Frau leidet noch heute

Schläge, Tritte und Todesdrohungen: Mann (35) aus Bergkamen quält jahrelang seine Frau

Streit Gewalt Anschreien Missbrauch Symbolbild
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Der Mann aus Bergkamen wurde immer wieder gewalttätig gegenüber seiner Frau. (Symbolbild)

Jahrelang litt eine Frau unter der Gewalt und Drohungen ihres Mannes. Die Frau ist dabei körperlich und seelisch verletzt worden. Ein Mann aus Bergkamen ist für die Taten nun verurteilt worden.

Bergkamen - „Gute vier Jahre haben Sie Ihre Frau gequält“, stellte der Richter des Schöffengerichts im Amtsgericht Unna fest. Einige Augenblicke zuvor hatte er den 35 Jahre alten Angeklagten aus Bergkamen wegen mehrfacher Körperverletzung, Bedrohung und Nötigung zu drei Jahren und drei Monaten Haft verurteilt. Der Bergkamener gab sämtliche Anklagepunkte zu.

Die Vorwürfe nahmen ihren Anfang im September 2016. In der gemeinsamen Wohnung in Bergkamen kam es zwischen dem Angeklagten und seiner Ehefrau zum Streit. In dessen Verlauf hielt der Mann der Geschädigten ein Messer an den Hals.

Mann aus Bergkamen quält seine Frau: Gürtel und Staubsauger als Waffe

Danach kam es immer wieder zu Gewalttaten und Drohungen des Mannes gegen seine Frau. Im Juli 2017 zog der Angeklagte seiner Frau mehrfach an den Haaren und verpasste ihr mehrere Faustschläge. Schließlich schnallte er seinen Gürtel ab und setzte ihn als Schlagwerkzeug ein. Dabei wurde ein Finger der heute 32-Jährigen derart verletzt, dass eine OP nötig war.

Später ärgerte sich der Angeklagte über Fotos auf dem Handy seiner Frau. Auch hierfür gab es Schläge und einen Tag später warf der Angeklagte seine Frau aufs Bett, hielt ihr beide Hände fest und schlug ihr so heftig und oft ins Gesicht, bis die Lippe der Geschädigten aufplatzte.

Im März 2018 machte die Frau aus Versehen einen Kratzer in den Staubsauger. Darüber wütend, ergriff der Angeklagte das Rohr des Sauggerätes und schlug so kraftvoll auf die Frau ein, dass sie zu Boden fiel. Unten liegend trat der Bergkamener auf sein Opfer ein. Anschließend konnte die 32-Jährige mehrere Tage nicht richtig stehen.

Mann aus Bergkamen quält seine Frau: „Jetzt stirb, jetzt stirb“

Im Dezember 2018 befand sich das Ehepaar im Schlafzimmer. Dort drückte der Angeklagte seiner Frau ein Kissen aufs Gesicht. Immer wieder sagte er „jetzt stirb, jetzt stirb“. Die Frau erlitt eine Panikattacke.

Am 25. Dezember 2018 holte der Angeklagte seine Frau von der Arbeit ab. Kaum im Auto angekommen, versetzte er ihr mehrere Schläge auf den Hinterkopf. Zu Hause in der Küche stieß er den Kopf der Frau gegen die Kante eines Schranks. Als die 32-Jährige ankündigte, die Polizei zu alarmieren, holte der 35-Jährige eine Schreckschusswaffe und drohte damit, sie umzubringen.

Zudem soll der Angeklagte, nachdem die Frau ausgezogen war, gegen das Gewaltschutzgesetz verstoßen haben. Aus Angst vor dem Angeklagten hatte die 32-Jährige eine einstweilige Verfügung erwirkt. Danach hätte sich der Angeklagte der Frau weder nähern, noch sie telefonisch kontaktieren dürfen. Doch genau das tat er.

Zwölf Mal meldete er sich bei der Geschädigten. Zu diesem Punkt gab der Bergkamener an, nichts von der einstweiligen Verfügung gewusst zu haben. Das Gericht einigte sich darauf, diesen Punkt in Hinblick auf die im Übrigen zu erwartende Strafe, einzustellen. Einer dritten Anklage zufolge, hatte der 35-Jährige am 30. März vergangenen Jahres sowohl dem Vater, als auch dem Onkel der Frau damit gedroht, sie umzubringen. Das bestritt der Angeklagte zunächst, gab es später aber doch noch zu.

Mann aus Bergkamen quält seine Frau: „Seine Gewalt hat mich krank gemacht.“

Die Geschädigte hätte aufgrund des umfangreichen Geständnisses ihres Mannes nichts mehr sagen müssen. Allerdings war ihr anzumerken, dass sie viel Redebedarf hatte. Detailliert und merklich nervös berichtete sie: Es sei sehr belastend für Sie, sich mit dem Mann in einem Raum zu befinden, gab die 32-Jährige zu Beginn ihrer Aussage an. „Er hat mich psychisch kaputt gemacht.“ Sie habe ihn verlassen, weil sie Angst hatte, er würde sie jeden Moment umbringen. „Er hat mir das Leben zur Hölle gemacht“, erklärte die Frau. „Seine Gewalt hat mich krank gemacht. Ich habe Todesangst.“ Noch heute leide sie unter Schlafstörungen, sei nicht in der Lage, eigenständig Entscheidungen zu treffen, verlasse das Haus nicht, sei nicht in der Verfassung, soziale Kontakte zu pflegen.

Der Angeklagte habe damit gedroht, ihre Familie umzubringen, wenn sie sich scheiden ließe. Um überhaupt mit ihrem Leben klar zu kommen, nehme sie derzeit Antidepressiva und Schlafmittel.

„Es klingt dramatisch und es war auch dramatisch“, fasste der Vertreter der Staatsanwaltschaft das Gehörte zusammen. Das Verhalten des Angeklagten sei frauenverachtend, menschenverachtend. Die Geschädigte leide bis heute. Das sah auch der Richter so. Er sprach sich für ein Schmerzensgeld des Angeklagten an seine Noch-Ehefrau in Höhe von 30 000 Euro aus.

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