Test auf das Coronavirus

Schnelltests im Seniorenheim: Einrichtungen in Bergkamen sammeln erste Erfahrungen

Coronatest Schnelltest Seniorenglück Rünthe Nicole Schulze Isabella Kadziolka
+
Schon seit zwei Wochen werden im Seniorenglück Haus Rünthe Corona-Schnelltests genutzt. Gestern ließ sich Mitarbeiterin Nicole Schulze von Isabella Kadziolka testen. Insgesamt zwölf Pfegekräfte können die Tests derzeit für Bewohner, Mitarbeiter und Besucher durchführen.

Schon vor Wochen kündigte das Bundesministerium für Gesundheit Corona-Schnelltests unter anderem für Altenheime an. Die entsprechende Testverordnung trat am 15. Oktober in Kraft. Die Tests ließen allerdings vielerorts auf sich warten. Inzwischen laufen Testungen auch in Bergkamen.

Bergkamen - Im Seniorenglück Haus Rünthe hatte sich Heimleiterin Stephanie Humpert-Schöße frühzeitig um die Test-Kits gekümmert, sodass es die Schnelltests dort schon seit gut zwei Wochen gibt. „Wir testen Bewohner, die beispielsweise für eine Dialyse längere Zeit außer Haus gewesen sind oder leichte Symptome zeigen. Hinzu kommen Mitarbeiter, die aus dem Urlaub kommen. Mittlerweile sind alle Bewohner und Mitarbeiter einmal drangekommen“, sagt die Einrichtungsleiterin.

Auch Besucher werden bei Bedarf getestet. Nach der üblichen Prozedur am Eingang mit einer kontaktlosen Messung der Körpertemperatur mittels Digitalthermometer wird ein Test aber nur durchgeführt, wenn es Symptome gibt. „Wer eine kräftige Erkältung hat, wird bei uns gar nicht erst reingelassen“, stellt Humpert-Schöße klar.

Klarheit gibt es nach der Durchführung eines Tests schon innerhalb von 15 Minuten. Bisher sind alle Tests im Haus Rünthe negativ gewesen.

2500 Exemplare bestellt

Zwölf Mitarbeiter haben an einer Schulung teilgenommen und können die Tests selbst ausführen. Zunächst hatte Humpert-Schöße 200 Tests bestellt und dann noch einmal 2500 Exemplare nachbestellt. „Ich denke, das sollte bis Ende des Jahres reichen“, sagt die Einrichtungsleiterin.

Pro Test bekommt die Einrichtung sieben Euro erstattet. „Ich weiß nur noch nicht ob von der Pflegekasse oder der Krankenkasse“, so Humpert-Schöße, die günstig eingekauft hat, denn das Seniorenglück zahlt aktuell gerade einmal vier Cent pro Test dazu. „Letztlich wäre es mir egal, was wir bezahlen, denn die Gesundheit aller geht vor, aber so ist das natürlich auch eine schöne Sache.“

Auch im Hermann-Görlitz-Seniorenzentrum sind die Antigen-Schnelltests (PoC-Antigentests) eingetroffen. Jedenfalls die ersten 500 von den 2840, die der Einrichtung mit ihren 142 Bewohnern und 130 Mitarbeitern laut Landesregierung pro Monat zustehen. „Wir testen also erst einmal im wöchentlichen Wechsel unsere Bewohner und Mitarbeiter“, sagt Heimleiter Ludger Moor. Sobald ausreichend Test-Kits vorhanden sind, sollen Bewohner und Mitarbeiter wöchentlich zum Abstrich, auch für die Besucher soll es dann Tests geben. Zudem wird das Görlitz-Zentrum Kits vorhalten, um außerhalb des wöchentlichen Rhythmus testen zu können, falls ein Bewohner auf einmal doch Symptome wie Fieber oder Husten bekommt, wenn Mitarbeiter aus dem Urlaub kommen oder wenn sie nach einer Krankschreibung wieder zur Arbeit kommen.

Mehrkosten werden nicht erstattet

Damit bei den Tests alles richtig läuft, war das Team einer Arztpraxis vor Ort, das einige Mitarbeiter geschult hat. Nach einer „Übungseinheit“ untereinander gelten sie nun als Fachkräfte, die die Schnelltests durchführen dürfen.

Moor sieht klare Vorteile darin, dass die PoC-Tests in den Altenheimen jetzt möglich sind. „Es gibt schon eine psychologische Sicherheit und die ist wichtig“, sagt er. Er scheut sich aber auch nicht, Probleme anzusprechen. Da ist zum einen die Refinanzierung der Test-Kits. „Sieben Euro pro Kit bekommen wir refinanziert“, sagt Moor. Tatsache sei aber, dass viele der Kits gar nicht für sieben Euro zu bekommen seien, sondern mehr kosten. „Die Mehrkosten werden aber nicht erstattet. Bei einer Einrichtung mit unserer Größe reden wir da schnell über viele Tausend Euro“, kritisiert er.

Auch der personelle Aufwand für die Tests ist immens. Zehn bis zwölf Personalstunden, schätzt Moor, brauchen die Mitarbeiter für die jeweiligen Testreihen. „Das ist nur die Zeit für die Tests – nicht für die Auswertungen und die Dokumentation.“ Das Land wolle beispielsweise, dass die Altenheime eine Statistik führen. „Das alles ist Zeit, die für die Betreuung unserer Bewohner verloren geht“, bedauert Moor.

Gleichwohl: „Die psychologische Sicherheit ist sehr viel wert. Als wir vor etwa vier Wochen die PCR-Tests gemacht haben, haben alle spürbar aufgeatmet, als kein positives Ergebnis dabei war.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare