Seit einem Jahr in Betrieb

Schießzentrum in Overberge: Gelungener Neustart nach Corona-Pause 

+
Jägerin Yvonne Schulz-Garbe beim Übungsschießen auf den „Laufenden Keiler“.

Bergkamen – Das Schießzentrum in Overberge findet auch bei auswärtigen Jägern und Sportschützen immer mehr Zuspruch. Das berichten Betriebsleiter Markus Milewski und Reinhard Middendorf, Vorsitzender der Kreisjägerschaft Unna.

Die Auslastung der Anlage sei nahezu wieder auf dem Niveau wie vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie im Frühjahr, heißt es. Neue Nutzer sollen die Umsatzeinbußen durch die achtwöchige Zwangspause vergessen machen.

Vor einem Jahr ging das Schießzentrum an der Hansastraße als eines der modernsten in Deutschland in Betrieb. Errichtet haben es die rund 1.200 organisierten Jäger im Kreis Unna zusammen mit der Kreisjägerschaft Hamm (600 Mitglieder). Sie alle hatten bis dahin weite Wege in Kauf nehmen müssen, um im geschützten Rahmen ihre Waffe einzuschießen, durch Übungen ihre Treffsicherheit zu verbessern oder auch Schießnachweise zu erbringen. „Die hiesige Region galt als weißer Fleck in der Landschaft“, sagt Middendorf. Nun kämen die Kunden aus dem weiten Umfeld nach Bergkamen, das wegen der Nähe zum Kamener Kreuz ja auch verkehrstechnisch gut gelegen sei – etwa aus dem Münsterland, dem Raum Soest und auch dem Märkischen Kreis.

Betriebsleiter Markus Milewski am Leitstand der Raumschießanlage. In dem Schießkino läuft gerade eine Rotte Wildschweine über die Leinwand – eine typische Jagdszene

Und es sind nicht nur Jäger und Sportschützen, die hier eine schießtechnische Heimat gefunden haben, sondern auch Mitarbeiter von Behörden. „Die Bundespolizei hat die Anlage auch während der offiziellen Schließungszeit nutzen dürfen und genutzt“, erläutert Middendorf. Mittlerweile gingen hier zudem wieder die Zollbehörden ein und aus.

Delle beim Umsatz, aber stabile Beiträge 

Für den Betrieb der Anlage haben die Jäger eine eigene GmbH gegründet. Auch wenn langsam wieder Normalität einkehrt: „Corona hat uns als Unternehmen in Gründung ganz schon zu schaffen gemacht; finanziell war das verheerend“, sagt Middendorf. Ohne die Pandemie wäre man wohl ein Jahr weiter, läge die Auslastung schon um 15 Prozent höher. Kommt hinzu, dass das Budget für die Startphase stärker geschrumpft ist als im Businessplan vorgesehen. „Höhere Beiträge der Jäger sind aber nicht erforderlich“, betont Middendorf.

In den Bau des Schießzentrums sind zum Großteil Gelder aus der Jagdabgabe geflossen, die jeder Jäger entrichten muss, darüber hinaus Rücklagen, Kreditmittel sowie die Muskelkraft der Mitglieder. 7,3 Millionen Euro hat es insgesamt gekostet, mehr als geplant. Auch deshalb wurden die hiesigen Jäger stärker zur Kasse gebeten als vorgesehen. Sie zahlen nun zweckgebunden 60 Euro im Jahr.

Wegen Pandemie: Vorträge und Tagungen abgesagt

Dafür kommen sie allerdings auch in den Genuss von Vergünstigungen, etwa bei der Buchung der Raumschießanlage, in der mit ausgeklügelter Technik realistische Jagdszenen oder Einsatzszenarien auf eine Leinwand projiziert werden. Middendorf freut sich darüber, dass die Mitglieder beider Kreisjägerschaften auch ehrenamtlich mit anpacken, wenn es beispielsweise um die Pflege der Außenanlagen geht.

Durch Corona war nicht nur das öffentliche Schießen samt Terminvereinbarungen mit Gruppen zum Erliegen gekommen. Auch geplante Vorträge, Tagungen, Kochkurse mit Wildfleisch-Rezepten in der hauseigenen Küche und kulturelle Veranstaltungen im Zentrum mussten abgesagt oder auch verschoben werden. Wegen der aktuellen Abstandsregeln fasst der große Schulungsraum nur noch 25 Zuhörer, wo bislang bis zu 80 Platz fanden.

Überdies pausierte die Ausbildung von Jungjägern, die erstmals angeboten wurde. „Sie hätte eigentlich im April abgeschlossen werden sollen“, erläutert Betriebsleiter Milewski. Nun seien die Abschlussprüfungen für August, Anfang September angesetzt. Unna/Hamm ist Ausbildungsstätte des Landesjagdverbandes, dem ersten Ausbildungsjahrgang gehören rund 45 Kursteilnehmer an.

Jagdintensive Zeit beginnt bald wieder

 Was die Verantwortlichen für die nahe Zukunft des Schießzentrums optimistisch stimmt: Die jagdintensive Zeit ab Herbst steht kurz bevor und damit auch die Notwendigkeit der Jäger, einen Übungsnachweis vorzulegen. Den erbringen sie auf einer der jagdlichen Schießanlagen, sodass erhöhte Nachfrage garantiert ist. Auch die Synergien, die sich durch das untervermietete Jagdgeschäft „Jagdwelt24“ im gleichen Gebäude ergeben, sind groß. „Wir leben voneinander. Wer eine Waffe kauft, kann sie gleich ausprobieren und einschießen. Das ist service- und kundenorientiert und hilft uns, die Auslastung zu erhöhen“, erläutert Milewski.

Der 50-Jährige ist im Übrigen die einzige Vollzeitkraft im Schießzentrum. Fast alles geht über seinen Tisch – seit Februar auch die Terminreservierungen für die Raumschießanlage, die zuvor von einem Pächter betrieben worden war.

„Kein normaler Angestellten-Job“

„Das hier ist kein normaler Angestellten-Job“, sagt Milewski. Als passionierter Jäger engagiere er sich aber gerne, auch unabhängig geregelter Arbeitszeiten. Milewski stehen vier 450-Euro-Kräfte zur Seite, die nach Ende der Corona-Pause mittlerweile alle wieder an Bord sind. Sobald ein Schießstand genutzt wird, ist eine Aufsichtsperson verpflichtend.

98 Prozent der Nutzer seien „super zufrieden“ mit dem Angebot des Schießzentrums, betont Middendorf. Das sei auch wichtig, denn man lebe von der Mund-zu-Mund-Propaganda. Im Schnitt steuerten derzeit täglich bis zu 100 Jäger und Sportschützen das Schießzentrum an, dazu bis zu 30 Beschäftigte von Behörden. Auch der Montag werde gut angenommen. Dann ist die Anlage den eigenen Mitgliedern vorbehalten.

Insgesamt vier Schießstände

Das Schießzentrum verfügt über vier Schießstände: einen für Kurzwaffen wie Pistolen und Revolver (fünf 50-Meter-Bahnen), einen für Langwaffen (vier 100-Meter-Bahnen), einen zum Schießen auf einen „Laufenden Keiler“ beziehungsweise (mit Schrotkugeln) auf einen Kipphasen und eine sogenannte Raumschießanlage. Diese wird nicht nur von Jägern und Sportschützen genutzt, sondern auch von Behördenmitarbeitern, die im Dienst eine Waffe tragen. Das Schießkino erlaubt praxisnahe Übungsmöglichkeiten durch realistische (Einsatz-)Szenarien. Diese werden per Beamer auf eine mit Thermopapier überzogene Leinwand übertragen. Mithilfe von Sensoren und vom Computer unterstützt wird errechnet, ob das Projektil das jeweilige Ziel getroffen hat.

www.schiesszentrum-unna-hamm.de

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare