Die Schätze von Gut Keinemann: Dokumente aus Napoleons Zeiten

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Die Familiengeschichte der Keinemanns kann Thomas Albrecht mit dieser Ahnentafel nachvollziehen.

Rünthe – Wenn ein Gebäude zu Rünthe gehört, dann ist es Gut Keinemann. Dieser Ansicht ist zumindest Stadtarchivar Martin Litzinger. Seit Jahrhunderten liegt der Hof an dieser Stelle am heutigen westlichen Ortseingang von Rünthe, und steht heute in gleich doppeltem Sinn unter Denkmalschutz.

Sowohl das Haupthaus mit Deele als auch die große Scheune auf der rechten Seite müssen im Inneren wie im Äußeren als Kulturgut unveränderlich erhalten bleiben, darüber hinaus steht aber auch das gesamte Ensemble unter Schutz, sodass auch die übrigen Gebäude besonderen Auflagen unterliegen. 

Im Archiv der Stadt Bergkamen, aber auch in Privatbesitz des bisherigen Eigentümers Thomas Albrecht befinden sich Unterlagen, die deutlich machen, warum Hof Keinemann so bedeutsam für Rünthe und seine Geschichte ist. Die große schwarze Mappe, vor der Thomas Albrecht sitzt, nimmt mehr als die Hälfte des alten Bauerntisches ein. Ihr Inneres ist ein echter Schatz. 

Der Auszug aus der Grundsteuerrolle von 1811 zeigt das Bürgermeistersiegel Pelkum, das vom napoleonischen Wappen geprägt ist. Unterzeichnet wurde mit „pro extractu Bönen, den 6. Dezember 1811, vom Maire von Pelkum Biermann.“ Der Maire war nach dem Einmarsch der französischen Truppen der Bürgermeister.

Papiere, die 150 Jahre und älter sind. Kaiser- und königliche Siegel, die man sonst nur aus Büchern kennt, Stempel aus dem Großherzogtum Berg mit dem napoleonischen Wappen und stets gestochen scharfe Handschriften zieren die Korrespondenz. Litzinger hat viele Kopien, Albrecht einige Originale. 

„Ich habe sie von einem Keinemann aus dem Frankfurter Raum bekommen, als ich das Anwesen gekauft habe“, erklärt Albrecht, der selbst keinen familiären Bezug zur Hofstelle hat. Bei Litzinger sieht das anders aus: „Die Familie meiner Frau hat eine Verbindung zur ganzen alten Familie Keinemann“, verrät Litzinger, warum der Oberadener ein besonderes persönliches Interesse am Hof Keinemann und seiner Geschichte hat. 

Verschwundene Weinflaschen

Litzinger „bedauert sehr“, dass nach dem Tod des letzten Keinemann auf dem Gut im Jahr 2009 vieles drunter und drüber ging. Auch Albrecht, der das Anwesen später erwarb, weiß von stattgefundenen Flohmärkten, bei denen vieles einfach mitgenommen wurde und verschwand. „Sogar im Weinkeller fehlten hinterher etliche Flaschen.“ Dabei ist sich Stadtarchivar Martin Litzinger sicher, dass es im Sinne der letzten Keinemanns gewesen wäre, die alten, historischen Unterlagen dem Archiv der Stadt zuzuführen und sicher für die Nachwelt zu verwahren. 

Denn so manche Urkunde, die Litzinger in Kopie hat, ist historisch wirklich bedeutsam. Wie ein persönlich von Freiherr vom Stein unterzeichnetes Schriftstück, das dem Gut 1824 die erblichen Besitzrechte anerkennt. 

Da ist ein Blick in die Geschichte notwendig: Entstanden ist die Hofstelle in Rünthe vermutlich im zwölften Jahrhundert. Sicher ist, dass der märkische Ritter und Lehnsträger Gottfried Duttinc den Hof zum Preis von 30 Mark Silber an das Kloster Cappenberg verkaufte. Dieses Rechtsgeschäft genehmigte und bestätigte Graf Engelbert I. von der Mark nachträglich am 12. Juli 1277. Miteigentumsrechte an diesem Hof hatte aber auch Graf Diedrich von Limburg, der seine Rechte dann 1281 an das Kloster abtrat. 

Pferd und Kühe als Mitgift

Ab da war Gut Keinemann nicht nur verpflichtet, jährliche Abgaben zu leisten, die Hofbewohner mussten auch auf Cappenberg Dienste leisten und wenn jemand durch Heirat den Hof verließ, musste er oder sie sich freikaufen. Zwei solcher Freilassungsurkunden gibt es aus dem Jahr 1732, als 16 Reichsthaler gezahlt werden mussten. „Das war eine ganz beträchtliche Summe. 

Da hätte man einige Stück Vieh von bekommen“, erklärt Litzinger. Und als Mitgift erhielten einige Kinder, weil sie mit der Hochzeit Abstand vom Erbe nahmen, zwischen 1790 und 1800 genau 260 Reichsthaler, 1 Pferd im Wert von 40 Reichsthalern, zwei Kühe (30 Reichsthaler), ein Bettgestell, zwei Koffer (also mit Wäsche gefüllte Truhen) und einen Schrank. 

„Daraus lässt sich der Wert des damaligen Hofs ableiten“, erklärt Litzinger, ebenso wie aus den Pachtzahlungen und Inventarlisten, die noch erhalten sind. Dass der Name Keinemann über Jahrhunderte ´Bestand hatte, liegt auch daran, dass einheiratende Männer den Namen annahmen. Und zwar mehrmals. 1541, 1561, 1653 oder 1657 zum Beispiel. 

Thomas Albrecht ist auch im Besitz einer Namensliste all derer Rünther, die 1849 als Bürgerwehrflichtige geführt wurden.

Das geht auch klar aus dem Stammbaum der Familie hervor, den Thomas Albrecht im Original besitzt. Im Dorf genossen die Keinemanns stets hohes Ansehen. Die Familie stellte mehrere Gemeindevorstände – und 1877 ließ einer von ihnen sogar das noch heute „Amtshaus“ genannte Gebäude hinten links auf dem Hof errichten. Bei der Bauweise war man seiner Zeit meist voraus. 

So steht die große Scheune vor allem deshalb unter Denkmalschutz, weil sie ein Vier-Ständer-Fachwerk besitzt. „Von innen gibt es keine Tragachsen“, erklärt Albrecht. „So entstand ein hallenförmiges Gebäude.“

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