Schachtgerüst Haus Aden in Bergkamen

„Kosten sprechen klare Sprache“: Förderturm hat wohl keine Zukunft

Die Tage des Schachtgerüsts Haus Aden scheinen gezählt. Drei 
Millionen Euro würde die Versetzung kosten – zu viel für SPD und Grüne.
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Die Tage des Schachtgerüsts Haus Aden scheinen gezählt. Drei Millionen Euro würde die Versetzung kosten – zu viel für SPD und Grüne.

Die Chancen, dass das Schachtgerüst Haus Aden versetzt wird und dadurch dauerhaft erhalten bleibt, scheinen äußerst gering. So teilen SPD und Grüne im Stadtrat die Einschätzung der Verwaltung, dass wegen der voraussichtlichen Kosten von 3 Millionen Euro auf das Vorhaben verzichtet werden sollte. Das ergibt die Nachfrage bei den beiden Fraktionsvorsitzenden.

Bergkamen – SPD (21 Sitze) und Grüne (acht Sitze) bilden eine Mehrheit im Stadtrat und sind mit Beginn der Legislaturperiode eine inhaltliche Partnerschaft eingegangen. Zur selben Schlussfolgerung in Sachen Förderturm sei man aber unabhängig voneinander gekommen, heißt es. Seit Mittwoch ist bekannt, dass eine Versetzung des Förderturms technisch möglich ist und wie teurer sie wäre.

„Die Kosten sprechen eine klare Sprache“, sagt Rüdiger Weiß (SPD). Zwar habe seine Partei die Pläne des Geschichtskreises Haus Aden/Grimberg 3/4 zur Rettung des Schachtgerüsts bis dato stets positiv begleitet, sei zunächst auch regelrecht von ihr „angetan“ gewesen. Die Zahlen aus dem nun vorliegenden Gutachten aber seien „ernüchternd“ und ließen sich „nicht wegdiskutieren“.

Da spielt auch das Gefühl eine große Rolle.

Rüdiger Weiß, SPD-Fraktionschef

52 Seiten habe das Gutachten, das den Fraktionen vorläge, berichtet Weiß. Da stecke Sach- und Fachverstand drin, die Kosten seien nach seiner Ansicht seriös gerechnet. Neben den 3 Millionen Euro für eine Sanierung und Versetzung des Schachtgerüsts schlügen auch die möglichen Folgekosten ins Kontor: laut Weiß 142.000 Euro jährlich.

Auch die Grünen begründen ihr „Nein“ zur Versetzung des Schachtgerüsts mit den hohen Kosten. Sie seien „nicht vertretbar“, sagt Fraktionschef Thomas Grziwotz – obwohl ein Erhalt des Bauwerks grundsätzlich zu begrüßen sei und der Einsatz des Geschichtskreises wertgeschätzt werden müsse. Zu anderen Konditionen hätte man über die Versetzung nachdenken können.

„Schon jetzt viele Erinnerungen an Bergbau“

Weiß und Grziwotz weisen darauf hin, dass die Stadt angesichts der Corona-Pandemie mit weniger Steuereinnahmen rechnen müsse, aber weiterhin umfangreiche Aufgaben wahrzunehmen habe – und dass man andere Bereiche und Projekte nicht aus den Augen verlieren dürfe, für die ebenfalls Geld benötigt werde. Weiß spricht den Neubau der Jahnschule an, ein neues Feuerwehr-Gerätehauses für Oberaden sowie die Schaffung weiterer Kunstrasenplätze. Grziwotz wünscht sich mehr Engagement im Bereich des Klimaschutzes sowie im Sozialen.

Fördermittel seien für eine Versetzung wohl nicht zu bekommen, heißt es. Anders als das Schachtgerüst Neu-Monopol in Mitte stehe Haus Aden in Oberaden nicht unter Denkmalschutz. Was die Erinnerung an den Bergbau betrifft, so sehen SPD- und Grünen-Politiker die Stadt bereits gut aufgestellt – mit besagtem Förderturm in Bergkamen-Mitte, der architektonischen Aufwertung der geplanten RAG-Maschinenhalle zur Grubenwasserhaltung und den Aktivitäten im Museum. Grziwotz kann sich hier noch mehr finanziellen Einsatz vorstellen.

Alternativ-Vorschlag abgelehnt

Laut Weiß hat die SPD dem Geschichtskreis einen Alternativ-Vorschlag unterbreitet. Demnach könnte nicht der ganze Turm versetzt werden, sondern nur die oberen 17 Meter mit den vier Seilscheiben. „Das Ganze wiegt immer noch bis zu 250 Tonnen“, so der SPD-Fraktionschef. Mit dem Vorschlag habe man den Aktiven entgegenkommen wollen, er sei aber abgelehnt und nun auch selbst verworfen worden. „Wir wollen ja nicht noch einmal Verdruss auslösen.“

Die SPD habe sich ihre Entscheidung gegen die Versetzung nicht leicht gemacht, sagt Weiß. Wohl jeder in der Partei sei mit dem Bergbau verbunden. „Da spielt auch das Gefühl eine große Rolle.“

Ob Haus Aden 2 auch ohne Einsatz öffentlicher Gelder eine Zukunftschance hat, ist fraglich. Die RAG als Eigentümerin plant den Abriss des Förderturms, wenn ihn niemand haben will.

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