Auf Schneemassen vorbereitet

Winterdienst in Bergkamen im Dauereinsatz, Feuerwehr geht in Bereitschaft

Der Schnee brachte den Verkehr in Bergkamen-Rünthe weitgehend zum Erliegen
+
Auf den verschneiten Straßen herrscht wenig Verkehr. Viele Autofahrer folgten dem Appell der Sicherheitskräfte und ließen ihren Pkw stehen.

Bergkamen – Mitte Januar bedeckte der erste Schnee in diesem Winter Bergkamen; er taute jedoch nach nur wenigen Stunden. Was sich in der Nacht zu Sonntag und dem folgenden Tag über abspielte, war hingegen von ganz anderem Kaliber. Die Kinder der Stadt hatten ihre helle Freude am winterlich-weißen Geschehen. Sie bauten trotz eisigen Windes Schneemänner und holten teils ihre Schlitten raus. Andere, wie etwa Autofahrer, stellten die Schneemassen vor große Herausforderungen – und die werden zu Wochenbeginn wohl nicht geringer.

Der Winterdienst in Bergkamen habe schwer zu kämpfen mit den Schneemassen. Das berichtete Michael Heinemann, Leitender Disponent beim Entsorgungsbetrieb Bergkamen (EBB). Seit Sonntag kurz vor 5 Uhr waren die Mitarbeiter mit dem Räumen der Verkehrswege im Stadtgebiet beschäftigt. Weil auch die Schneepflüge an den Streufahrzeugen zum Einsatz kamen, dauert es deutlich länger, bis die jeweils vorgesehenen Strecken abgefahren waren. „Auch hatten wir Probleme mit parkenden Fahrzeugen, die im Weg standen“, schilderte Heinemann.

Die sechs allradbetriebenen Räumfahrzeuge des Bauhofs waren im Dauereinsatz, darüber hinaus drei Gehweg-Kolonnen. Auch sie benötigten wegen der üppigen weißen Pracht deutlich mehr Zeit als üblich. Viele Wege waren wegen der Verwehungen sehr schnell wieder zugeschneit. Es brauchte lange, die To-do-Listen abzuarbeiten, um wieder oben zu beginnen.

Schon am Samstagabend war laut Heinemann Streusalz auf die Straßen aufgebracht worden, um dem angesagten Blitzeis vorzubeugen. „Weil sich der Schnee einfach darüber gelegt hat, hat das aber wenig gebracht“, bedauerte er. Jeweils mehr als ein Dutzend Bauhof-Mitarbeiter waren den Tag über im Einsatz, um 13 Uhr übergab die Früh- an die Spätschicht.

VKU stellt Busverkehr ein

Die VKU teilte schon am Sonntagmorgen mit, dass zunächst bis 11 Uhr alle Busse ausfallen. Kurz vor diesem Zeitpunkt hieß es dann, der Linienverkehr an diesem Tag werde wegen der Wetterbedingungen ganz eingestellt. Ob er zum Einsetzen des Berufsverkehrs am Montagmorgen wieder aufgenommen wird, konnte die VKU am Sonntag noch nicht mitteilen. „Das entscheidet die Leitstelle gegen 3.30 Uhr“, sagte Felicitas Lachmann, Sprecherin des Verkehrsunternehmens. Natürlich werde alles dafür getan, damit die Busse möglichst schnell wieder fahren, betonte Lachmann. Bei den weiteren Planungen könne man sich aber nicht auf die Wetterprognosen verlassen, sondern müsse die tatsächliche Situation vor Ort in den Blick nehmen. „Niemand weiß, wo‘s genau noch runterkommt.“

Auch der Zugverkehr im Kreis war stark von den Schneefällen betroffen. An den Bahnhöfen in Unna, Kamen und Bönen etwa ging nichts mehr. Weil Weichen festfroren, konnten sowohl die Eurobahn sowie Zuganbieter National Express ihre Züge nicht auf die Strecke bringen. „Wir stehen in Bereitschaft. Sobald es möglich ist, nehmen wir den Verkehr wieder auf“, versicherte die Sprecherin des Eurobahn-Betreibers Keolis, Nicole Pizzuti.

Die Feuerwehr Bergkamen musste zunächst zu keinem witterungsbedingten Einsatz aufbrechen. „Wir hatten auch sonst keine Alarmierungen“, berichtete Feuerwehrchef Dirk Kemke am Sonntagmittag. Kurz danach rückte die Einheit Mitte dann doch aus und befreite an der Töddinghauser Straße zwei Laternen von Eiszapfen. Diese drohten auf die Straße zu fallen.

Am Nachmittag entschied sich die Feuerwehr, ihr Gerätehaus in Bergkamen-Mitte durchgehend mit einer Gruppe von Einsatzkräften zu besetzen (siehe Kasten). Das sollte die längeren Anfahrtswege der Kollegen durch den Schnee kompensieren. Ab 19 Uhr sollten die Wehr-Angehörigen aus Oberaden übernehmen, ab 0 Uhr bis zum Morgen die Frauen und Männer aus Rünthe sowie Overberge am Standort Rünthe.

Rettungsdienst stattet Fahrzeuge mit Schneeketten und Spikes aus

Auf die besondere Wetterlage hatten sich die Retter akribisch vorbereitet und dabei unter anderem die Fahrzeuge vollgetankt und winterfest gemacht. „Wir haben unsere Mitglieder zur Besonnenheit aufgerufen, wenn sie zu den Gerätehäusern kommen“, sagt Kemke. Auf dem Weg dorthin seien sie den gleichen Gefahren durch Schnee und Glatteis ausgesetzt wie alle anderen Autofahrer.

Die Feuerwehr Bergkamen wandte sich am Nachmittag über Facebook an die Mitbürger: „Bitte beachten Sie die aktuelle Wetterlage und vermeiden Sie es, mit dem Auto zu fahren“, hieß es. Und: „Bei Spaziergängen achten Sie bitte darauf, dass es nicht nur auf den Straßen, sondern auch auf den Gehwegen zu extremer Glätte kommen kann. In Waldgebieten kann es durchaus zu abknickenden Ästen durch die Schneelast kommen.“

Der Rettungsdienst hatte vorgesorgt. Um seine Einsatzorte sicher zu erreichen, waren die Fahrzeuge mit Schneeketten und Spikes ausgestattet worden. „Es läuft alles reibungslos; es gibt keine Besonderheiten“, sagte Peter Büttner, Sprecher der Stadt Kamen, die den Rettungsdienst federführend auch für Bergkamen und Bönen organisiert.

Situation auf den Straßen entspannt

Die ersten Glatteisunfälle im Kreis hatte es bis zum Morgen in Schwerte und Fröndenberg gegeben – mit jeweils etwa 6000 Euro Sachschaden. Außerdem rutschten in Werne und Unna zwei Fahrzeuge in Gräben, ein weiteres Fahrzeug schlitterte in Bönen gegen eine Leitplanke. Niemand wurde verletzt.

Gegen 15.30 Uhr zog Michael Böll von der Polizei-Leitstelle in Unna eine positive Zwischenbilanz. „Die Lage ist momentan entspannt“, sagt er. Offenbar hätten sich viele Autofahrer an die Empfehlung gehalten, ihr Fahrzeug stehen zu lassen. Er selbst sei auf dem Weg zur Arbeit so gut wie keinem anderen Verkehrsteilnehmer begegnet. „Aber wir müssen abwarten, wie sich die Sache entwickelt“, sagte Böll mit Blick auf den Berufsverkehr am Montag.

Für den Winterdienst von Straßen.NRW hatten beim Räumen die Autobahnzubringer und Bundesstraßen Priorität, gefolgt von den Landstraßen. Heinemann vom EBB kann sich an keine derartigen Schneemassen in den zurückliegenden Jahren erinnern. Den letzten „harten Winter“ für den Bauhof habe es 2010/11 gegeben. „Den kann das Wetter jetzt aber noch nicht knacken.“

Den Kindern dürfte es egal sein, solange der Schnee lange liegen bleibt und für Abwechslung in Corona-Zeiten sorgt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare