Gutachten liegt vor

Förderturm Haus Aden: Versetzung machbar, aber auch ziemlich teuer

Der Förderturm Haus Aden steht dem Bau einer Maschinenhalle für die künftige Grubenwasserhaltung im Weg. Noch ist unklar, was mit ihm passiert.
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Der Förderturm Haus Aden steht dem Bau einer Maschinenhalle für die künftige Grubenwasserhaltung im Weg. Noch ist unklar, was mit ihm passiert.

Das lang erwartete Gutachten über eine Versetzung des Schachtgerüstes Haus Aden 2 in Bergkamen liegt vor. Demnach wäre solch ein Vorhaben technisch machbar, allerdings mit drei Millionen Euro alles andere als preiswert. Wegen der Kostensituation rät die Stadtverwaltung davon ab, das Projekt in kommunaler Baulastträgerschaft zu realisieren. Am Ende aber entscheidet der Stadtrat.

Bergkamen – Am jetzigen Standort sind die Tage des Schachtgerüsts gezählt. Das metallene Bauwerk auf dem früheren Zechengelände in Oberaden soll einer Maschinenhalle für die Grubenwasserhaltung in der Region weichen. Eine Alternative dazu gebe es nicht, meint die RAG. Das Unternehmen selbst will den Förderturm im Zweifel abreißen – und im Falle eines Umzugs weder dessen Eigentümer bleiben noch sich an den Kosten beteiligen.

Für den Erhalt des Gerüsts setzt sich unter anderem der Geschichtskreis Haus Aden/Grimberg 3/4 ein. Das Bauwerk sei nicht nur Symbol für Bergkamens Geschichte als einst größte Bergbaustadt in Europa, sondern trage auch dazu bei, dass sich die Bürger mit ihrer Heimat identifizieren, heißt es. Zudem könne es mit Blick auf die Montanmitbestimmung auch als „Zeichen der Demokratie“ angesehen werden.

Zwischenlagerung in Einzelteilen

Möglicher neue Standort für den Förderturm wäre eine RAG-Fläche östlich der zentralen Wasserhaltung im Bereich der heutigen Trafostation. Laut Verwaltung ist das Areal im Zuge der Planungen für die Wasserstadt Aden als Gewerbegebiet ausgewiesen und über den künftigen „Adenboulevard“ erreichbar. Andere Grundstücke seien zu weit weg oder nicht geschaffen für schwere Lasten.

Laut Gutachten würde der Erwerb der RAG-Fläche etwa 200 000 bis 300 000 Euro kosten. Die Sanierung und Versetzung des Gerüsts wird mit 2,1 Millionen Euro angegeben. Hinzugerechnet werden müssten demnach auch 100 000 Euro für Einfriedigung, Beleuchtung, Beschilderung. Zusammen mit je 300 000 Euro als Sicherheitszuschlag und für eine Zwischenlagerung käme man auf besagte drei Millionen.

Eine Zwischenlagerung wäre nötig, weil eine kurzfristige Versetzung auf das angedachte Grundstück laut Gutachten angesichts nötiger Planverfahren nicht möglich ist. Favorisiert wird im Übrigen keine Umsetzung im Ganzen oder in größeren Teilen. Vielmehr soll das Gerüst so demontiert werden, dass die Einzelstücke nicht schwerer sind als 50 Tonnen. Das sei billiger, heißt es. Zudem seien Kräne, die großen Lasten tragen können, langfristig ausgebucht.

CDU will Beratung verschieben

Am 18. Februar beraten der Hauptausschuss (ab 16.30 Uhr) und danach der Stadtrat (ab 17.15 Uhr) über die Zukunft des Förderturms. Erstmals auf einer Tagesordnung steht das Thema in der Sitzung des Ausschusses für Bauen und Verkehr, der am Dienstag, 16. Februar, ab 17 Uhr ebenfalls in der Römerberg-Sporthalle tagt. Womöglich gibt es zunächst aber auch gar keine Aussprache.

So liegt ein Antrag der CDU-Fraktion vor, die Beratungen auf März zu verschieben und auf den Kulturausschuss auszuweiten. Begründung: Der Förderturm stelle eine „Landmarke“ dar und müsse daher auch aus diesem Blickwinkel betrachtet werden. Die Verwaltung hält davon wenig. Werde die Entscheidung hinausgeschoben, verzögerten sich womöglich auch der Bau der Maschinenhalle und der Wasserstadt, was Folgekosten mit sich bringen könnte, heißt es. Außerdem könne die RAG den Rückbau des Fördergerüsts nach aktuellem Stand jederzeit einleiten.

Volker Wagner, Sprecher des Geschichtskreises Haus Aden und Vorsitzender der IG BCE-Ortsgruppe Oberaden, zeigte sich in einer ersten Reaktion überrascht von den hohen Kosten, die eine mögliche Versetzung verursacht. „Damit habe ich nicht gerechnet“, meinte er. Eine ausführlichere Stellungnahme zur neuen Sachlage könne er erst nach interner Beratung abgeben, ergänzte er.

Stadt: Erinnerungskultur gibt es schon

Überrascht dürften die Aktiven auch vom Vorschlag der Verwaltung sein, das Projekt nicht in Eigenregie anzugehen. Schließlich steht ihr mit Bürgermeister Bernd Schäfer ein SPD-Mann vor, und die größte Fraktion im Rat hatte sich zuletzt stets für den Erhalt des Förderturms ausgesprochen. Die Idee, einen Förderverein als Projektträger zu gründen, hatte der Geschichtskreis nach eigenem Bekunden verworfen, weil es immer geheißen habe, das Vorhaben sei bei der Stadt besser aufgehoben.

Deren Verwaltung verweist nun darauf, dass es bereits drei bedeutende Bausteine der Erinnerungskultur in Bergkamen gibt. So soll die künftige RAG-Maschinenhalle mit öffentlicher Förderung zu einem „neuen architektonischen Identifikationsort“ werden. Zudem soll es im Zuge des Handlungskonzepts „Bergkamen mittendrin“ zu einer Aufwertung des Förderturm-Standorts Neu-Monopol kommen. Darüber hinaus wird auf die Präsentationen im Stadtmuseum verwiesen, die im Wesentlichen vom Engagement des Geschichtskreises getragen würde.

Dieser aber sähe lieber zwei von einst neun Schachtgerüsten in Bergkamen für die Nachwelt bewahrt.

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