Corona-Zwangspause in der Marina Rünthe

Santa Monika 3: Der Käpt’n macht klar Schiff

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Kapitän Jacob Smit reinigt auch die Fußböden seines Fahrgastschiffes.

Rünthe – Wenn die Santa Monika 3 wieder regulär in den Datteln-Hamm-Kanal sticht, wird sie glänzen wie noch nie seit ihrem Stapellauf 1975. Kapitän Jacob Smit hat den Buffet-Tisch des Fahrgastschiffes zur Werkbank umfunktioniert – und bringt die „alte Dame“ in der Corona-Pause auf Vordermann.

Silvester 2019. Da war die vorerst letzte Passagierfahrt der Santa Monika 3, die ihren Liegeplatz seit rund 20 Jahren in der Marina Rünthe hat. „Eigentlich hätte es nach drei Monaten Unterbrechung im April wieder losgehen sollen“, erzählt Smit. Doch zwischenzeitlich brach die Pandemie aus. Seither steckt der 70-Jährige im Kesselanzug statt in Kapitänsuniform.

„Zum ersten Mal ohne Termindruck“

Er streicht Paneele und Tresen, bringt die Tischgruppen in Ordnung, befreit die Fußböden mit einem kleinen Spachtel von der festsitzenden Schmiere – macht im wahrsten Sinne des Wortes klar Schiff.

„So lange am Stück habe ich meine Hände noch nie schmutzig gehabt“, sagt Smit und lacht. Das Ganze gehe weit über die üblichen Schönheitsreparaturen im Winter hinaus. In der Zwangspause mache er aber auch eine ganz neue Erfahrung: „Zum ersten Mal in meinem Leben kann ich ohne Termindruck arbeiten.“

Die Santa Monika 3 an ihrem Liegeplatz in der Marina Rünthe: Das Fahrgastschiff legt wegen der Corona-Pandemie voraussichtlich noch bis Ende August eine Pause ein. Viele Kunden haben umgebucht

Die Santa Monika 3 ist nicht das einzige Fahrgastschiff, das nach Ausbruch der Pandemie nicht ablegen konnte. Andere aber – etwa die MS Günther in Münster sowie die Santa Monika 1 und 2 in Dortmund – sind seit Kurzem wieder unterwegs. Der Unterschied: Sie fahren zuvorderst nach Fahrplan, ihr Angebot kann unter Einhaltung der neuen Hygienevorschriften in abgespeckter Form, aber wirtschaftlich durchgeführt werden.

„Gäste sind auf Party aus, nicht auf Abstand“

Bei der Santa Monika 3 ist das etwas anders. Sie wird zumeist in Gänze gebucht – von Vereinen, Unternehmen oder Familien. „Und die sind auf Party aus, nicht auf Abstand“, verdeutlicht Smit. Der Kapitän sieht seine Zeit gekommen, wenn etwa auch Discos wieder öffnen und größere Veranstaltungen wieder stattfinden können – frühestens also Ende August.

Dann wären auch wieder eigene Event-Fahrten möglich, die zwar im begrenzten Umfang angeboten werden, aber stets großen Anklang finden. So ist für Mitte September ein Sommerausflug mit Kaffeegedeck vorgesehen. Zwei dieser Touren, geplant für diese Woche und im August, werden wohl gestrichen, sagt Smit – auch, weil es die Rückmeldung von Stammgästen gebe, dass sie aus Angst vor einer Ansteckung lieber noch auf dem Trockenen blieben. Für die Summertime-Bordparty, die am 29. August gefeiert werden sollte, sehe es derzeit ebenfalls düster aus.

Schon 50 Fahrten ausgefallen

Mit Corona kamen die Absagen. „Bis heute sind so etwa 50 geplante Fahrten ausgefallen“, sagt Smit. Trost spendet dem 70-Jährigen die Tatsache, dass viele (Stamm-)Kunden umgebucht haben, auf Ende des Jahres oder aufs kommende. „Einer hat sogar seine Hochzeit verschoben, weil er sie zusammen mit seinem BVB-Fanclub unbedingt bei uns feiern will. Das sind ganz, ganz nette Leute.“

Zwar gibt’s für Smit auch ohne Touren reichlich zu tun, für seine Crew aus Servicekräften und einem Matrosen allerdings nicht. Sie muss abwarten, was kommt – und sich in der Corona-Zeit auf andere Weise über Wasser halten. „Auch wir kommen langsam an unsere finanziellen Grenzen“, sagt Käpt’n Smit mit Blick auf die nicht unwesentlichen Unterhaltungskosten für ein solches Fahrgastschiff.

Maschinen laufen jede Woche

Und die Technik will beansprucht werden. „Ich lasse jede Woche die Maschinen und die Kühlung laufen, um möglichen Schäden vorzubeugen“, sagt Smit. Erst zweimal lichtete er in diesem Jahr den Anker – einmal zum Auffüllen von Wasser in Hamm, das andere Mal fuhr er zum Tanken nach Datteln. 4000 Liter Diesel kann die Santa Monika 3 aufnehmen – und der Kraftstoff ist aktuell vergleichsweise preisgünstig.

Er sei als Holländer quasi auf dem Schiff geboren, sagt Smit. Daher sei es für ihn ungewohnt, so selten Maschinengeräusche zu hören. Ans Arbeiten ohne Druck könne er sich indes gewöhnen, betont er. Ebenso genieße er die besondere Ruhe, die in diesen Tagen über der Santa Monika 3 liege.

Die Gäste fehlen ihm aber trotzdem – und mit ihnen ihr zumeist positives Feedback. Smit: „Am Ende einer Tour liegen wir uns oft alle in den Armen. Die Leute merken, dass wir das hier gerne machen – und man kann es nur machen, wenn man selbst Spaß daran hat.“

Die Santa Monika 3:

Länge: 41 Meter
Breite: fast 6,5 Meter
Stapellauf: 1975 (Hammer Schiffswerft Theodor Fuest)
Liegeplatz: Marina Rünthe
Antrieb: 500 PS-Dieselmotor
Tiefgang: 60 Zentimeter
Stromanlage: 230/400 Volt Wechselstrom
Sitzplätze: 214 (Unterdeck 120; Oberdeck 94; das Sonnendeck hat Platz für 78 Menschen)
Anlegestellen: insgesamt 8 auf dem Datteln-Hamm-Kanal (Datteln, Hamm, Lünen, Bergkamen) und dem Dortmund-Ems-Kanal (Dortmund, Waltrop, Münster, Senden)
Internet: www.santamonika3.de

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