun, eine verlässliche Kostenangabe sei „derzeit nicht möglich“ – wegen der Planänderungen und der „aktuellen wirtschaftlichen Entwicklung“ wie etwa den steigenden Preisen für Baumaterialien.

Problem: Entwässerung

Für den Abschnitt bei Bergkamen wurde im August 2019 bei der Bezirksregierung Arnsberg das Genehmigungsverfahren eingeleitet, die sogenannte Planfeststellung. Kurze Zeit später lagen die Unterlagen dazu für mehrere Wochen aus. Am Ende wurden 103 Einwendungen von privater Seite gezählt, darunter drei Unterschriftenlisten, und 41 Stellungnahmen von Trägern öffentlicher Belange. Die Oberbehörde gab diese an die Autobahn GmbH zur Stellungnahme weiter, die Planer sind nun offenbar von sich aus zu dem Schluss gekommen, dass die Wassertechnik in größerem Stil überarbeitet werden muss.

Erörterung muss warten

Mit den Rückmeldungen der Autobahn GmbH rechnet die Bezirksregierung Ende dieses Jahres. Bei einem Erörterungstermin könnten dann die Interessen gegeneinander abgewogen werden, ehe die Behörde einen Beschluss fassen würde. Allerdings: Werden die Planunterlagen neuerlich ausgelegt, gibt es für Anwohner und Umweltverbände ein zweites Mal die Möglichkeit, sich zu äußern. So dürften weitere Monate ins Land gehen.

Rastplatz verschwindet

Im Zuge des A1-Ausbaus soll der Rastplatz „Overberger Busch“ in Richtung Köln zurückgebaut werden; hier ist (als Ausgleichsmaßnahme für den Eingriff in die Natur) ein naturnaher Laubwald vorgesehen. Der gegenüberliegende Rastplatz „Haus Reck“ soll so erweitert werden, dass dort 32 Pkw und 42 Lastwagen Platz finden.

In Stockum wird‘s eng

Auch an die zwei Rastplätze auf dem Gebiet der Stadt Werne wird Hand angelegt. Hier gibt es zudem die Besonderheit, dass auf Höhe Stockum die A1-Fahrbahn nicht beidseitig verbreitert wird, sondern diese Verbreiterung asymmetrisch bis zu 3,50 Meter nach Westen erfolgt. Grund ist die Nähe der Strecke zum Werner Ortsteil.

8 Meter hohe Wände

Auf Höhe Stockum ist darüber hinaus eine bis zu acht Meter hohe Lärmschutzwand geplant. Wände gegen Lärm soll es auch an Parkplätzen und – in Kombination mit einem Lärmschutzwall – im Bereich Rünthe westlich der Schnellstraße geben. Die Höhe hier: vier bis acht Meter. Die Länge: 1200 Meter. Auf den gesamten 10,4 Kilometern (außer Großbauwerke) ist der Einbau von lärmminderndem Asphalt vorgesehen. Er reduziert den Lärm um etwa fünf Dezibel.

Zwei weitere Abschnitte

In Richtung Münster, bis zur Brücke über den Dortmund-Ems-Kanal gibt es zwei weitere Planungsabschnitte. Auch für den Bereich zwischen Hamm-Bockum/Werne und der Anschlussstelle Ascheberg (11,4 Kilometer) läuft ein Planfeststellungsverfahren, und das bereits seit 2016. Hier hat es auch schon einen Erörterungstermin gegeben – mit dem Ergebnis, dass die Autobahn GmbH Anpassungen in den Bereichen der Entwässerung und der Lärmtechnik vornimmt. Diese, so heißt es, würden ebenfalls zu einer zweiten Offenlage führen. Entscheiden wird das letztlich aber die Bezirksregierung Münster als Herrin des Verfahrens.

Noch ein Termin?

Nach der Offenlegung hatte diese 54 Einwendungen Privater und 50 Stellungnahmen der Träger öffentlicher Belange gezählt. Darin ging es vor allem um die zugrunde liegende Verkehrsprognose, um Lärmimmissionen und Luftschadstoffe sowie um Beeinträchtigungen von Grundeigentum. Ob es zu einem weiteren Erörterungstermin kommt, sei „derzeit nicht absehbar“, heißt es von der Behörde in Münster.

Ab Ascheberg geht‘s los

Im weiteren Verlauf gen Münster, zwischen Ascheberg und dem Dortmund-Ems-Kanal (südlich Münster-Hiltrup) steht der Ausbau unmittelbar bevor. Noch in diesem Monat sollen laut Autobahn GmbH die Vorarbeiten zur Verstärkung des Standstreifens in beiden Fahrtrichtungen beginnen. Im Herbst folgt dann der Baustart für die beiden Brückenbauwerke Bönneweg und Amelsbürener Straße (K39).

Flüster-Asphalt

Die Autobahn GmbH kalkuliert hier mit Baukosten in Höhe von rund 73 Millionen Euro. Im Verlauf des 9,5 Kilometer Ausbauabschnitts müssen insgesamt zehn Brücken neu gebaut werden. Weitere fünf Brücken werden instandgesetzt oder auch teilweise neu gebaut. In Höhe von Ascheberg-Davensberg baut die Autobahn GmbH auf einer Länge von 660 Metern eine 3,50 Meter hohe Lärmschutzwand. Zudem wird auf einer Länge von 2,2 Kilometern auch in diesem Bereich ein lärmmindernder Asphalt eingebaut.

Baujahr 1965

Die als Hansalinie bekannte A1 wurde 1965 gebaut. Verkehrsprognosen gehen für das Jahr 2030 von mehr als 70 000 Fahrzeugen pro Tag allein zwischen dem Kamener Kreuz und Hamm-Bockum/Werne aus. Gegenüber 2015 wäre dies eine Steigerung von rund 20 Prozent, das Plus beim Schwerlastverkehr liegt sogar bei 50 Prozent.

Ausgleich in Lippeauen

Jede Richtungsfahrbahn soll zum Bau einer dritten Fahrspur um drei Meter verbreitert werden. Als weitere Ausgleichsmaßnahme von vielen ist die Neugestaltung der Lippequerung (längerer Brückendurchlass) und die Renaturierung der Lippeaue zwischen Bergkamen und Werne vorgesehen.

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