Nach Entscheidung gegen den Erhalt von Haus Aden 2

Förderturm in Bergkamen: Abriss hat begonnen - und liefert imposante Bilder

Der Abriss des Schachtgerüstes Haus Aden 2 hat begonnen. Der Förderturm wird nicht gesprengt, sondern nach und nach in Einzelteile zerlegt und abgetragen.
+
Zuerst sind die Seilscheiben an der Reihe. Danach wird das Schachtgerüst Haus Aden 2 nach und nach in Einzelteile zerlegt und abgetragen.

Die Mitarbeiter des Abrissunternehmens hatten schon Vorarbeit geleistet: Nur wenige Minuten dauerte es, ehe am frühen Mittwochmorgen die erste von insgesamt vier Seilscheiben des Schachtgerüsts Haus Aden 2 in Bergkamen zu Boden gehievt wurde. Akt eins in dem noch acht Wochen andauernden Rückbau – und für Andreas Lissner ein „trauriger Moment“, wie er sagt.

Lissner ist Standortleiter der RAG, die den Förderturm beseitigen lässt, um Platz zu schaffen für eine neue Maschinenhalle zur Grubenwasserhaltung. Der 55-Jährige hat vor 40 Jahren auf Haus Aden angefangen, mit einer Lehre zum Betriebsschlosser. Später hat er die Zusammenlegungen mit der Zeche Victoria, mit Monopol und zuletzt im Jahr 1998 mit „Heinrich Robert“ zum Bergwerk Ost erlebt. Die Demontage jetzt begleitet er noch, danach wechselt er in den Ruhestand.

„Es wäre schön gewesen, wenn das Schachtgerüst hätte gerettet werden können – etwa als Landmarke in der geplanten Wasserstadt Aden“, sagt Lissner. Aber so sollte es nicht kommen. Mitte Februar hatte es der Bergkamener Stadtrat aus Kostengründen abgelehnt, das markante, 43 Meter hohe Bauwerk zu übernehmen und an anderer Stelle neu aufzubauen.

Förderturm Haus Aden 2: Abriss hat begonnen

Förderturm Haus Aden 2: Abriss hat begonnen
Förderturm Haus Aden 2: Abriss hat begonnen
Förderturm Haus Aden 2: Abriss hat begonnen
Förderturm Haus Aden 2: Abriss hat begonnen
Förderturm Haus Aden 2: Abriss hat begonnen

Bei dem Bauwerk handelt es sich eigentlich um zwei. In der Mitte ist auch deutlich ein Spalt zu erkennen. Der östliche Teil wurde in den 1960er-Jahren errichtet. Er ersetzte damals ein einfaches Stahlgerüst. Nach dem Abteufen des Schachts 1938 war zunächst eine Holzkonstruktion aufgebaut worden.

Der westliche Bauteil kam Ende der 1970er-Jahre dazu. Hintergrund war die Nordwanderung des Bergbaus. Mithilfe dieses Gerüsts wurden die Waschberge unter Tage gebracht und in die Hohlräume verfüllt, die durch den Kohleabbau entstanden. „Das sollte die Bergsenkungen minimieren“, erläutert Lissner.

Während Haus Aden 1, das größere der beiden Schachtgerüste in Oberaden, 2005 gesprengt wurde, wird der kleine Bruder nach und nach abgetragen. Darum kümmert sich die niederländische Koole BV mit Büro in Duisburg. Das Unternehmen ist auf die Demontage von Industrieanlagen spezialisiert. „Für uns ist das hier eine normale Arbeit“, sagt Christoph Büskens, Projektleiter bei Koole – auch wenn es sein Team erstmals mit einem Förderturm zu tun bekomme.

Als ich damals im Bergbau angefangen habe, hieß es noch, auch meine Kinder könnten hier mal arbeiten. Genügend Kohle gibt es, aber nicht den politischen Willen, diese zu fördern.

Andreas Lissner, Standortleiter RAG

Allerdings gebe es durchaus Besonderheiten, so der Bauingenieur – etwa die, dass zwar alte Zeichnungen vom Bauwerk existierten, aber keine Unterlagen zu dessen Gewicht. Büskens geht nach eigenen Untersuchungen davon aus, dass insgesamt 280 Tonnen Stahl abgebaut werden müssen. Die vier Seilscheiben – es sind jeweils Doppelräder – bringen es bei einem Durchmesser von sechs Metern auf 18 Tonnen pro Stück.

„Ich hoffe“, sagt Büskens auf die Frage, ob bis Mittwochabend zumindest alle Seilscheiben am Boden sind. Wichtiger als der Zeitplan sei ihm aber die Sicherheit auf der Baustelle, betont der 36-Jährige – und damit die Gesundheit seiner Mitarbeiter.

Abriss wird dokumentiert

Die brennen den Förderturm nun nach und nach mit Schweißgeräten auseinander. „Wir bohren oben zunächst Löcher in den Stahl, führen zur Sicherung Ketten hindurch, die vom Kran herabhängen und trennen dann jeweils Einzelteile von je sieben bis zehn Tonnen ab“, verdeutlicht Büskens. Am Boden würden die Stücke dann zum Weitertransport noch einmal zerkleinert. „Wenn’s dunkel wird, ist das ein sehr schönes Schauspiel“, sagt Büskens.

Der Förderturm steht auf bis zu 4,5 Meter tiefen Fundamenten; auch die werden am Ende entfernt. Das meiste Gewicht tragen senkrechte Pfeiler, die vier äußeren Stützen sind von innen hohl, deren Stahlbleche etwa einen Zentimeter dick. Die zweite Seilscheibe verließ kurz vor 12 Uhr ihren angestammten Platz. Um an die beiden letzten Exemplare zu gelangen, müssen zunächst Gerüstteile beseitigt werden.

„Jede Baustelle bringt neue Herausforderungen und Gefahren“, sagt Büskens. Jene in Bergkamen sorgt darüber hinaus für große Aufmerksamkeit. So waren jenseits des Betriebsgeländes etliche Schaulustige beim Fotografieren zu beobachten. Die Stadt Bergkamen dokumentiert den Abriss in Bildern – um diese vielleicht später im Rahmen eines Bergbau-Rundgangs via Smartphone-App zu zeigen. Auch mithilfe einer Drohne wurden Aufnahmen gemacht.

Stadt übernimmt Seilscheiben

Zwei Autokräne stehen auf dem RAG-Gelände. Mit dem größeren 450-Tonnen-Kran werden die Gerüstteile zu Boden befördert. Dessen Arm lässt sich bis zu 85 Meter ausfahren. In der aktuellen Position kann er Gewichte bis zu 35 Tonnen heben.

Die vier Seilscheiben-Pärchen werden nicht auseinandergeschweißt. Die Stadt Bergkamen hat laut RAG Interesse an einer Übernahme geäußert, dem Ansinnen werde man auch nachkommen. Über die Höhe der Abrisskosten war am Mittwoch nichts zu erfahren. Gegengerechnet werden muss in jedem Fall der Schrottwert.

Die Abrissfirma ist seit vier Wochen vor Ort. In dieser Zeit verschwand bereits ein Großteil des Mauerwerks unterhalb des Schachtgerüsts, eine Spezialfirma beseitigte Asbest – und es liefen die Vorbereitungen für den eigentlichen Rückbau.

Schacht dient der Grubenwasserhaltung

2001 wurde auf Haus Aden die letzte Kohle gefördert. Der Schacht wurde in den vergangenen Monaten verfüllt und dabei mit drei Röhren für die Pumpen zur Wasserhaltung versehen. Dieser Bereich wird während des Rückbaus mit einer Holzmatratze samt Stahlblech und Brandschutzdecke geschützt.

Das Grubenwasser soll bis zu einer Tiefe von 600 Metern aufsteigen können. Überschüssiges Wasser soll dann unter dem Datteln-Hamm-Kanal hindurch in die Lippe geleitet werden.

Standortleiter Lissner war auch beim Verfüllen des Schachts dabei. „Als ich damals im Bergbau angefangen habe, hieß es noch, auch meine Kinder könnten hier mal arbeiten. Genügend Kohle gibt es, aber nicht den politischen Willen, diese zu fördern“, erzählt er.

Lissner wird in den nächsten Wochen wohl noch weitere traurige Momente erleben. Genauso wie jene Bergkamener, die sich eine Rettung von Haus Aden 2 durch die Stadt erhofft hatten.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert.

Hinweise zum Kommentieren: Auf wa.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.


Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.

Netiquette
Hinweis: Kommentieren Sie fair und sachlich! Rassistische, pornografische, menschenverachtende, beleidigende oder gegen die guten Sitten verstoßende Äußerungen sind verboten und werden gelöscht.

Kommentare